Die Energiebranche in Deutschland steht unter Transformationsdruck: Energiewende, Dekarbonisierung des Wärmesektors, Digitalisierung, immer neue regulatorische Anforderungen und nicht zuletzt veränderte Kundenerwartungen erhöhen die Komplexität entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Gerade kleinere Stadtwerke mit begrenzten Ressourcen kämpfen damit, gleichzeitig die Netze zu erneuern und die Wärmewende voranzutreiben, während es im Wettbewerb mit innovativen Anbietern immer schwieriger wird, die Kunden langfristig zu binden.

Es gibt bereits deutliche Hinweise, dass der Konsolidierungsdruck in der Branche zunimmt. Zusammenschlüsse, Beteiligungsmodelle, aber auch Marktaustritte sind seit Jahren zu beobachten. Auch der Zulauf bei Stadtwerke-Kooperationen und das starke Wachstum von spezialisierten Dienstleistern spricht dafür, dass die Marktteilnehmer erkannt haben, dass die Aufgaben kaum noch alleine zu stemmen sind.

Konsolidierung findet also bereits statt. Die Frage ist nur, ob wir künftig vor allem eine Marktbereinigung durch Fusionen, Verkäufe, Geschäftsaufgaben und Insolvenzen sehen werden, oder ob es der Branche gelingt, ihre Wettbewerbsfähigkeit mithilfe von Kooperationen zu sichern. 

Eine Kooperationsform für jede Herausforderung

Um Skaleneffekte zu erzielen, sind vor allem horizontale Kooperationen, beispielsweise mit Shared-Service-Gesellschaften und Beschaffungskooperationen etabliert. Denkbar – und in Einzelfällen bereits umgesetzt – ist auch eine stärkere Bündelung des Vertriebs, etwa über gemeinsame Produktwelten, Kampagnen oder Vertriebsplattformen.

Über Plattformen lassen sich zudem vertikale Kooperationen skalieren, indem Stadtwerke etwa gemeinsam eine Installateurs-Plattform betreiben oder Erneuerbare-Energien-Projekte entwickeln.

Die Zusammenarbeit mit Drittanbietern, die standardisierte Leistungen als Software-as-a-Service-Lösung (SaaS) anbieten, kann Effizienz und Angebotsbreite erhöhen, ohne alle Kompetenzen und Systeme im eigenen Haus vorhalten zu müssen.

Zu guter Letzt sind für die Finanzierung der anstehenden Großprojekte im Netz und im Wärmesektor auch Beteiligungsmodelle oder Joint Ventures mit finanzstarken Investoren relevant.

Erfolgreiche Umsetzung oder noch mehr Komplexität in der Organisation

Damit Kooperationen tatsächlich entlasten und nicht zusätzliche Komplexität erzeugen, müssen passende Partner gefunden werden, die ähnliche Ziele verfolgen und grundlegende Werte teilen. In der Umsetzung müssen zudem politisch-kulturelle Vorbehalte überwunden und Lösungen im Umgang mit begrenzten internen Kapazitäten sowie technischen und prozessualen Anpassungsproblemen gefunden werden.  

Für Stadtwerke ist zudem entscheidend, bei identitätsstiftenden Themen keine Kompromisse zu machen: Marke, lokale Präsenz und vor allem der Zugang zum Kunden sollten in der eigenen Verantwortung bleiben. Wer die Kundenschnittstelle aus der Hand gibt, riskiert mittelfristig seine Rolle im Markt zu verlieren. 

Kooperations-Studie soll Status Quo und Trends ermitteln

Fakt ist: Die Bedeutung von Kooperationen zur Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit von kommunal geprägten Energieversorgern ist immens. Gespräche mit Versorgern zeigen jedoch, dass diese noch nicht überall in gleichem Maße als wichtig angesehen werden. 

Um einen genaueren Einblick zu erhalten und den Entwicklungsstand von Kooperationen im deutschen Energiemarkt fundiert zu erheben, führen die Beratungsunternehmen Grubengold und Kreutzer Consulting aktuell eine Online-Umfrage durch und haben bereits zahlreiche intensive Gespräche mit Entscheidern aus der Energiebranche geführt. Diese Experteninterviews werden fortgesetzt, um ein noch präziseres Bild der Lage zu erhalten. Die Befragung läuft noch weiter, für interessierte Fachkräfte der Branche besteht weiterhin die Möglichkeit teilzunehmen und ihre Erfahrungen einzubringen. Sie erreichen die Umfrage über folgenden Link: https://umfrage.kreutzer-consulting.com/c/sw-kooperationen.

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