Der Ende russischer Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien löst auch im deutschsprachigem Raum neue Unsicherheit aus. So prüft Energiekonzern Uniper nach eigenen Angaben derzeit, russisches Erdgas über ein Konto in Russland zu bezahlen. "Bisher überweisen wir in Euro auf ein Konto in Europa", sagte ein Sprecher.
Uniper glaube, dass es eine Lösung für die Frage geben könne, wie die Gelder dann in Rubel umgewandelt werden könnten, um einem entsprechendem russischen Dekret zu entsprechen und zugleich nicht gegen EU-Sanktionen zu verstoßen. "Da gibt es aber noch keine endgültige Lösung." Uniper ist Deutschlands größter Importeur von russischem Erdgas.
OMV-Chef: "Relativ große Unklarheit"
Diese Position hat in Österreich der Energiekonzern OMV inne. Nach eigenen Angaben zahlt er im Mai die nächste Rate. In welcher Währung die Bezahlung abgewickelt werden soll, darüber bestehe allerdings noch "relativ große Unklarheit", sagte Konzernchef Alfred Stern der Nachrichtenagentur APA. "Ich kann das zurzeit nicht endgültig kommentieren, da wir selbst noch dabei sind, das zu klären."
Die OMV hat Lieferverträge mit Russland, die bis 2040 datieren – also über das Jahr 2027 hinaus, bis zu dem die EU unabhängig von russischem Gas und Öl werden will. Zur Zukunft dieser Verträge wollte sich Stern nicht im Detail äußern.
BASF warnt vor Gasembargo
Einmal mehr erinnerte Martin Brudermüller, Chef des deutschen Chemieriesen BASF, an schwere Folgen, die ein mögliches Gasembargo mit sich bringen würde. "Wenn über Nacht die Erdgaslieferungen aus Russland wegfallen, würde das zu einer irreversiblen Schädigung der Volkswirtschaft führen", sagte er bei der Hauptversammlung seines Unternehmens. Im Extremfall müsste BASF demnach die Produktion im Ludwigshafener Stammwerk einstellen.
Tags zuvor hatte auch Mario Mehren, Chef des deutschen Öl- und Gasproduzenten Wintershall Dea, vor einem sofortigen Lieferstopp gewarnt. Gasimporte aus Russland könnten "ersetzt werden, aber nicht schnell", sagte er. Wintershall Dea importiert selbst keine Energie, ist aber in Russland über Gemeinschaftsunternehmen bei der Förderung von Energie tätig. Diese Projekte will der Konzern fortführen.
"Gas-Lieferausfall für Deutschland nicht zu kompensieren"
Stefan Dohler, Chef des norddeutschen Regionalversorgers EWE, sagte, dass sein Konzern keine langfristigen Bezugsverträge mit Russland unterhalte. Allerdings gebe es Verträge mit Vorlieferanten, die ihrerseits Langfristverträge mit Gazprom hielten. "Wir wären also indirekt und jederzeit genauso betroffen."
Auch Dohler mahnte: "Aktuell wäre ein Lieferausfall bei Gas für Deutschland nicht zu kompensieren."
Putins Rubel-Dekret
Ende März hatte Kremlchef Wladimir Putin gefordert, dass mit Wirkung zum 1. April westliche Staaten Konten bei der Gazprombank in Russland eröffnen müssen, um russisches Gas zu bezahlen. Andernfalls würden die Lieferungen für die "unfreundlichen" Länder eingestellt.
Nach einem von Putin unterzeichneten Dekret können die Zahlungen weiter in Euro oder Dollar auf das russische Konto eingezahlt werden. Die Gazprombank konvertiert das Geld in Rubel und überweist den Betrag in der russischen Währung an Gazprom. Bei einem Ausbleiben der Zahlungen würden die Lieferungen eingestellt, hatte Putin gedroht. (aba/dpa)



