Eine Großwärmepumpe am Klärwerk, ein neuer Wärmespeicher und die mögliche Nutzung von Geothermie als Wärmequelle – das sind drei der zentralen Bausteine der neuen Klimastrategie der Stadtwerke Neumünster (SWN) in Schleswig-Holstein. Das zu 100 Prozent kommunale Unternehmen will, wie die Stadt auch, bis 2035 klimaneutral sein.
Aktuell stößt das Unternehmen noch rund 525.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aus. 90 Prozent davon sollen in den nächsten zwölf Jahren durch ein Bündel verschiedenster Maßnahmen abgebaut, die restlichen 10 Prozent sollen durch eine Wiedervernässung der Moore neutralisiert werden.
„Die Klimastrategie der Stadtwerke Neumünster ist für die Region eine einzigartige Chance, Prozesse neu zu denken, Innovationen zu wagen und Perspektiven zu ändern. Dazu laden wir die Menschen, die Unternehmen, die politischen Akteure und alle Projektpartner ein“, erklärte SWN-Geschäftsführer Michael Böddeker.
Hinter dem Thema Geothermie stehen noch einige Fragezeichen
Allein der Ersatz der Kohle- durch effiziente Erdgaskessel an der Thermischen-Ersatzstoff-Verwertungsanlage (TEV) im Laufe des Jahres soll für signifikante CO2-Einsparungen sorgen. Ersatzbrennstoffe entstehen durch die Aufbereitung von Restmüll und anderen Abfällen, zum Beispiel Gewerbemüll oder Holzabfall.
Noch leistungsfähigerer CO-Abscheider wird geprüft
Zudem werden technische Lösungen für eine CO2-freie Müllverbrennung erarbeitet. Eine Möglichkeit von vielen, die SWN für die Zukunft prüft, ist, die TEV mit einem noch leistungsfähigeren CO2-Abscheider auszustatten.
Allein für die Großwärmepumpe, die die Restwärme aus dem Abwasser ziehen wird, und den Wärmespeicher werden insgesamt Kosten von rund 90 Mio. Euro veranschlagt. Beim Thema Geothermie gibt es offenbar noch viele Fragezeichen. Auch, ob man in der Erde die nötigen Temperaturen finde, wie Böddeker in den „Kieler Nachrichten“ zitiert wird.
Außerdem soll der gesamten Strombedarf der Geschäfts- und Privatkunden künftig aus eigenen Photovoltaik- und Windanlagen stammen. Das entspricht einer Menge von 650.000 MWh pro Jahr.
Dekarbonisierung von ÖPNV und Fuhrpark
Zudem wird der Erdgasvertrieb auf emissionsfreie Wärme umgestellt und das Fernwärmenetz ausgebaut sowie Grüngas-Alternativen ins Portfolio aufgenommen.
Dekarbonisierungspotenziale sollen zudem im öffentlichen Nahverkehr gehoben werden, der Shuttle-Service Hin & Wech wird erweitert, die PKW-Flotte der SWN künftig auf komplett elektrische Antriebe umgestellt werden.
Finanziert werden sollen die Vorhaben unter anderem mit den über 40 Mio. Euro, die die SWN im vergangenen Jahr über den Verkauf einer indirekten Beteiligung an der Schleswig-Holstein Netz AG erzielt haben. Die SWN arbeiten bereits seit 2020 an einer Neuaufstellung der Wärmesparte. Die ursprünglich geplante Teilprivatisierung und der Verkauf einer Wärmespartenbeteiligung an den Entsorgungskonzern Remondis war Ende 2021 wegen der Aussicht auf einen Bürgerentscheid fallen gelassen worden. (hoe)


