Nach zwei Jahren in den roten Zahlen, haben die Stadtwerke Osnabrück ein positives Ergebnis in Höhe von 6,7 Mio. Euro erwirtschaftet. Dank des optimierten Risikomanagements konnte das Unternehmen einen Überschuss bei den verfügbaren Gasmengen erzielen.
Diese Long-Positionen schloss der niedersächsische Kommunalversorger dann profitabel ab. Der Einmaleffekt in dieser Größenordnung werde "zunächst nicht nochmal zu erwarten sein", sagte Finanzvorstand Dirk Eichholz im Gespräch mit der ZfK.
Neues Führungsduo
Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Daniel Waschow bildet Eichholz seit dem August vergangenen Jahres den Vorstand der Stadtwerke Osnabrück. Sie setzen die Optimierungsprozesse fort, die der bisherige Interimschef Stefan Grützmacher teilweise angestoßen hatte. Diese Maßnahmen wurden notwendig, als die Stadtwerke während der Energiekrise zwei Jahre in Folge in die roten Zahlen gerutscht waren.
Auf das positive Ergebnis hatten die operativen Veränderungen innerhalb des Unternehmens noch keinen zentralen Einfluss, betonte Waschow im Gespräch mit der ZfK. Er erläuterte: "Mit Blick auf die spezifische Situation in Osnabrück, sehen wir zwar, dass diese Maßnahmen bereits greifen". Doch weil diese Schritte erst im Laufe des vergangenen Jahres angestoßen wurden, hatten sie noch keine fundamentalen Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis. "Diese Effekte erwarten wir erst in den kommenden Jahren", so der Vorstandschef.
Veränderungen im Risikocontrolling
Zu den Optimierungsschritten zählt Waschow unter anderem den Aufbau eines Risikocontrollings in einem größeren Umfang "als es bisher der Fall war": mit den entsprechenden Prozessstrukturen, Marktrisikokomitee und Reportings.
Hinzu kommen die Veränderungen auf der Handelsseite. Das bisher breite Portfolio bei der bundesweiten Direktvermarktung habe sich defizitär entwickelt, als der Markt in der Krise kippte. "Deswegen haben wir uns im Sinne der Risikominimierung aus Teilen dieses Geschäfts verabschiedet", so Waschow. Das bedeutet: keine neuen Direktvermarktungsverträge im Erneuerbarenbereich und keine Verlängerung der laufenden Verträge. "Auf diese Weise wurde das Volumen deutlich reduziert."
Im Energiehandel habe der Versorger die gesamte Prozesskette analysiert und bei den Teilen davon sich für eine stärkere Kooperation mit der Aachener Trianel entschieden.
Aus für Weiterverteilergeschäfte
Eine weitere Umstellung war das Aus für die sogenannten Weiterverteilergeschäfte, sagte Finanzvorstand Eichholz. Dabei hatten die Osnabrücker für kleinere Stadtwerke Energie beschafft und weitergeleitet, "mit einem überschaubaren wirtschaftlichen Erfolg".
Um seine Verhandlungsfähigkeit nicht einzuschränken, habe sich der Versorger dann für diesen Schritt entschieden. Dies war der Hauptgrund, warum der Stromabsatz von 923,3 Mio. kWh im Vorjahr auf 689,1 Mio. kWh im Jahr 2023 zurückging. Auch beim Gasabsatz ging es von 3,02 Mrd. kWh auf 2 Mrd. kWh nach unten.
"Renaissance" eines klassischen Stadtwerks
Bei dem Strom- und Gasabsatz im Endkundensegment sei die Tendenz hingegen leicht steigend, ergänzte Waschow, und stellt klar: "Wir gehen von der Strategie weg, Vertrieb außerhalb der Region Osnabrück zu generieren". Stattdessen fokussiere sich der Versorger auf das Binnengeschäft innerhalb der Region und die regionalen Themen wie die Wärme- und Energiewende in Osnabrück. "Hier verstehen wir uns als Gestalter vor Ort und treiben den Renaissance-Gedanken eines klassischen Stadtwerks voran", so Waschow. (am)



