Der südbadische Energiedienstleister Badenova hat in den vergangenen Wochen über 2000 Stromkunden in die Ersatzversorgung aufnehmen müssen. Diese stammen überwiegend vom Anbieter Stromio, dem kurz vor Weihnachten bundesweit die Bilanzkreisverträge gekündigt worden waren.
Da die Badenova die für die Versorgung dieser Neukunden benötigten Energiemengen kurzfristig zu den aktuell sehr hohen Großhandelspreisen beschaffen muss, hat sie vergangenen Freitag einen zweiten Grund- und Ersatzversorgungstarif für Neukunden im Strombereich eingeführt.
Tarifsplit in der Grundversorgung Gas besteht bereits seit Dezember
Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte Badenova einen zweiten Grundversorgungstarif für Erdgas aufgelegt, nachdem 4000 neue Erdgaskunden in die Ersatzversorgung gefallen waren.
Deutschlandweit hätten bereits über 330 Stromanbieter einen solchen Grundversorgungstarif speziell für Neukunden eingeführt, der das derzeitige Niveau der Großhandelspreise widerspiegelt, heißt es in einer Pressemitteilung des Energieversorgers.
Die durchschnittliche Preiserhöhung bewege sich bei 103 Prozent, das in Freiburg ansässige Unternehmen liege in vielen Verbrauchsstufen deutlich darunter. Bei einem Jahresverbrauch ab 4000 kWh etwa liegt der Arbeitspreis bei 51,18 Ct (brutto) pro kWh, der monatliche Grundpreis bei 14,97 Euro (brutto).
Energiemarktkrise zwingt zahlreiche Stromproduzenten zur Erhöhung der Liquidität
Auch große Stromproduzenten haben in den vergangenen Wochen weitere Vorsorgemaßnahmen mit Blick auf die Energiemarktkrise getroffen. Nach Uniper und der Steag hat nun der Schweizer Energiekonzern Alpiq auf die erhöhten Liquiditäts- und Kreditrisiken im Energiemarkt reagiert und sich vorsorglich mehr finanziellen Handlungsspielraum verschafft.
Die Aktionäre von Alpiq stimmten laut einer Pressemitteilung zu, eine temporäre Liquidität von 223 Mio. Schweizer Franken (CHF) zur Verfügung zu stellen. Eine weitere Erhöhung auf 300 Mio. CHF werde diskutiert, heißt es. Diese Massnahmen sollen den Versorger widerstandsfähiger gegenüber den aktuellen Marktentwicklungen machen.
Höhere finanzielle Sicherheitsleistungen
Die aktuell hohen Strom- und Gaspreise ermöglichten es Unternehmen wie Alpiq einerseits ihre Handelsmarge zu verbessern, gleichzeitig führe dies jedoch gleichermassen zu höheren finanziellen Sicherheitsleistungen, die Stromproduzenten den Energiebörsen für die Absicherung der Stromproduktion aus Schweizer Kraftwerken an den Handelsplätzen geschäftsüblich hinterlegen müssen.
Davon betroffen seien insbesondere grosse Stromproduzenten, die ihre Stromproduktion im Vorfeld vorsorglich abgesichert haben.
Auch Steag und Uniper haben sich weiter abgesichert
Der Essener Energiekonzern Steag hatte bereits in der zweiten Januarwoche mit Blick auf die Preiskapriolen am Energiemarkt erklärt, dass er zur Absicherung seiner Termingeschäfte zusätzliche Liquidität in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags organisiert habe. Ein Steag-Sprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.
Anfang des Jahres hatte bereits der Energiekonzern Uniper ein Milliardenpaket geschnürt, um sich besser für starke Preissprünge an den Energiemärkten zu rüsten. Dabei geht es um Absicherungsgeschäfte von bis zu 11,8 Milliarden Euro. Diese hat das Düsseldorfer Unternehmen etwa über Kreditvereinbarungen mit dem finnischen Mehrheitseigentümer Fortum und der staatlichen Förderbank KfW geschlossen. (hoe)



