Herr Lindhorst, Herr Eggert, Spotverträge mögen für Energieversorger aktuell eine elegante Lösung sein, um im B2B-Geschäft Preisrisiken an Industrie und Gewerbe weiterzugeben. Doch wie macht man sie auch dem Kunden schmackhaft?
Andreas Lindhorst: Spotverträge versetzen Unternehmen in die Lage, selbst am Energiemarkt aktiv zu sein und Chancen zu nutzen, die sich dort ergeben. Ich denke da beispielsweise an negative Preise, die sich mit dem Ausbau erneuerbarer Energien häufen dürften. Zudem sparen sich Unternehmen zusätzliche Risikoprämien. Darüber hinaus müssen Unternehmen nicht mehr fürchten, möglicherweise zum falschen Zeitpunkt eingekauft und zu viel für Strom bezahlt zu haben. Stattdessen können sie flexibel reagieren.
Ferdinand Eggert: Im vergangenen Jahrzehnt wurden am Spotmarkt meistens günstigere Preise erzielt als am Terminmarkt. Klar. Das Jahr 2021 mit extremen Preisausschlägen nach oben zählt nicht dazu. Dafür waren die Spotpreise in sechs der neun vorangegangenen Jahre im Schnitt günstiger. Dies zeigt, dass sich Spotverträge über den langen Zeitraum gesehen mehr rentieren als Verträge mit Festpreisen.
Welche Unternehmen würden denn von Spotverträgen besonders profitieren?
Eggert: Beispielsweise Betriebe mit klarem Lastprofil und im Dreischichtbetrieb, die zu billigen und zu teuren Strompreiszeiten gleichermaßen Energie beziehen. Sie haben einen echten Nutzen davon, wenn sie auf Spotverträge umsteigen.
Lindhorst: Es lohnt sich aber auch für den Supermarkt um die Ecke, dessen Kühlregale und Klimaanlagen rund um die Uhr Strom brauchen. Er nimmt dann Stunden mit negativen Preisen automatisch mit.
Was ist, wenn der Kunde nach einem windarmen Januar und Preisen von 17 Cent pro kWh kalte Füße bekommt?
Lindhorst: Natürlich muss man Spotverträge immer über das ganze Jahr bewerten. Da sind Geduld und Ausdauer gefragt. Das ist auch eine Frage der Philosophie und Affinität. Und wenn im Mai und Juni dank Wind und Sonne die Preise fallen, sieht die Sache auch schon wieder anders aus.
Eggert: Wir bieten unseren Kunden aber auch jederzeit an, den Spot- in einen Festpreisvertrag umzuwandeln. Oder eine Kombination aus beidem zu wählen, etwa 50 Prozent fest und 50 Prozent Spot. Zudem haben wir jüngst ein Produkt in den Markt gebracht, das sich Spot-Base Hedge nennt. Dabei fixieren wir den Grundlastanteil des Kunden und kaufen dafür voraus in Tranchen ein. Die Spitzenlast dagegen lassen wir über den Spotmarkt fahren.
Wie offen sind denn Unternehmen in Deutschland bislang für Spotverträge?
Eggert: Es gibt Kunden, die ein festes Budget für ihre Planungen benötigen. Gerade im öffentlichen Bereich. Für sie scheiden Spotverträge aus. Schließlich kann niemand zu Beginn eines Jahres genau vorhersagen, wie sich der Energiemarkt in den Monaten darauf entwickelt. Dementsprechend ist im Voraus auch noch nicht klar, wie viel Strom dann kosten wird.
Lindhorst: In unserem Gesamtportfolio machen Kunden mit Spotverträgen etwa fünf Prozent aus. Rechnen wir aber öffentliche Auftraggeber heraus und nehmen nur Gewerbe- und Industriekunden, sind wir schon bei acht bis neun Prozent. Trotzdem ist das im Vergleich zu anderen Ländern, wo unser Mutterkonzern tätig ist, wenig. In den skandinavischen Ländern haben 35 bis 70 Prozent der Kunden in Industrie und Gewerbe Spotverträge. Das zeigt aber auch: Das Potenzial für Spotverträge ist in Deutschland groß.
Andreas Lindhorst und Ferdinand Eggert sind Managing Director und Vertriebsleiter bei Energie Vertrieb Deutschland, einer Tochter des dänischen Energiehändlers Energi Danmark. Seit 2014 beliefert ihr Unternehmen deutsche Firmen und öffentliche Institutionen mit Energie.



