Der Schweizer Investor Energy Infrastructure Partners (EIP) hat seine Beteiligung an dem kriselnden Erneuerbarenentwickler Baywa r.e. von 49 auf 65 Prozent erhöht. Verbunden ist dies mit einer Kapitalerhöhung, durch die der Baywa-Tochter 150 Millionen Euro an frischen Finanzmitteln zufließen.
EIP löst damit die Baywa als Mehrheitsaktionär ab, der bisherige Mutterkonzern hält künftig 35 Prozent der Anteile. Die Kartellbehörden müssen diesem Schritt noch zustimmen.
Die neu strukturierten Eigentumsverhältnisse von Baywa r.e. sind laut Pressemitteilung Teil einer umfassenden Restrukturierung der Baywa-Gruppe. Die neue Eigentümerstruktur ermögliche es dem Erneuerbaren-Entwickler mit Sitz in München, zukünftig sowohl strategisch als auch finanziell unabhängig zu operieren. Der Zeitraum für die Transformation und Sanierung des Unternehmens, der bislang bis Ende 2027 vorgesehen war, wird um ein Jahr bis Ende 2028 verlängert.
Fokus auf Geschäftsfeldern mit positiver Marktprognose
Führende Kreditgeber und das Netzwerk der Partnerbanken von EIP erweitern die Kapitalstruktur von Baywa r.e. Alle bestehenden Kredit- und Garantielinien bleiben bis Ende Dezember 2028 bestehen.
Zukünftig wird EIP das Unternehmen auf seine Kernkompetenzen ausrichten, insbesondere als einen der grössten Entwickler von Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien weltweit. Dabei will sich das Unternehmen auf Geschäftsfelder konzentrieren, die eine positive Marktprognose haben, und in denen Baywa r.e. bereits heute über eine gute Wettbewerbsposition verfügt.
Um langfristiges Wachstum und Profitabilität zu ermöglichen, wird der Entwickler und Vermarkter von Erneuerbaren-Projekten den Fokus verstärkt auf das Portfolio von Anlagen richten, die als unabhängige Stromerzeuger (IPP) kohlenstofffreien Strom produzieren, sowie auf die Entwicklung von Wind-, Solar- und Energiespeicherprojekten. Das Unternehmen werde sich zudem auf strategische Kernmärkte konzentrieren, um seine operative Effizienz weiter zu steigern.
"Wir wollen die Baywa r.e. dabei unterstützen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen." Roland Dörig, geschäftsführender Partner von EIP
"Wir sind vom enormen Potenzial von Baywa.re, seiner erfahrenen Belegschaft und seiner einzigartigen Position, die Energietransformation voranzutreiben, überzeugt", sagt Roland Dörig, geschäftsführender Partner von EIP. Man wolle den Projektentwickler dabei unterstützen, sein volles Potenzial auszuschöpfen.
"Mit EIP als Mehrheitsaktionär haben wir einen finanzstarken und langfristig orientierten Partner an unserer Seite, der Baywa r.e. bestens kennt und über umfassende Expertise im Energiemarkt verfügt", ergänzt Matthias Taft, CEO der BayWa r.e. Mit der gestärkten Kapitalbasis habe man die Möglichkeit, die eingeleitete Transformation verlässlich und konsequent umzusetzen. Jetzt gehe es darum, Effizienzpotenziale zu heben, die Profitabilität zu steigern und das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen.
Unternehmensberater übernehmen auf Zeit wichtige Vorstandsfunktionen
Unterstützt wird der Transformationsprozess und die finanzielle Sanierung von der Strategieberatung Ziems und Partner. Hans-Joachim Ziems wird dabei als Chief Restructuring Officer (CRO) kurzfristig in den Vorstand von Baywa r.e. berufen und wird vor allem die Umsetzung des Restrukturierungsprogramms sowie die finanzielle Sanierung verantworten.
Elmar Geissinger, Partner bei Ziems und Partner, ist seit 14. Februar als Chief Financial Officer (CFO) im Vorstand der Gesellschaft. Seine Aufgabe ist neben der Wahrnehmung der CFO-Funktion auch die strukturelle Transformation des Projektentwicklers hin zu einem stärker zentral gesteuerten Unternehmen.
EIP hatte vor vier Jahren 49 Prozent des Aktienkapitals von Baywa r.e. erworben. Seither ist das Portfolio von Wind- und Solarprojekten, das sich hauptsächlich auf die europäischen und nordamerikanischen Märkte konzentriert, gemessen an der installierten Kapazität um mehr als 50 Prozent gewachsen. Die Projektpipeline des Unternehmens hat sich mehr als verdoppelt. Der Umsatz lag zuletzt bei 5,8 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat über sechs Gigawatt erneuerbare Energie ans Netz gebracht und verwaltet gleichzeitig über 10,5 Gigawatt an Anlagen.
Auch Baywa-Sanierung dauert ein Jahr länger
Auch die Sanierung der unter Milliardenschulden leidenden Baywa wird voraussichtlich ein Jahr länger dauern als geplant. Statt bis Ende 2027 soll die Gesundung des Mischkonzerns erst Ende 2028 abgeschlossen sein, wie das Unternehmen mitteilte. In diesem Frühjahr werden sowohl die Veröffentlichung der Jahresbilanz 2024 als auch die Hauptversammlung verschoben. Die positive Prognose für die Fortführung des Konzerns leidet darunter laut Baywa-Chefetage nicht.
Auf der Ökostromtochter Baywa r.e. lasten laut Halbjahresbilanz allein Schulden von über vier Milliarden Euro. Weil EIP künftig die Mehrheit hält, werden diese Verbindlichkeiten nicht mehr in der Bilanz der Baywa verbucht. Auf der anderen Seite schrumpft aber auch das Eigenkapital der Muttergesellschaft so sehr, dass eine Hauptversammlung wegen Verlusts der Hälfte des Grundkapitals einberufen werden muss, wie es in der Baywa-Mitteilung heißt.
Ein großer Gläubiger stimmt Sanierungsplan der Baywa nicht zu
Das bringt wiederum den ursprünglichen Sanierungsfahrplan durcheinander. Da im Wesentlichen ein großer Gläubiger des Konzerns dem Sanierungsplan nicht zustimmen will, plant die Baywa die Einleitung eines Verfahrens nach dem Restrukturierungsgesetz. Das unter dem Kürzel "StaRUG" bekannte Gesetz soll Krisenunternehmen helfen, sich ohne Insolvenzverfahren zu sanieren. Es gibt Unternehmen aber auch die Möglichkeit, den Widerstand einzelner Gläubiger auszuhebeln. Da der Sanierungsplan angepasst werden muss, wird sich laut Baywa auch die Einleitung des StaRUG-Verfahrens verzögern.
Hohe Verluste im vergangenen Jahr
In den ersten neun Monaten 2024 hatte der Baywa-Konzern fast 641 Millionen Euro Nettoverlust geschrieben. Ursache der Krise ist eine missglückte Expansion auf Kredit im vergangenen Jahrzehnt. Diese soll nun rückabgewickelt und auf Pump gekaufte ausländische Beteiligungen sollen wieder verkauft werden. Den Preis zahlt auch die Belegschaft: Anfang Dezember hatte die Baywa Stellenabbau in großem Maßstab angekündigt. Von den 8000 Vollzeitstellen der Muttergesellschaft Baywa AG sollen 1300 gestrichen werden, das entspricht 16 Prozent der Vollzeit-Arbeitsplätze des Konzerns in Deutschland. (hoe mit Material von der dpa)



