Die Vorgaben des überarbeiteten Klimaschutzgesetzes sind für die Energiewirtschaft am sportlichsten.

Die Vorgaben des überarbeiteten Klimaschutzgesetzes sind für die Energiewirtschaft am sportlichsten.

Bild: © Steag

Der Essener Steag-Konzern übernimmt am heutigen Freitag, 1. Oktober, die Gesellschafteranteile des österreichischen Energieversorgers EVN an dem noch jungen Steinkohlekraftwerk Walsum 10 im Duisburger Norden und wird damit dessen alleiniger Eigentümer. Das Closing der Verträge erfolgte gestern, wie der börsennotierte, niederösterreichische Versorger in einer Ad-hoc-Mitteilung informierte.

EVN war als Mitgesellschafter mit 49 Prozent an der Anlage beteiligt, die Steag hielt bereits 51 Prozent. Außerdem entledigt sich der börsennotierte, niederösterreichische Versorger durch eine Abschlagszahlung der bis Anfang der 2030er Jahre laufenden Strombezugsverpflichtungen aus Walsum 10. Dies verlautete aus unternehmensnahen Kreisen. Vertragsgemäß hätte die EVN bis 2032 respektive 2033 Strom aus Walsum 10 beziehen müssen.
 

Steag kann allein über Zukunft des Kraftwerksstandortes entscheiden

Mit der Transaktion steigt EVN endgültig aus der Kohleverstromung aus. Bereits im August 2019 war das Kraftwerk Dürnrohr vorzeitig stillgelegt worden. Die Transaktion führe bei EVN zu keiner Ergebnisbelastung im Geschäftsjahr 2020/21, heißt es weiter.

Die Höhe der Abschlagszahlung für die Beendigung des Strombezugsvertrags soll laut ZfK-Informationen deutlich über dem Kaufpreis für die Gesellschafteranteile liegen, den die Steag entrichtet hat. Saldiert man die Beträge, soll unterm Strich ein „nicht unerheblicher Mittelzufluss“ an die Steag erfolgt sein.

Dieser eröffnet dem in einer Restrukturierung befindlichen Energiekonzern neue Optionen mit Blick auf die zukünftige Entwicklung des Kraftwerkstandortes. Aktuell wird ein Brennstoffwechsel und eine Umstellung auf Holzpellets geprüft. Dieser Prüfprozess ist aber noch nicht abgeschlossen. Ab Herbst nächsten Jahres wird Stand heute Walsum 10 das letzte inländische Kohlekraftwerk der Steag sein.

Steag und EVN investierten 820 Mio. Euro in das Kraftwerk

Ohne Härtefallregelung oder Brennstoffwechsel respektive die Teilnahme an einer Stilllegungsauktion müsste das Kraftwerk Stand heute im schlimmsten Fall 2027 per Ordnungsrecht und ohne Entschädigung geschlossen werden. Walsum 10 hat eine elektrische Leistung von 790 MW.

Die Anlage wurde 2013 in Betrieb genommen. Rund 820 Mio. Euro hatten Steag und EVN damals investiert,  Walsum 10 zählt nach Angaben der Unternehmen mit einem Wirkungsgrad von mehr als 45 Prozent zu den effizientesten Steinkohlekraftwerken Europas.

Übertragung der Steag-Gesellschafteranteile an Treuhänder steht noch aus

Bereits Anfang dieser Woche war der Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung der Steag mit den Banken bekannt geworden. Dank dieser soll das Unternehmen bis 2023 durchfinanziert sein und die notwendigen Mittel für die nächsten Transformationsschritte und den Ausbau bestehender und den Aufbau neuer Geschäftsfelder gesichert haben.

Dieser Durchbruch ist die Voraussetzung dafür, dass der noch nicht veröffentlichte Jahresabschluss der Steag für 2020 von den Wirtschaftsprüfern testiert wird. Die erfolgreiche Sanierung des Konzerns und die Entwicklung weiterer Ertragsperspektiven ist auch die Voraussetzung für den ab 2023 angestrebten Verkauf des Unternehmens. Aktuell gehört die Steag sechs Stadtwerken aus dem Ruhrgebiet.

Der Verkaufsprozess wird seit kurzem vom Treuhänder Jan Plathner koordiniert und verantwortet, hierzu sollen in den nächsten Wochen die Anteile der kommunalen Steag-Gesellschafter an den Treuhänder übertragen werden. (hoe)

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