Bei der Stromerzeugung aus Wind, Sonne und Wasser will der Energiekonzern RWE weiterhin kräftig mitmischen. "Unser Fokus ist auf den Aufbau einer klimaneutralen Energieversorgung gerichtet", bekräftigte Konzern-Chef Markus Krebber am Dienstag in Essen. Das Energieunternehmen wolle jedes Projekt bauen, das möglich sei.
Nachdem RWE im vergangenen Jahr 4,4 Mrd. Euro investiert habe, wolle man im laufenden Jahr noch einmal eine Schippe drauflegen. Krebber kündigte unter anderem an, dass sich das Essener Unternehmen an den großen deutschen Windkraft-auf-See-Auktionen im Sommer dieses Jahres beteiligen werde. Weiter Wachsen wolle man auch bei Windkraft an Land und Solar.
Wasserstofffähige Gaskraftwerke in der Planung
Krebber bekräftigte die RWE-Pläne, in Deutschland wasserstofffähige Gaskraftwerke zu bauen. Das Unternehmen wolle auch selbst in Deutschland grünen Wasserstoff erzeugen. Ein erster Elektrolyseur sei bestellt, "obwohl der Förderantrag noch immer - und das seit anderthalb Jahren - in Brüssel liegt". Die EU muss beim Wasserstoff-Hochlauf insgesamt viel pragmatischer werden, forderte er. "Die Entscheidungen sind wahnsinnig kleinteilig. Und viel zu kompliziert. So sehr, dass viele Fördergelder gar nicht abgerufen werden, sondern im Topf verbleiben."
Geschäftszahlen: 6,3 Mrd. Euro Gewinn
RWE bestätigte die bereits Ende Januar veröffentlichten vorläufigen Geschäftszahlen. So stieg das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Vergleich zu 2021 um knapp 73 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Als Gründe für die Steigerungen nannten die Essener ein sehr gutes Energiehandelsgeschäft und verbesserte Marktbedingungen in der Stromerzeugung "in puncto Preisniveau und Einsatzzeiten". RWE profitierte dabei unter anderem von kurzfristig eingesetzten Wasser-, Biomasse- und Gaskraftwerken zum Ausgleich schwacher Windverhältnisse. Das bereinigte Nettoergebnis verdoppelte sich auf mehr als 3,2 Mrd. Euro.
Im laufenden Jahr wird laut Prognose das Handelsgeschäft mit maximal 600 Mio. Euro nur rund die Hälfte des Vorjahres-Ebitda betragen. Gleichzeitig rechnen die Essener aber mit kräftigen Zuwächsen bei Wind und Solar. Auch mit der nicht mehr zum Kerngeschäft zählenden Stromerzeugung aus Kernenergie und Braunkohle will RWE mehr verdienen als 2022: Bis zu 1,2 Mrd. Euro Ebitda nach 751 Mio. im Vorjahr. Insgesamt soll der bereinigte Ebitda-Gewinn bei 5,8 bis 6,4 Mrd. Euro liegen.
Atomkraftwerk wird abgeschaltet
RWE betreibt im niedersächsischen Lingen eines der drei letzten Atomkraftwerke in Deutschland. Krebber geht davon aus, dass es keine Laufzeitverlängerung für die drei Anlagen gibt. "Die Entscheidung ist politisch getroffen", sagte er. Die aktuelle Lage an den Energiemärkten gebe keinen Anlass für die politische Seite, nochmal ernsthaft über eine Änderung nachzudenken. "Insofern stellen wir uns darauf ein, dass am 15. April die Anlage im Emsland heruntergefahren wird und es dann um den geordneten Rückbau geht."
Der Essener Energiekonzern erwartet dieses Jahr wegen der sogenannten Übergewinnsteuer, Teile der Gewinne in Europa und Großbritannien abgeben zu müssen. Für 2022 nannte Müller einen Betrag von 250 Mio. Euro. 2023 wird ein höherer Betrag erwartet. Beim bereinigten Nettoergebnis erwartet das Management mit 2,2 bis 2,7 Mrd. Euro einen deutlichen Rückgang im Vergleich zu 2022, als über 3,2 Mrd. Euro erwirtschaftet wurden. (dpa/gun)



