Die Stadtwerke Ingolstadt bekommen neue Gesellschafter. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, kauft die 140.000-Einwohner-Stadt im Herzen Bayerns die Anteile des Mannheimer Energiekonzerns MVV in Höhe von 48,4 Prozent vollständig zurück und holt sich mit dem Münchner Stadtwerkeverbund Thüga und dem Nürnberger Versorger N-Ergie zwei neue Partner an Bord.
Für dieses Vorgehen sprach sich diese Woche der Stadtrat in einer nicht-öffentlichen Sitzung aus. Das Gremium beauftragte demnach die Verwaltung, die gemeinsame Beteiligung vorzubereiten. Nach ZfK-Informationen haben die N-Ergie-Gremien bereits zugestimmt. Bei der Thüga steht das finale Ok noch aus. Außerdem fehlt noch die Freigabe durch das Bundeskartellamt.
Geschäftsführung bleibt
Die Anteile der bayerischen Kommune fallen mit 70 Prozent künftig deutlich höher aus als aktuell. "Das bringt mehr unmittelbaren Einfluss der Stadt Ingolstadt auf die Entscheidungen im Bereich der Energieversorgung", teilt Oberbürgermeister Christian Scharpf (SPD) in einer Presseaussendung mit. "Zugleich gewinnen wir mit Thüga und N-Ergie zwei starke Partner mit kommunalem Hintergrund, langjähriger Branchenerfahrung und einem ausgezeichneten Netzwerk." Thüga und N-Ergie werden zu je 15 Prozent beteiligt.
Laut Pressemitteilung will die Stadt am bisherigen Geschäftsführer Matthias Bolle festhalten. Scharpf bescheinigt dem Manager eine "erfolgreiche Arbeit". Auch für die anderen Stadtwerkemitarbeiter gebe es "keine unmittelbaren Veränderungen". Bolle hatte von 1998 bis 2006 für die MVV direkt gearbeitet. Nach zwei Zwischenstationen übernahm er 2009 die Geschäftsführung in Ingolstadt.
MVV seit 2002 Gesellschafter
Der bisherige Gesellschafter MVV teilte auf ZfK-Anfrage mit, dass er mit der Stadt Ingolstadt in den letzten Jahren "erfolgreich und vertrauensvoll" zusammengearbeitet habe. Eine reine Minderheitsbeteiligung ohne Gestaltungsmöglichkeit komme für den Konzern jedoch nicht infrage.
Im Zuge der Liberalisierung der Energiemärkte entschied sich Ingolstadt kurz nach der Jahrtausendwende, fast die Hälfte seiner Anteile an einen großen Player zu verkaufen. Laut Zeitungsberichten von damals bewarben sich auch Eon und die Stadtwerke München. Den Zuschlag erhielten aber die Mannheimer. Sie überwiesen dem Vernehmen nach 116 Mio. Euro und stiegen zu Jahresbeginn 2002 bei den Stadtwerken ein.
SPD-Mann mit neuem Kurs
Zehn Jahre später lobten beide Seiten noch die Zusammenarbeit. Spätestens unter Oberbürgermeister Scharpf schlug das Rathaus aber einen neuen Kurs ein. Der SPD-Mann hatte im Frühjahr 2020 das traditionell CSU-dominierte Rathaus auch mit dem Versprechen erobert, mehr Geld in den öffentlichen Nahverkehr zu stecken.
Als eine der Finanzierungsquellen machte Scharpf jene Stadtwerkeerträge aus, die jährlich an die MVV abflossen. "Da geht es um mehrere Millionen, mit denen wir zum Beispiel unseren ÖPNV finanzieren könnten, ohne Mittel aus dem Haushalt zuzuschießen", sagte er im Herbst 2020 dem Lokalradiosender "O-T(h)öne.
Gewinn von 13 Mio. Euro
Wie teuer der Stadt der Rückkauf der MVV-Anteile kommt, geht aus der Presseaussendung nicht hervor. Die Stadtwerke Ingolstadt hatten im Geschäftsjahr 2020/21 einen Umsatz von 151 Mio. Euro sowie ein Ergebnis nach Steuern von 13 Mio. Euro erzielt. (aba)



