Jeder zweite Verbraucher in Deutschland fühlt sich nicht ausreichend auf steigende Strom- und Gaspreise vorbereitet. Der Großteil schraubt deshalb seinen Energieverbrauch runter, viele reduzieren Ausgaben in anderen Bereichen. Fast jeder Zweite vergleicht bereits Anbieter, 31 Prozent haben Pläne, ihren Stromanbieter zu wechseln.
Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Studie der Unternehmensberatung Simon Kucher. "Für viele Verbraucher in Deutschland hätten steigende Energiepreise drastische Folgen", erklärt Thomas Haller, Senior Partner und Head of Energy and Telecommunications bei Simon-Kucher. Wenn die Heizung ausbleibe, weil das Geld fehle, sei das ein ernst zu nehmendes Problem.
Auch trotz staatlicher Preisbremsen wollen 40 Prozent der Energiekunden Anbieter vergleichen, 31 Prozent planen bereits, in den nächsten 12 Monaten den Stromanbieter zu wechseln.
"Die Wechselwahrscheinlichkeit von Kunden, die seit weniger als zwei Jahren bei ihrem Energieversorger sind, ist dabei fast dreimal so hoch wie von Langzeitkunden", betont Michael Kässer, Parnter und Head of Energy für Deutschland, Österreich und der Schweiz bei Simon-Kucher.
"Ein Weckruf für Energieversorger"
Auch wenn die Anzahl der Verbraucher, die tatsächlich wechsle, oft etwas geringer ausfalle, gelte: "Die hohe Wechselbereitsschaft ist ein Weckruf an die Energieversorger in Kundenbindung zu investieren."
Energieversorger könnten ihre Kunden konkret unterstützen, indem sie Energieeffizienz- und Energieberatungsangebote schaffen. „Kundenbindung heißt, Kunden zu helfen, ihre Energieverbrauchskosten zu senken und Transparenz zu Energiekosten und der Preisentwicklung zu schaffen", so Michael Kässer.
Heute Preissicherheit, morgen dynamische Tarife
Laut der Simon-Kucher Energie-Studie wollen die Kunden so vor allem eins: Preissicherheit. 84 Prozent empfinden diese beim Stromvertrag als wichtig bis sehr wichtig. "Mittelfristig werden aber innovative Angebote wie dynamische Tarife entscheidend", so Haller.
Für Einsparungen von 15 Prozent würde rund die Hälfte den Stromverbrauch so weit wie möglich an die günstigsten Tageszeiten anpassen. "Heute sind dynamische Tarife noch ein Nischen-Produkt. Die Nachfrage aber wächst, Stromanbieter müssen zeitnah App-Oberflächen für Preissignale und zur Verbrauchsplanung entwickeln", betont Malte Trukenmüller, Director in der Energy Practice bei Simon-Kucher.
Energiewende: Spezialanbieter stechen Energieversorger aus
Energieversorger blieben zwar erster Ansprechpartner in der Energiewende, würden aber Kunden im Verkaufsprozess von Energielösungen wie etwa PV-Anlagen oder Wärmepumpen aber an spezialisierte Anbieter verlieren. Nach dem ersten Einholen von Informationen erwägen 31 Prozent weniger Kunden ihren lokalen Energieversorger als geeigneten Partner.
"Energie-Versorger verkaufen sich nicht richtig", so Haller. "Das Optimierungspotential ist riesig. So zeigt unsere Energie-Studie zum Beispiel, dass Neukunden vermehrt auf Image und Nachhaltigkeit achten. Auch staatliche Förderungen sind für 52 Prozent ausschlaggebend in der Kaufentscheidung." All das müsse berücksichtigt, und Plattformen und Tools dringend auf den neusten Stand gebracht werden. (hoe)
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