Guntram Pehlke ist Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Stadtwerke AG und Vizepräsident des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU).

Guntram Pehlke ist Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Stadtwerke AG und Vizepräsident des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU).

Bild: © DSW21

Für klare Aussagen ist Guntram Pehlke bekannt und die gab es auch bei seinem letzten Bilanzpressegepräch mit Journalisten. "So lange wir keine Investitionssicherheit für den Zubau neuer Gaskraftwerke hinbekommen, werden die Kohlekraftwerke weiter laufen", zeigte sich der scheidende Chef der Dortmunder Stadtwerke (DSW21) überzeugt. Pehlke scheidet Ende Mai aus, seine Nachfolgerin wird DEW21-Chefin Heike Heim.

Als "größten Investionshemmer" für die Branche bezeichnete er die Bundesnetzagentur. "So lange die BNetzA glaubt, die Eigenkapitalverzinsung mit Blick auf die Verbraucher niedrig halten zu müssen, geht keiner in das Risiko, die Netze weiter auszubauen", reklamierte Pehlke. Was in der Energiepolitik einerseits konzeptionell-strategisch  beschlossen werde, werde andererseits gleich wieder durch soclhe Institutionen blockiert. "Was hier fehlt, ist eine Gesamtbetrachtung".

Die Bemerkungen fielen auf eine Journalistenfrage nach einer abschließenden Bewertung des Steag-Kaufs durch den Dortmunder Stadtwerkechef.

"Wir kommunale Unternehmen waren schlechte Steag-Eigentümer"

Trotz der aktuell dank der rund um die Uhr laufenden Steinkohlekraftwerke guten Geschäftslage des Energiekonzerns würde er an einem Steag-Engagement keine weitere zwei bis drei Jahre festhalten, betonte Pehlke. "Weil wir als kommunale Unternehmen verhindert haben, dass die Steag sich entwickeln und investieren kann. Wir waren schlechte Eigentümer", sprach Pehlke Klartext.

In Dortmund steht noch ein hoher offener Betrag aus Steag-Kauf in den Büchern

Die Steag gehört aktuell noch sechs Stadtwerken im Ruhrgebiet, der Verkaufsprozess läuft, bis Ende des Jahres soll das Unternehmen verkauft werden. Pehlke geht davon aus, dass die Gesellschafter mit dem Verkauf und den vor der Sanierung erzielten Dividenden mindestens den Verkaufspreis von rund 1,2 Mrd. Euro in Summe erwirtschaften werden.

Das heißt, dass das ganze Projekt für die Stadtwerke zumindestens mit einer schwarzen Null, eventuell auch mit einem kleinen Mehrerlös abgeschlossen werden kann.

In Dortmund steht aus dem Steag-Engagement noch ein offener Betrag von etwas mehr als 200 Mio. Euro in den Büchern, die Kommunale Verwaltungsgesellschaft KSBG, die die Anteile der Gesellschafter bündelt, hat noch Kredite von rund 320 Mio. offen.

Beteiligungen mit wichtigem Ergebnisbeitrag

Die Dortmunder Stadtwerke AG haben ihre Beteiligungsstruktur in den 17 Jahren Amtszeit von Guntram Pehlke noch einmal deutlich vergrößert. Der Kommunalkonzern weist über 100 Einzelbeteiligungen auf, diese breite Aufstellung hat auch im vergangenen Jahr dazu beigetragen, den "Konzerntanker" stabil durch herausfordernde Rahmenbedingungen zu steuern.

"Wir haben auf allen Ebenen gute Jahresergebnisse und sind fast überall auf Wachstumspfad. Wir müssen aber in vielen Bereichen Dinge vorfinanzieren, die Liquiditätslage des Konzerns ist angespannt", erklärte Finanzchef Jörg Jacoby. Dank eines buchhalterischen Sondereffekts schloss das Unternehmen das Geschäftsjahr 2022 mit einem Plus von 174,9 Mio. Euro (2021: – 3,7 Mio. Euro) ab.

Zum Ergebnis beitgetragen haben auch Zahlungen aus dem ÖPNV-Rettungsschirm. Als besonders erfreulich wird die Entwicklung des Dortmunder Airports herausgestrichen, der mit 2,6 Mio. Fluggästen fast das Vor-Corona-Niveau erreichte. Noch wichtiger war, dass das Ergebnis im operativen Geschäft des Flughafens (EU-Ebitda) mit 1,4 Mio. Euro erstmals positiv war. "Das ist aus beihilferechtlicher Sicht ein großer Befreiungsschlag", so Jacoby. Er zeige, dass sich der Flughafen wirtschaftlich betreiben lasse.

Gelsenwasser führt knapp 32 Mio. Euro an DSW21 ab

Zentrale Säulen des DSW21-Ergebnisses waren aber einmal mehr die Energiebeteiligungen. Die Ergebnisübernahme von der Energietochter DEW21 ist gegenüber dem Vorjahr mit Steuerumlage um 2,7 auf 37,3 Mio. Euro gestiegen. Die mehrheitlich kommunale Gelsenwasser AG führte 31,9 Mio. Euro ab.

Aufgrund der höheren Bruttoerlöse aus dem Gas- und Stromverkauf stiegen die Umsatzerlöse von Gelsenwasser von 7,1 auf 13,4 Mrd. Euro. Das Ergebnis lag mit 84,2 Mio. Euro um 32,4 Mio. Euro unter dem Vorjahreswert. Dies hängt vor allem mit dem Entfall von Sondereffekten zusammen (einen separaten Artikel zu den Zahlen der DEW21 finden Sie hier).

Finanzchef Jacoby: "RWE-Aktien sind erheblicher Substanzwert in unserer Bilanz"

12 Mio. Euro steuerten die Dividenden aus den rund 25 Mio. RWE-Aktien der DSW21 bei, die in der KEB gebündelt sind. Die Abweichung im KEB-Beteiligungsergebnis gegenüber dem Vorjahr (57,2 Mio. Euro) resultiere daraus, dass 2021 eine zusätzliche Gewinnausschüttung erfolgt sei, heißt es.

"Dank der guten Geschäftsentwicklung und der daraus resultierenden stabilen Entwicklung der RWE-Aktien bildet die Beteiligung einen erheblichen Substanzwert in unserer Bilanz", erklärte Jörg Jacoby. (hoe)

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