Der norwegische staatliche Energiekonzern Statkraft hat in Deutschland 35 ältere Windparks mit einer Leistung von aktuell 310 MW gekauft. (Symbolbild)

Der norwegische staatliche Energiekonzern Statkraft hat in Deutschland 35 ältere Windparks mit einer Leistung von aktuell 310 MW gekauft. (Symbolbild)

Bild: © Patrick Pleul/dpa

Von Artjom Maksimenko

Der norwegische Staatskonzern Statkraft blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Während das gesamte Volumen der PPAs im Jahr 2024 mit 12,5 Terawattstunden (TWh) etwa doppelt so groß war wie 2023 (6 TWh), erreichte die gesicherte Projektpipeline von Wind-, Solar- und Batteriespeicherprojekten einen Gesamtwert von 2600 MW.

Mit 1600 MW machen die Windprojekte dabei den größten Teil aus. "Wir haben mittlerweile eine deutliche Schlagseite zum Windbereich", sagte Claus Urbanke beim Pressegespräch im Rahmen der Energiefachmesse E-World in Essen. Er verantwortet in Deutschland das Wind- Solar- und Speichergeschäft von Statkraft.

Negative Preise als Trend

Deutschland habe in den vergangenen drei Jahren sein Versorgungssystem grundlegend verändert, führte Stefan-Jörg Göbel, SVP Germany & Country Manager bei Statkraft, fort. Anstelle des russischen Pipelinegases seien LNG-Importe mit höheren Preisen und Volatilitäten gekommen. Nominal sei der Gaspreis trotz deutlicher Rückgänge weiterhin höher als vor der Energiekrise. Eine weitere Tendenz sieht er bei den negativen Preisen. Im vergangenen Jahr habe es in Deutschland zu rund 500 Stunden negative Preise gegeben.

"Wir glauben, dass es ein anhaltender Trend ist und kein Ausreißer", betonte Göbel. Dieser Trend habe eine Signalwirkung an den Markt und die Regulierung, erläuterte er im Gespräch mit der ZfK. Das hätten bereits unter anderem die Betreiber von Batteriespeichern verstanden und bringen immer weitere Speicherkapazitäten ans Netz. Auch für Statkraft sehe er Potenzial für den Ausbau eines Portfolios, ohne dabei in Dimensionen von mehreren Tausend Megawatt vorzustoßen, sagte er.

"Nur Feinjustierung" bei Strategie

Wind- und Solarenergie seien als preisgünstige und sichere Säule nicht mehr wegzudenken und wachsen rasant, sagte Göbel. Das Tempo sei beachtlich: "Wir haben 2024 fast 15.000 MW an Leistung in den Genehmigungen gesehen. Das hat Deutschland niemand zugetraut."

Insgesamt sieht er sein Unternehmen auf einem guten Weg. Seit drei Jahren agieren Deutschland und Europa in einem völlig neuen Versorgungssystem.

An der strategischen Ausrichtung hin zur Erzeugung und Vermarktung von fossilfreier Energie habe sich, "bis auf einige Feinjustierungen", nichts grundsätzlich geändert, sagte Göbel

Das große Thema der kommenden Legislaturperiode werde die Flexibilisierung und die Systemintegration der Erneuerbaren sein, führte Urbanke weiter aus. Auch bei der Kraftwerksstrategie erwartet er zügige Entscheidungen. Als eine weitere Forderung sieht Statkraft die Beteiligungsgesetze auf Bundesebene, um einen Wildwuchs auf Länderebene zu vermeiden.

Beim Thema Kraftwerksstrategie wiederholte Göbel den Wunsch nach einem technologieoffenen Ansatz, der dem Markt in konkreten Situationen helfe. An Lösungen ohne den Einsatz von fossiler Energie würde sich Statkraft perspektivisch auch beteiligen.

"Die Wasserstoff-Karavane zieht weiter"

Bei der Entwicklung von Wasserstoffprojekten hat der norwegische Konzern ebenfalls Erfolge zu vermelden: "Die Wasserstoff-Karavane zieht weiter", sagte Helge Beil, VP German Hydrogen von Statkraft. Aktuell arbeitet sein Unternehmen an zwei Produktionsanlagen für Wasserstoff. Dafür habe Statkraft eine Vereinbarung mit der Friedrich Vorwerk Group SE als EPC-Generalunternehmer geschlossen. Die Detailplanung des Projekts sei nun beauftragt worden. Eine finale Finanzierungsentscheidung für die beiden Projekte liege noch nicht vor, so Beil.

Die 10-MW-Anlage wolle das Unternehmen mittelfristig um einen 200-MW-Elektrolyseur erweitern, dafür verhandele Statkraft derzeit über einen Zuschuss in Höhe von 107 Millionen Euro aus dem EU-Innovationsfonds. Mit diesem Projekt plant Statkraft, ab 2030 bis zu 20.000 Tonnen grünen Wasserstoff an die deutsche Industrie bundesweit auszuliefern.

Von enormer Bedeutung sei aus Sicht von Beil ein zuverlässiger Rahmen für den Wasserstoffnachfrage-Hochlauf. Hier sieht er einen dringenden Handlungsbedarf seitens der kommenden Bundesregierung.

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