Der Markt hat sich gedreht, die Billigkonkurrenz ist zurück. Und wie reagieren kommunale Unternehmen darauf? Das wollen wir in einer Mini-Serie herausfinden. Heute Teil 1: Wer auf Deutschlands gängigen Vergleichsportalen nach Anbietern sucht, stößt ziemlich schnell auf den Mönchengladbacher Versorger NEW Energie. Im Gespräch mit der ZfK erklärt Geschäftsführer Ralf Poll, wie stark der Wettbewerb aus seiner Sicht schon wieder ist, was er von Methoden mancher Mitbewerber hält und ob sein Unternehmen die Grundversorgungspreise bald anheben muss – oder gar senken kann.
Herr Poll, die NEW gehört zu den wenigen Versorgern, die in den vergangenen Monaten fast durchgängig in der Neukundenakquise aktiv waren. Wie hat sich der Markt verändert, seitdem die Preise gefallen sind?
Ralf Poll: Es gab Zeiten im vergangenen Jahr, da war der Wettbewerb praktisch tot. Da waren auf den Vergleichsportalen nur noch zwei bis drei Gasangebote zu finden. Auch die Abschlussraten dünnten aus. Das ist jetzt ganz anders. Der Wettbewerb ist sehr intensiv. Er ist sogar noch intensiver als vor der Krise. Keiner der Preise, die auf den Vergleichsportalen ganz vorn auftauchen, ist derzeit kostendeckend, wenn man die aktuellen Börsenpreise heranzieht und Marketingkosten sowie Abschlussprovisionen mit einkalkuliert. Jeder, der hier mitspielt, investiert erst einmal in Neukunden. Und die Bereitschaft zu dieser Investition ist derzeit so hoch wie lange nicht mehr.
Auch die NEW mischt auf den Portalen ganz vorne mit, bot bereits teils Strompreise von weniger als 35 Cent pro Kilowattstunde.
Wir haben eine klare Wachstumsstrategie und fühlen uns mit unserem großen Portfolio, unserer Beschaffungsstrategie und unserem Risikomanagement so gut aufgestellt, dass wir uns jetzt ein bisschen mehr zutrauen. Wobei wir unsere eigene Sicht der Dinge haben und die Risiken zurzeit im Gasbereich etwas höher einschätzen als manch andere. Deshalb waren wir dort zuletzt etwas weiter hinten platziert als im Stromsektor. Aber auch für uns gilt natürlich: Das Neukundengeschäft kostet erst einmal Geld. Nachhaltig wird das Investment erst, wenn wir unsere Kunden über das erste Jahr hinaus halten können.
Als wie fair empfinden Sie den aktuellen Wettbewerb?
Ich nenne zwei Beispiele. Es gibt Mitbewerber, die den Grundpreis auf null setzen und dafür einen extrem hohen Arbeitspreis verlangen. Weil die Vergleichsportale in ihren Standardeinstellungen den Dämpfungseffekt der Preisbremsen mit einrechnen, landen diese Angebote trotzdem weit vorn, je nach Verbrauch sogar auf Platz eins. Aus meiner Sicht wird hier die Preisbremse missbraucht. Solche Angebote gehen zu Lasten der Steuerzahler, die die hohen Arbeitspreise mit ihrem Geld subventionieren.
Und das zweite Beispiel?
Es gibt Mitbewerber, die an besonders günstigen Börsenstromtagen Angebote einstellen und Preise versprechen, die sie auf das Jahr hochgerechnet nicht halten können. Da steht dann zwar, dass der angegebene Preis nur für den ersten Monat garantiert werde. Ab dem zweiten Monat gilt der Börsenstrompreis. Aber wie wir wissen, kann der Spotpreis extrem schwanken. Für mich ist das ein Stück weit Wettbewerbsverzerrung und Irreführung von Verbrauchern. Ich finde, dass hier Verbraucherschützer und Behörden ganz genau hinsehen und unlautere Methoden unterbinden sollten.
Die NEW ist nicht nur bundesweit aktiv, sondern in Mönchengladbach und Umgebung auch Grundversorger. Der Strom-Grundversorgungspreis liegt dort noch unter der Preisbremse. Müssen Sie wie mancher Wettbewerber hier bald erhöhen?
Im Moment stehen wir in der Grundversorgung stabil da, nachdem wir im vergangenen Jahr einen Nettozulauf in die Grundversorgung gesehen haben. Es ist nun so: Gewinnen wir weiter Kunden hinzu, können wir die Preise sogar senken. Verlieren wir dagegen zu viele Kunden, müssten wir die Preise erhöhen, um unsere Kosten zu decken. Dafür gibt es aber derzeit keine Anzeichen.
In der Branche ist es weitgehend Konsens, dass eine Rückkehr zu stabilen Vorkrisenpreisen auf den Großhandelsmärkten unwahrscheinlich ist, dass die Märkte dauerhaft volatiler bleiben werden. Was heißt das für den Vertrieb?
Die Risiken in unseren Büchern werden größer und lassen sich wohl auch nur beschränkt als Zuschläge in Endkundenpreisen abbilden. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Das heißt auch: Wenn sich die Risiken realisieren, erleiden wir Einbußen. Wenn sie sich dagegen nicht realisieren, werden die Gewinne größer.
Was bedeutet dies für das Unternehmen insgesamt?
Üblicherweise melden wir immer für die nächsten fünf Jahre Planergebnisse. Unsere Aktionäre erwarten dann, dass wir diese auch punktgenau erfüllen. Meine These ist, dass wir deutlich volatiler werden. Es wird Jahre geben, in denen wir möglicherweise deutlich mehr Gewinn einfahren. Und andere, in denen der Gewinn schrumpfen wird. Hoffentlich reden wir in diesen Jahren dann noch über Gewinne.
Das Interview führten Andreas Baumer und Hans-Peter Hoeren.
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