Michael Klahre, Pressesprecher der Feuerwehr Dresden (Mitte), im Gespräch mit Trurnit-Geschäftsführer Leif Küpper und Christine Schulze-Grotkopp, Chefin der VKU-Kommunikationsabteilung

Michael Klahre, Pressesprecher der Feuerwehr Dresden (Mitte), im Gespräch mit Trurnit-Geschäftsführer Leif Küpper und Christine Schulze-Grotkopp, Chefin der VKU-Kommunikationsabteilung

Bild: © Jonathan Goepfert

Es war mitten in der Nacht, als Feuerwehrmann Michael Klahre zu einem Einsatz ausrückte, den er wohl sein Leben lang nicht mehr vergessen wird. Kurz nach 3 Uhr des 11. Septembers 2024 stürzte ein Teil der Dresdner Carolabrücke in die Elbe. Dabei gingen auch die beiden Fernwärmeleitungen in die Brüche. Millionen Liter kochenden Wassers ergossen sich für einige Minuten auf den angrenzenden Gehweg.

Klahre gehörte zu den Ersten, die an der Unglücksstelle eintrafen – und zu den Ersten, die reagierten. "Mir war klar: Wir müssen alles dafür tun, dass wir das Heft in der Hand halten – sowohl kommunikativ als auch, was die Deutung angeht", erinnerte sich der Pressesprecher der Feuerwehr Dresden nun bei der Premiere der comm.days, einem Veranstaltungsformat für kommunale Kommunikatoren.

Pressekonferenz noch am Morgen

Deshalb sei es für ihn selbstverständlich gewesen, ein Handy in die Hand zu nehmen und Bilder sowie Videos zu machen. Um 4.12 Uhr lud Klahre nach eigener Aussage die erste Nachricht samt Foto auf die soziale Plattform Instagram. "Ab da begann eine Art Orchester, das wir genau dirigiert haben."

In Notfallsituationen müssten sich die wichtigsten Kommunikatoren gut kennen und auch schnell zusammenfinden, sagte Klahre. Sein "Orchester" – also die Kommunikationsverantwortlichen von Stadt, Polizei, Verkehrsbetrieben und Energieversorger, der Sachsenenergie – kannte Klahre jedenfalls so gut, dass er es innerhalb kürzester Zeit zusammentrommeln konnte.

"Ich hatte unfassbares Glück, dass ich zu dieser Zeit alle telefonisch erreicht habe." Innerhalb von zwei Stunden seien alle relevanten Kommunikatoren an der Unglücksstelle gewesen. Um 9 Uhr fand die erste Pressekonferenz statt.

Klahres Kommunikation nach dem Einsturz der Carolabrücke überzeugte Dresdens Lokalpresse. Der Presseclub der sächsischen Landeshauptstadt zeichnete den Feuerwehrmann im Frühjahr 2025 mit dem "Gradmesser für exzellente Kommunikation" aus.

Pressestammtisch mit lokalen Journalisten

Klahre hatte bei den comm.days für Kommunikatoren aus der Kommunalwirtschaft zwei Ratschläge. Erstens: "Nehmen Sie Kontakt zu Polizei und Feuerwehr auf. Sprechen Sie Prozesse ab." Es sei wichtig, Vertrauen zueinander zu haben und flexibel auf neue Gegebenheiten reagieren zu können.

Selbes gelte im Umgang mit Journalisten. "Unsere Polizeidirektion veranstaltet jedes Jahr einen Pressestammtisch", sagte Klahre. Da würden sich Kommunikatoren von Stadt, Feuerwehr, Staatsanwaltschaft, Polizei und Energieversorgern in lockerer Runde mit lokalen Journalistinnen und Journalisten treffen.

"Da kommt man ins Gespräch, lernt die Historie des Gegenübers kennen, spricht auch kritisch manche Dinge an", erzählte er. Das Miteinander mit einem Journalisten, mit dem man schon ein Bier getrunken habe, sei etwas ganz Anderes als mit einem Kollegen, den man zum ersten Mal zu Gesicht bekomme.

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Vorausgefüllte Seiten und Newsroom

Zweitens sei eine gute Vorbereitung wichtig. Klahre verdeutlichte das an zwei Beispielen. Die Dresdener Feuerwehr habe in ihrem Redaktionssystem Seiten für verschiedene Szenarien vorbereitet. "Die befüllen wir mit aktuellen Informationen und schalten sie dann einfach scharf."

Zudem habe die Stadt Dresden kurz vor dem Einsturz der Carolabrücke einen Newsroom eingerichtet, wo alle Informationen zusammenlaufen und Absprachen getroffen würden, führte Klahre aus. Dieses Instrument habe sich in der Krise bewährt.

Threads statt X

Bemerkenswert war, dass die Feuerwehr Dresden nach dem Einsturz der Carolabrücke ihre Botschaften neben Instagram vor allem beim Kurznachrichtendienst Threads teilte und nicht auf X. Das habe weniger politische Gründe gehabt, sondern ganz praktische, erläuterte Klahre.

Nach der Übernahme des X-Vorgängers Twitter durch Elon Musk habe der Kurznachrichtendienst ein Abomodell eingeführt. Je nach Abonnement habe man seitdem nur eine begrenzte Zahl an Nachrichten zur Verfügung, die man lesen und schreiben könne.

Krisenkommunikatoren können sich aber in Notlagen Obergrenzen nicht leisten. Also wechselten Stadt und Feuerwehr Dresden zum X-Konkurrenten Threads. Und warum ausgerechnet dorthin? Weil sich bei Threads inzwischen Multiplikatoren wie Journalisten aufhielten, sagte Klahre.

Threads hat für den Feuerwehrmann noch einen weiteren Vorteil. Dadurch dass der Kurznachrichtendienst zum Meta-Imperium gehört, lassen sich Nachrichten auch leicht auf Instagram und Facebook teilen. "Der Workflow ist viel einfacher."

Die Zahlen geben Klahre jedenfalls recht. Inzwischen hat die Feuerwehr Dresden auf Threads mehr Follower als auf X.

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