Drei von zehn investierten Euro gingen im ersten Halbjahr an Start-ups mit einem Nachhaltigkeitsbezug (Sustainability). Jede fünfte Finanzierungsrunde betraf damit ein junges Unternehmen mit dieser entsprechenden Ausrichtung.
Dieser Anteil war noch nie so hoch wie in dem abgelaufenen Zeitraum. Das zeigt das aktuelle Start-up-Barometer der Unternehmensberatung EY.
"Jungunternehmen mit Bezug zu den Bereichen Energy und Clima-Tech konnten entgegen des> allgemeinen Trends Zuwächse verzeichnen – gerade auch, weil sie als Start-ups Druck auf die etablierten Geschäftsmodelle und Marktteilnehmer ausüben", erklärte Thomas Prüver, Partner bei EY auf ZfK-Nachfrage.
Besonders im Erneuerbaren-Bereich gab es signifikante Finanzierungen
Ihre Vorteile – etwa eine kompakte Struktur, die die Entscheidungsfähigkeit erleichtert und die Umsetzungsfähigkeit beschleunigt, könnten Startups gerade im Energiebereich, wo Nachhaltigkeitsthemen besonders aktuell und drängend seien, voll ausspielen. Insbesondere im Bereich erneuerbare Energien haben Jungunternehmen hier erneut signifikante Finanzierungen bekommen.
Dass generell der Investitionsanteil in Jungunternehmen mit Sustainability-Fokus aktuell – trotz wirtschaftlich stürmischer Zeiten – so hoch wie noch nie ist, sei "ein starkes Signal".
In beiden Halbjahren 2022 hatte der Anteil von Start-ups mit Nachhaltigkeitsbezug noch jeweils 17 Prozent betragen. Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 910 Millionen Euro in deutsche Startups mit Sustainability-Fokus investiert, was einem Anteil am Gesamtfinanzierungsvolumen von 30 Prozent entspricht – auch dies ist laut EY ein Rekordwert.
Viele Finanzierungen aus dem Bereich Climate Tech und Energie
In dieses Segment fielen im ersten Halbjahr dieses Jahres auch 21 Finanzierungsrunden mit Unternehmen aus dem Bereich Climate Tech, Green Tech und Clean Tech. Von den 24 erfolgreich abgeschlossenen Finanzierungsrunden im Bereich Energie hatten 16 einen Bezug zum Querschnittsthema Nachhaltigkeit. Im Bereich E-Commerce, Hardware und Mobility war es jede vierte Finanzierungsrunde.
Im Segment Energie floss fast eine halbe Milliarde Euro in Start-ups mit Sustainability-Fokus, das entspricht über 70 Prozent des Risikokapitals in dieser Sparte. Auch die mit Abstand größten Finanzierungsrunden im ersten Halbjahr entfielen mit Enpal und 1 Komma 5 Grad (je 215 Mio. Euro) auf den Energiebereich.
Allgemein profitierten derzeit alle jungen Unternehmen mit Sustainability-Bezug. "Neben den klassischen Risikokapitalinvestoren fokussieren sich darauf auch insbesondere spezialisierte Nachhaltigkeitsfonds. Beide versprechen sich in diesem Bereich aufgrund des allgemeinen gesellschaftlichen Trends höhere Renditen als in anderen Sektoren", so Prüver weiter.
Gesamt-Finanzierungsvolumen ist deutlich gesunken
Insgesamt ging das Gesamtvolumen der Investitionen in den Star-up-Sektor in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 49 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zurück. Dies liegt vor allem daran, dass weniger große Deals abgeschlossen wurden. Das meiste Geld floss in den Bereich Software & Analytics (769 Millionen Euro), dahinter folgt der Bereich Energy mit Investitionen in Höhe von 677 Millionen Euro. E-Commerce-Startups erhielten Risikokapital in Höhe von 395 Millionen Euro.
Als Startups werden dabei grundsätzlich Unternehmen gewertet, die nicht älter als zehn Jahre sind.
"Startups stehen vor der Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle wetterfest zu machen"
„Deals im Gesamtvolumen von mehr als drei Milliarden Euro – das scheint auf den ersten Blick ein solider Wert zu sein. Klar ist aber auch, dass die großen geopolitischen Risiken, der hohe Inflationsdruck, das hohe Zinsniveau und die schwache Konjunkturentwicklung zu einem schwierigen Finanzierungsumfeld im Startup-Ökosystem hierzulande geführt haben“, ergänzte Thomas Prüver.
Die dadurch ausgelösten Effekte stellen Jungunternehmen vor die Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle wetterfest zu machen, realistische und belastbare Umsatzprognosen aufzustellen und den Weg zur Profitabilität aufzuzeigen. „Das ist der klare Fokus, den Investoren sehen wollen.
Derr Hotspot der deutschen Startup-Szene bleibt Berlin mit 38 Prozent aller hierzulande gezählten Finanzierungsrunden. Dahinter folgen Bayern und Nordrhein-Westfalen, die es auf Marktanteile von 18 und 13 Prozent bringen. (hoe)



