Die Stadtwerke Osnabrück wollen sich nun auf Kunden und Projekte in der eigenen Region konzentrieren.

Die Stadtwerke Osnabrück wollen sich nun auf Kunden und Projekte in der eigenen Region konzentrieren.

Bild: © Andreas Baumer/ZfK

Die Stadtwerke Osnabrück ziehen sich aus der Direktvermarktung zurück. Wie Interims-Vorstand Stefan Grützmacher im ZfK-Gespräch sagte, ist das Portfolio von 440 MW im vergangenen Jahr auf derzeit 300 MW geschrumpft.

Im kommenden Jahr wird das niedersächsische Kommunalunternehmen im Wesentlichen nur noch die eigenen Erneuerbaren-Anlagen direkt vermarkten. "Das sind weit unter 100 MW", sagte der Manager. Zugleich betonte er, dass alle vertraglichen Verpflichtungen erfüllt würden. Nach eigenen Angaben besteht das Direktvermarktungsportfolio der Niedersachsen vor allem aus Windkraftanlagen an Land.

Herbe Verluste in Direktvermarktung

Die Stadtwerke Osnabrück hatten das Geschäftsjahr 2021 mit einem Minus von 16,9 Mio. Euro abgeschlossen. Kurz darauf wurde Grützmacher engagiert, um das Unternehmen zu sanieren.

Als einer der Hauptgründe für das hohe Defizit wurden herbe Verluste in der Direktvermarktung genannt. Das Unternehmen hatte etwa die Terminvermarktung erneuerbarer Energien erst im dritten Quartal 2021 eingestellt, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Da hatten sich die Großhandelsstrompreise bereits deutlich nach oben bewegt.

Wenige Stadtwerke in Direktvermarktung

Die Direktvermarktung gilt als umkämpftes und risikoreiches Geschäft – gerade in Zeiten stark schwankender Strompreise. Den Markt dominieren große Energiehändler wie EnBW, Statkraft und MVV.

Dass Stadtwerke in der Größenordnung Osnabrücks ein Direktvermarktungsportfolio im dreistelligen Megawattbereich bewirtschaften, ist durchaus ungewöhnlich, wie der diesjährige ZfK-Überblick zu deutschen Direktvermarktern zeigt.

"Haben es nicht sehr gut gemacht"

"Wenn man erneuerbare Energien direkt vermarkten will, muss man das sehr gut machen", sagte Grützmacher. "Wir haben es aber nicht sehr gut gemacht und deshalb viel Geld verloren."

Die Stadtwerke Osnabrück hätten weder die entsprechenden Risikosysteme gehabt, um dieses Geschäft zu betreiben, noch die erforderlichen Frühwarnindikatoren, die aufzeigten, wenn etwas falsch laufe, sagte der Manager. "Wir haben mit der Direktvermarktung einige Jahre positive Erträge erzielt, wurden 2021 aber auf dem falschen Fuß erwischt."

Auch interessant: Grützmacher: "Das Aus bei der Gasag hat damals schon wehgetan"

Rückzug aus bundesweitem Strom- und Gasvertrieb

Der Rückzug aus der Direktvermarktung ist Teil einer umfassenden Restrukturierung bei den Stadtwerken Osnabrück. Zuvor hatte das Kommunalunternehmen bekanntgegeben, den geplanten Bau einer Altreifen-Pyrolyseanlage nicht weiterzuverfolgen.

Zudem wurde das 2021 eingeführte Regionalstromprodukt für Kunden in Osnabrück und Umgebung zu Beginn dieses Jahres wieder eingestellt. Darüber hinaus haben sich die Stadtwerke in den vergangenen Monaten schrittweise aus dem bundesweiten Strom- und Gasvertrieb zurückgezogen. Der Versorger will sich nun auf Projekte und Kunden in der Region konzentrieren. (aba)

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