Die Pfalzwerke und XXXLutz machen gemeinsame Sache. Rechts Pfalzwerke-Vorstandsmitglied Paul Anfang, in der Mitte Alois Keppler, CEO von XXXLutz Deutschland, und links Alois Knauseder, Leiter der Bauabteilung bei XXXLutz.

Die Pfalzwerke und XXXLutz machen gemeinsame Sache. Rechts Pfalzwerke-Vorstandsmitglied Paul Anfang, in der Mitte Alois Keppler, CEO von XXXLutz Deutschland, und links Alois Knauseder, Leiter der Bauabteilung bei XXXLutz.

Bild: © Pfalzwerke

Von Hans-Peter Horen

Der starke Wettbewerb im Vertrieb, Kundenverluste aufgrund einer Strompreisanpassung und ein geringerer Stromverbrauch haben dem Ludwigshafener Pfalzwerke-Konzern im Geschäftsjahr 2024 einen deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses auf 51,3 Millionen Euro (Vorjahr: 88,1 Mio.) beschert. Der Jahresüberschuss lag bei 37,5 Millionen Euro, der Konzernumsatz bei rund 1,77 Milliarden Euro.

Das Unternehmen durchläuft momentan eine umfassende strategische Neuausrichtung und einen damit verbundenen Transformationsprozess. "Das Unternehmen schaffe mit einer klaren Strategie heute die Basis für ein resilientes und profitables Geschäftsmodell in den kommenden Jahren", heißt es dazu in der Pressemitteilung. 

Auch für das laufende Jahr wird aufgrund der Umbruchsituation und Investitionen in neue Geschäftsfelder, die sich teils erst mit Zeitverzug rentieren, mit "einem verhaltenen Jahresergebnis" gerechnet. Das Unternehmen führt hier unter anderem den intensiven Wettbewerb und einen generell sinkenden Stromverbrauch als Gründe an.

Ausrichtung auf sechs zentrale Geschäftsfelder

Bei dem Transformationsprozess spielen vor allem die Themen Kundennähe, Versorgungssicherheit, Innovation sowie eine nachhaltige Energieversorgung durch CO₂-reduzierende Technologien eine zentrale Rolle. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen die Organisationsstruktur nach eigenen Angaben daher gezielt weiterentwickelt und das operative Geschäft auf sechs zentrale Geschäftsfelder ausgerichtet: B2C Customer Solutions, B2B Business Solutions, E-Mobility, Erzeugung und, Handel, Netze und infrastrukturelle IT-Dienstleistungen.

Durch ein übergreifendes Portfoliomanagement werde zudem die Optimierung bestehender Geschäftsmodelle systematisch vorangetrieben, heißt es weiter. Ein wichtiges Element dieses strukturellen Wandels sei auch die vollständige Integration der Pfalzsolar in die Pfalzwerk AG im Juni letzten Jahres gewesen.

"Die Zusammenführung ermöglicht es, Produkte und Dienstleistungen im Bereich Photovoltaik, Wärmepumpen, Speicherlösungen und E-Mobilität künftig noch enger mit den klassischen Energieangeboten zu verknüpfen", erläutert Vorstand Marc Mundschau. Die Kunden profitierten dabei unter anderem von durchgängigen Prozessen und einer ganzheitlichen Betreuung aus einer Hand.

Vorzeigeprojekt im B2B-Lösungsbereich

Konkret umgesetzt wird dieser Vertriebsansatz derzeit beispielsweise bei einem wichtigen Projekt in dem Geschäftsfeld B2B Business-Solutions: Seit 2022 arbeiten die Pfalzwerke hier gemeinsam mit dem Kunden Bäko Süd-West an der umfassenden Dekarbonisierung des Standorts Edingen-Neckarhausen. 2024 wurde mit dem zweiten Teilprojekt – der Umstellung der bestehenden

Ölkessel auf eine Grundwasser-Wärmepumpe – ein weiterer Meilenstein erreicht. Die dafür benötigten Brunnen wurden erfolgreich errichtet und die Ausschreibung für die Wärmepumpe gestartet. Nach Abschluss der Maßnahmen wird Bälo Süd-West durchgängig regenerativ versorgt – mit Ökostrom, Photovoltaikanlagen zur Eigennutzung sowie einer durch Saug- und Schluckbrunnen betriebenen Wärmepumpe.

Umsetzung erster Standorte für das Deutschlandnetz

Auch der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur wurde weiter vorangetrieben. Inzwischen betreibt das Unternehmen ein bundesweites Ladenetz für Elektrofahrzeuge mit mehr als 1750 Ladepunkten an über 420 Standorten und setzt seit Ende 2024 zudem erste Standorte für das staatlich geförderte Deutschlandnetz um. Die Pfalzwerke gehören damit laut Pressemitteilung zu den TOP 8-Betreibern öffentlicher Schnellladeparks in Deutschland. Aufgrund des schleppender verlaufenden Hochlaufs der Elektromobilität in Deutschland – vor allem bedingt durch den Wegfall staatlicher Förderung – wird das Unternehmen seine Ausbaupläne nach unten korrigieren und dem Marktgeschehen anpassen.

Ein Investitionsschwerpunkt im vergangenen Jahr lag erneut im Verteilnetz. Dort stand vor allem die Integration erneuerbarer Energien im Mittelpunkt:  Zum Jahresende speisten rund 45.000 Photovoltaikanlagen, 355 Windenergieanlagen, 48 Wasserkraftwerke und 32 Biomasseanlagen mit einer Gesamtleistung von über 1650 Megawatt ins Netz ein.

Neues Netzanschlussportal

Um den steigenden Einspeisemengen gerecht zu werden und gleichzeitig Versorgungssicherheit zu gewährleisten, investierte Pfalzwerke Netz gezielt in den Ausbau und die Modernisierung ihrer Netze. Im Bereich Netzdigitalisierung wurden unter anderem ein Pilotprojekt zur Umsetzung der Anforderungen aus § 14a EnWG erfolgreich abgeschlossen, der Rollout intelligenter Messsysteme vorbereitet und ein neues Netzanschlussportal eingeführt. Ziel ist, Netzprozesse effizienter zu gestalten – insbesondere angesichts wachsender Anschlusszahlen durch PV-Anlagen. 

Um die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken und wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, sollen künftig die bestehenden Geschäftsfelder weiterentwickelt, neue Wachstumsmärkte identifiziert und Prozesse weiter optimiert werden. "Dabei steht besonders die Überprüfung und Stärkung der bisherigen Kerngeschäfte im Mittelpunkt, ebenso wie eine differenziertere und robustere Beschaffungsstrategie. Wichtige Pfeiler für das künftige Wachstum sind ein tragfähiges Portfolio im Vertrieb und ein stabiles Netzgeschäft", erklärt Vorstand Paul Anfang.

Daher investiert der Pfalzwerke-Konzern verstärkt in die Digitalisierung und die Modernisierung der Netzinfrastruktur. Im Vertrieb liege der Fokus auf der Entwicklung und Vermarktung von Lösungen, die zur Reduzierung von CO₂ beitragen und damit in die steigenden gesetzlichen Klimaschutz-Anforderungen einzahlen. Dennoch würden sich die Pfalzwerke gut gerüstet sehen, um ihre Rolle als aktiver und verantwortungsvoller Gestalter der Energiewende weiter auszubauen.

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