Das Verwaltungsgebäude der Beste Stadtwerke im ostwestfälischen Landkreis Höxter

Das Verwaltungsgebäude der Beste Stadtwerke im ostwestfälischen Landkreis Höxter

Bild: © Beste Stadtwerke

Zwei Jahre nach der erfolgreichen Restrukturierung und dem Turnaround wechselt der Stadtwerkeverbund Beste Stadtwerke aus Ostwestfalen nun doch den Besitzer. Laut Informationen der ZfK kursierte schon seit längerem ein Verkaufsprospekt in der Energiebranche, in der ein Unternehmen aus NRW im Rahmen eines Share-Deals zum Verkauf gestellt wurde, das zwar nicht namentlich gennant wurde, dessen Beschreibung und Kennzahlen aber genau auf das Vertriebsstadtwerk aus dem Landkreis Höxter zutrafen. Im Rahmen genau eines solchen Share-Deals wird die Beste nun in die Kasseler EAM-Gruppe integriert. Das heißt: Alle der über 30 Mitarbeiter der Beste werden von dem Regionalversorger übernommen. Die Verkaufsverhandlungen mit der EAM dauerten auch aufgrund der Einschränkungen durch die Coronakrise fast ein Jahr. Ursprünglich soll es 40 Interessenten gegeben haben, mit vier Bietern wurde laut Lokalmedien ernsthaft verhandelt.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die EAM werde die Zukunft der Beste auf eine "solide und nachhaltige Basis" stellen, heißt es in der Pressemitteilung. Die Marke Beste bleibt erhalten, die rund 55.000 Kunden werden weiterhin von der Beste betreut. Der Kauf soll bis spätestens Ende März 2021 vollzogen werden. Verkäufer sind die Stadtwerke Bad Driburg GmbH, Stadtwerke Beverungen GmbH, Stadt Borgentreich – Eigenbetrieb Stadtwerke Borgentreich, Stadtwerke Steinheim GmbH und Stadtwerke Warburg GmbH.

"Haben verantwortlich verkauft"

"Wir freuen uns, dass wir bei Vollzug des Kaufvertrages einen angemessenen positiven Unternehmenswert bezahlt bekommen werden. Dabei haben wir nicht versucht, den Kaufpreis zu erhöhen, indem wir nur die Kundenverträge im Rahmen eines Asset-Deals verkaufen und die Belegschaft der Beste fallen lassen respektive abwickeln wollten. Wir haben vielmehr im Rahmen eines sogenannten Share-Deals verantwortlich verkauft", erklärte Carsten Torke, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Beste und Bürgermeister von Steinheim.

Bei Vollzug des Verkaufs bekämen zudem diejenigen Gesellschafter, die "in herausfordernden Zeiten zur Beste und ihrer Belegschaft gestanden und sie durchfinanziert hätten, gestundete Forderungen ebenfalls bezahlt. Einzelne Gesellschafter, wie die Beverunger und Steinheimer Stadtwerke sollen laut der "Neuen Westfälischen Zeitung" (NW) mit Patronatserklärungen in Millionenhöhe für die Beste bei den Banken gebürgt haben. Auch gegenüber dem Stromlieferanten, der Stadtwerkekooperation Trianel, wurde eine Patronatserklärung abgegeben.

"Idealer Käufer"

Zie bei den Verhandlungen mit der EAM sei es gewesen, dass der Verkauf weder zulasten der Kunden, der Arbeitnehmer, der Lieferanten noch der finanzierenden Banken gehe, ergänzte Hubertus Grimm, der Aufsichtsratsvorsitzende der Beste und Bürgermeister von Beverungen. Da die Veräußerung auch für die verkaufenden Gesellschafter ein Gewinn sei, sei dieses Ziel übererfüllt worden. Jeder einzelne Gesellschafter erziele mehr als er in die Beste eingebracht habe, verdeutlichte Grimm laut "NW" bei der Pressekonferenz. Dem Steuerzahler sei durch den Verkauf kein Schaden entstanden. Beste-Geschäftsführer Stefan Wagner-Schlee bezeichnete die EAM als "idealen Käufer".

EAM: "Kunden profitieren von gemeinsamen Angeboten"

"Der kommunale Charakter der Beste wird bewahrt, denn die EAM ist selbst ein zu 100 Prozent kommunales Unternehmen und das EAM-Geschäftsgebiet liegt in der direkten Nachbarschaft zum Gebiet der Beste. Künftig können die Kunden von Angeboten profitieren, die die Beste und die EAM gemeinsam entwickeln werden", kündigte Hans-Hinrich Schriever, Geschäftsführer der EAM GmbH & Co. KG an. Die EAM werde darüber hinaus, wie auch bereits in der Vergangenheit, partnerschaftlich mit den Kommunen im Kreis Höxter zusammenarbeiten.

Die Beste Stadtwerke wurden 2013 gegründet. In den Jahren 2014 bis 2016 hatte das Unternehmen aufgrund von Fehlern und Fehlentwicklungen Verluste in Höhe von insgesamt drei Mio. Euro geschrieben, vor allem im Netzbereich. Diese Negativentwicklung wurde erst lange Zeit später öffentlich. Aufgrund des Verlustvortrages der Vorjahre war das Stammkapital zeitweilig aufgebraucht, es bestand damals ein nicht durch das Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag im tiefen einstelligen Millionenbereich. Auch im letzten im Bundesanzeiger abrufbaren Jahresabschluss von 2017 (erstellt im Juni 2018) ist von einer bilanziellen Überschuldung die Rede, die mit künftigen Überschüssen im operativen Geschäft kompensiert werden soll. Das Vertriebsgeschäft der Beste war immer profitabel und erwirtschaftete Gewinne. Die Vorlage der Bilanz für 2018 steht laut Lokalmedien offenbar immer noch aus.

Verkauf des Netzgeschäfts

Nach der erfolgreichen Restrukturierung durch Interims-Geschäftsführer Stefan Grützmacher wurde das Netzgeschäft verkauft. Im Anschluss sollte die Aufnahme neuer Gesellschafter geprüft werden, dies hat sich wohl doch nicht realisieren lassen. Der seit Ende 2018 amtierende Geschäftsführer Stefan Wagner-Schlee verzeichnete einige Erfolge bei der Reorganisation und dem Ausbau der Geschäftsfelder. Aufgrund des für die Weiterentwicklung des Unternehmens benötigten Fremdkapitals, aber auch wegen der benötigten zusätzlichen energiewirtschaftlichen Expertise und gewisser Größeneffekte hatte man aber offenbar schon seit längerem einen Verkauf forciert. (hoe)

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