Der britische Ökostrom- und Gasanbieter Octopus Energy hat seinen Markteintritt in Deutschland bekanntgegeben und will die Expansion auf dem hart umkämpften und sehr diversifizierten Endkundenmarkt hierzulande mit einer Anfangsinvestition von 80 Mio. Euro vorantreiben, wie die Briten am Dienstag mitteilten. Der Einstieg in den deutschen Markt sei der nächste Schritt in der internationalen Expansion und folge auf die jüngsten Markteintritte in den USA und Australien.
Octopus Energy hat seit seiner Gründung vor vier Jahren nach eigenen Angaben 1,7 Millionen Kunden gewonnen. Im Zuge der letzten Finanzierungsrunde im April dieses Jahres sei die Bewertung des Energieanbieters auf 1,5 Milliarden Euro geklettert.
30-köpfiges Team in München
Ausgangspunkt der Deutschlandpläne ist das Münchner Energie-Startup „4hundred“, welches im September 2019 von Octopus Energy übernommen wurde und nunmehr als Octopus Energy Germany firmiert. Der deutsche Markt soll von München aus mit einem 30 Personen umfassenden Team und einem vollständig digitalisierten Kundenkontakt bearbeitet werden.
Die Nähe zur Automobilwirtschaft am Standort München komme den Vertriebsbemühungen gelegen, heißt es weiter. Denn neben "innovative Grünstromtarifen für neue Stromverbrauchsprofile" stünden auch "maßgeschneiderte Tarife für E-Auto-Fahrer" im Mittelpunkt, wird Greg Jackson, Geschäftsführer und Gründer von Octopus Energy, in der Mitteilung zitiert.
Cloud-basierte Technologieplattform nutzt KI
Herzstück der Vertriebsstrategie des britischen Tech-Unternehmens ist eine Cloud-basierte Technologieplattform mit dem Namen "Kraken".
Die Plattform ist den Angaben zufolge eine inhouse entwickelte, Cloud-basierte Technologieplattform, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning einen Großteil der Energieversorgungskette automatisiert. Sie sei vor allem darauf ausgelegt, "das intelligente Stromnetz aufzubauen und Kunden Zugang zu günstigerem Strom zu ermöglichen, wenn mehr erneuerbarer Strom im Netz ist".
Über Lizenzverträge nutzen demnach auch andere Energieversorger die Plattform, unter anderem Eon in Großbritannien. Derzeit bestünden Verträge mit Good Energy, Eon Energy UK, Origin Energy sowie dem übernommenen Münchner Start-up "4hundred".
"Zum starken Player im Markt aufsteigen"
Vor wenigen Wochen hatte das norwegische Strom-Start-up Tibber einen neuen Smart-Meter-Tarif auch für private Haushalte in Deutschland vorgestellt. Durch komplett digitalisierte Prozesse verschieben die Norweger größere Lasten in Phasen mit günstigen Börsenstrompreisen und erzielen dadurch deutliche Einsparungen.
Andrew Mack, Geschäftsführer von Octopus Energy Germany, glaubt mit dem digitalen Ansatz von Octopus Energy auch in dem stark fragmentierten deutschen Endkundenmarkt reüssieren zu können: "Wir sind zuversichtlich, dass wir mit unserer Marktkenntnis und unserer branchenführenden Technologieplattform bald positive Veränderung im deutschen Energiesektor erreichen und zu einem starken Player im Markt aufsteigen können." (hil)



