Andreas Ohmayer, Leiter Unternehmensentwicklung (links), SWD-Geschäftsführerin Maria Creeten, Cord Meyer und Geschäftsführer der Leitungspartner GmbH und SWD-Vertriebsleiter Ingo Vosen, freuen sich über das Jahresergebnis.

Andreas Ohmayer, Leiter Unternehmensentwicklung (links), SWD-Geschäftsführerin Maria Creeten, Cord Meyer und Geschäftsführer der Leitungspartner GmbH und SWD-Vertriebsleiter Ingo Vosen, freuen sich über das Jahresergebnis.

Bild: © Jürgen Schulz

Der Umsatz der Stadtwerke Düren (SWD) belief sich 2023 auf 261,7 Mio. Euro und damit fast 63 Mio. Euro mehr als im Vorjahr (2022: 198,3 Mio. Euro), teilte der nordrhein-westfälische Versorger mit. Der Jahresüberschuss lag bei 9,5 Mio. Euro nach 3 Mio. Euro im Jahr 2022.

Von dem Ergebnisanstieg soll auch die Stadt Düren profitieren: 6,6 Mio. Euro fließen in die Stadtkasse in Form von Steuern, Konzessionsabgaben und Gewinnausschüttungen.

Profitable Long-Positionen

Die deutliche Gewinnsteigerung erklärte Maria Creeten, die seit Herbst 2023 neue Geschäftsführerin der Stadtwerke Düren ist, mit erfolgreichen Beschaffungs- und Handelsaktivitäten des Unternehmens. "Die von der Bundesregierung empfohlene Reduktion des Gasverbrauchs um 20 Prozent und mehr führte dazu, dass wir auf Basis der Vorjahresverbräuche zu viel Gas und Strom für unsere Kundinnen und Kunden beschafft hatten, als letztendlich ausgeliefert wurde." Hierdurch sei eine sogenannte Long-Position entstanden, die die SWD an der Energiebörse EEX wieder verkaufen konnten.

Weil der Marktpreis zu diesem Zeitpunkt hoch war, haben die SWD dadurch zeitweilig unerwartete Gewinne erzielt. "Dies führte nicht nur zu Mehreinnahmen, sondern verhinderte auch Preiserhöhungen in einem Ausmaß, wie sie bei anderen Versorgern zu beobachten waren", so Creeten weiter.

Der Effekt des Jahres 2023 werde sich sicher nicht wiederholen, hieß es von der SWD-Gruppe weiter. Generell strebe das Unternehmen aber auch für 2024 einen stabilen Gewinn an.

Stabile Preise und Kundenzuwachs 2023

Beim Erdgas konnten die Stadtwerke Düren die Gaspreisbremse durch eine Preissenkung innerhalb des Jahres 2023 aufheben. Die Strompreise der SWD lagen ohnehin von Anfang an unterhalb der staatlichen Strompreisbremse. Trotzdem sei es notwendig gewesen, die Preise im Jahr 2023 zunächst anzuheben, erklärt Creeten weiter. "Die Notwendigkeit von Gefahren- und Risikoaufschlägen ergab sich aus den bestehenden und nicht auszuschließenden Risiken für den Geschäftsverlauf."

Ein weiterer Faktor für die Ergebnis- und Umsatzsteigerung sei die Kundenzugewinnung. Denn im Zuge der Geschäftsaufgaben vieler Energiediscounter seien im Übergang 2021/2022 viele Bürger:innen von der Grund- und Ersatzversorgung der SWD sicher und unterbrechungsfrei aufgefangen worden. "Ein sehr großer Teil ist bis heute bei uns geblieben, so dass unser Kundenbestand im Laufe der Krise gewachsen ist", erläutert SWD-Vertriebsleiter Ingo Vosen.

Auch im Geschäftskundensegment blicken die Stadtwerke Düren auf eine gute Entwicklung zurück. Im Bereich Contracting stieg das Ergebnis um 10 Prozent. Gründe dafür waren vor allem die Witterung und der Bau neuer Anlagen für Neukunden.

200 Mio. Euro für das Stromnetz

Bis 2045 will der kommunale Versorger rund 200 Mio. in das Stromnetz investieren. Das übergeordnete Ziel dabei: Klimaneutralität bis zu diesem Jahr. Die Ziele im Osterpaket 2022 der Bundesregierung sind unter anderem 80 Prozent von erneuerbaren Energiequellen im Stromerzeugungsmix und 50 Prozent in der Wärmeproduktion bis 2030.

"Heruntergebrochen auf Düren bedeuten diese Zahlen vor allem einen enormen Investitionsbedarf in unsere Stromnetze“, so Cord Meyer, Geschäftsführer des Netzbetreibers und der SWD-Tochter Leitungspartner. Bis 2045 seien dafür rund 200 Millionen Euro notwendig, um das Dürener Stromnetz auf den stärkeren Bedarf durch Wärmepumpen und Elektromobilität sowie eine dezentrale Energieerzeugung vorzubereiten.

Fortschritte bei kommunalen Wärmeplanung

Bei der kommunalen Wärmeplanung ist die SWD-Gruppe einen Schritt weiter und hat eine Bestandsanalyse ihres Gasnetzes abgeschlossen. "Dabei haben wir – ebenfalls in der Art eines digitalen Zwillings – jedes Gebäude und alle verfügbaren Heizoptionen analysiert und digitalisiert“, erläuterte Meyer. Diese Analyse werde wiederum Einfluss auf den Ausbau des Stromnetzes haben, weil etwa zwei Drittel der Gebäude prinzipiell mit einer Wärmepumpe versorgt werden könnten.

Weitere Alternativen stünden ebenfalls im Raum. "Eine erste Quartierlösung mit einem Wärmenetz, das mit Biogas eines Landwirts betrieben wird, ist aktuell in der Planung", so Meyer weiter. Aber auch die Nutzung der Wärme des Dürener Hauptabwasserkanals oder aus der Dürener Industrie prüfe der Energieversorger zurzeit sowie ein großflächiges Quartier mit Geothermie. (am)

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