Mit der Investition von mehr als 200 Mio. Euro in Kessel 12 und 13 haben die Stadtwerke Flensburg laut eigenen Angaben ihre CO2-Emissionen bei gleicher Erzeugungsmenge um 40 Prozent gesenkt.

Mit der Investition von mehr als 200 Mio. Euro in Kessel 12 und 13 haben die Stadtwerke Flensburg laut eigenen Angaben ihre CO2-Emissionen bei gleicher Erzeugungsmenge um 40 Prozent gesenkt.

Bild: © Stadtwerke Flensburg

Es war nur eine Folie von insgesamt 27, die die Stadtwerke Flensburg am Freitag im Rahmen ihrer Neujahrspressekonferenz vorlegten. Doch diese eine, an Position 24, ließ aufhorchen.

Demnach erwartet das vollständig kommunale Unternehmen im hohen Norden für das vergangene Geschäftsjahr ein positives Ergebnis im zweistelligen Millionenbereich. Für dieses Jahr soll der Gewinn dann sogar im niedrigen dreistelligen Millionenbereich liegen. Ein Quantensprung für ein Stadtwerk, das noch für 2021 einen Ergebnisrückgang von 18 auf knapp zwei Mio. Euro bekanntgeben musste.

Sondereffekte aus Handelsgeschäft

Es ist nicht so, als hätten die Stadtwerke seitdem neue Erdgasquellen in der Ostsee entdeckt, die sie nun ganz schnell fördern und zu Fantasiepreisen auf den Markt werfen können. Vielmehr dürfte zumindest ein guter Teil des Gewinnsprungs vermutlich darauf zurückzuführen sein, dass das Unternehmen mit Aufgabe des bundesweiten Gasvertriebs und nach dem Weggang bundesweiter Stromkunden infolge von Preiserhöhungen Gas- und Strommengen im Portfolio hatte, die es im Großhandel zu hohen Preisen weiterverkaufen konnte.

Details zu den Gründen für die "einmaligen Sondereffekten" nannte Geschäftsführer Dirk Wernicke im Pressegespräch jedoch nicht. Nur so viel: Das Plus stamme aus dem Strom- und Gasgeschäft außerhalb von Flensburg und betreffe die Bereiche Beschaffung und Handel.

SPD-Fraktionschef mit Vorschlag

Es dauerte dann keine drei Tage, bis die erste in der Flensburger Ratsversammlung vertretene Fraktion eigene Vorschläge hatte, was mit dem zusätzlichen Gewinn passieren soll. Auf der einen Seite sei es gut, die hohen Einnahmen zur Finanzierung dringend notwendiger Investitionen für eine nachhaltige Energieversorgung und einen neuen Betriebshof in der Stadt zu verwenden, teilte Justus Klebe, Vorsitzender der einflussreichen SPD-Fraktion, mit.

"Auf der anderen Seite verpflichtet uns der kommunale Charakter der Stadtwerke die Flensburger sicher mit günstiger Energie zu versorgen. Ich werde mich deshalb dafür einsetzen, dass geprüft wird, ob wir von diesen hohen Gewinnen nicht etwas an die Wärmekunden der Stadt zurückgeben können, denn Gewinnmaximierung ist nicht das Ziel der Stadtwerke."

Fernwärmeversorgung fast bei 100 Prozent

Zur Erinnerung: Die Stadtwerke Flensburg hatten zu Jahresbeginn ihre Fernwärmepreise noch einmal erhöht. 98 Prozent der Flensburger Haushalte heizen nach Angaben des Unternehmens mit Fernwärme. Auch die Strompreise stiegen, allerdings auf noch immer vergleichsweise moderate 43,33 Cent pro kWh in der Grundversorgung.

Die SPD stellt in der Ratsversammlung übrigens neben den Grünen die drittgrößte Fraktion in der Ratsversammlung. Auch die derzeitige Oberbürgermeisterin Simone Lange ist eine Sozialdemokratin, muss aber nach ihrer Wahlniederlage Mitte Januar den Chefsessel im Rathaus für den parteilosen Fabian Geyer räumen.

"Fernwärmekunden solidarisch entlasten"

Noch einen Ratssitz mehr als die SPD hat der Südschleswigsche Wählerverband, kurz SSW. Er titelte in einer Pressemitteilung: "Fernwärmekunden der Stadtwerke Flensburg solidarisch entlasten." Denn nach der Liberalisierung der Strommärkte hätten viele Flensburger zu Recht an den gemeinsamen Stadtwerken festgehalten, hieß es. "Jetzt ist die Chance, in dieser Ausnahmesituation solidarisch etwas zurückzugeben."

Direkt kommentieren wollten die Stadtwerke die Vorschläge auf ZfK-Nachfrage nicht. Vielmehr verwies ein Sprecher auf das ebenfalls am Freitag vorgestellte Investitionspaket, das beispielsweise den Umbau der Fernwärme hin zur Klimaneutralität, einen neuen Betriebshof für emissionsfreie Busse und eine neue, leistungsfähige Stromleitung zur Anbindung an das deutsche Stromnetz umfasst. Das Preisschild hierfür: ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag. (Die ZfK berichtete.)

Verbesserte Kapitalausstattung

Um dieses Programm stemmen zu können, hat die Stadt offenbar zugesichert, den größten Teil der Gewinne bei den Stadtwerken zu belassen und damit eine verbesserte Kapitalausstattung für die Finanzierung der Projekte zu gewährleisten. So zumindest stand es auf Folie 25 der Neujahrspräsentation. (aba)

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