Bis Ende August soll feststehen, welcher Investor den Essener Steag-Konzern übernimmt. Bis dahin sollen die Verkaufsverträge unterschrieben, sprich das sogenannte „Signing“ vollzogen sein. Vier Interessenten haben ursprünglich konkrete Angebote abgegeben.
Mittlerweile hat sich der Bieterkreis auf zwei Unternehmen reduziert. Dies sind der tschechische Energiekonzern EPH und der spanische Infrastrukturinvestor Asterion aus Madrid, wie die Börsenzeitung unter Berufung auf Finanzkreise berichtet.
Ein Steag-Sprecher wollte die „Spekulationen“ mit Blick auf den laufenden Verkaufsprozess nicht kommentieren. Brancheninsider bestätigten auf ZfK-Anfrage aber die Richtigkeit des Artikels. Verabschiedet aus dem Bieterrennen haben sich demnach der schwedische Finanzinvestor EQT und die börsennotierte US-Beteiligungsgesellschaft KKR, die unter anderem große Minderheitsanteile an Axel Springer hält.
Steag soll als Ganzes verkauft werden
Beide hatten offenbar weitergehende Informationen zu den Ertragsperspektiven des verbliebenen Kohlegeschäfts der Steag gefordert, zum sogenannten „schwarzen Teil“ des Unternehmens. Weil die Auskünfte dazu ihnen nicht ausreichten, zogen sie ihre Angebote zurück.
Die Anteilseigner der Steag, sechs Städte im Ruhrgebiet, hatten den Verkauf immer davon abhängig gemacht, dass die Steag als Ganzes, sprich sowohl der schwarze als auch der grüne Teil (unter anderem PV, Wind), von einem Investor übernommen wird. Der tschechische Milliardär und EPH-Eigentümer Daniel Kretinsky soll laut der Nachrichtenagentur Bloomberg auch einen Plan zum Ausbau des Steag-Erneuerbaren-Engagements vorgelegt haben.
In das Kraftwerksportfolio des tschechischen EPH-Konzerns würden auch die Kohleaktivitäten der Steag gut passen. Dieser hatte bereits vor einigen Jahren die Braunkohlekraftwerke von Vattenfall im Osten Deutschlands erworben.
Steag mit massivem Gewinnsprung in 2022
Der Infrastrukturinvestor Asterion soll angekündigt haben, die Steag als Ganzes fortführen zu wollen. Koordiniert wird der Verkaufsprozess von der Investmentbank Morgan Stanley.
Die Steag hatte dank des unverhofften Comebacks ihrer Kohlekraftwerke aufgrund des Angriffskriegs in der Ukraine und den folgenden Sanktionen gegen Russland im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 1,9 Mrd. Euro erwirtschaftet. Die sechs Ruhrgebietskommunen hatten die Steag Anfang der 2010er Jahre in zwei Tranchen von Evonik gekauft für rund 1,2 Mrd. Euro.
Im Anschluss an die Vertragsunterzeichnung steht noch eine beihilferechtliche und eine juristische Prüfung der Transaktion an. Für Ende des Jahres ist dann das Closing geplant und die Zahlung des Kaufpreises. (hoe)



