Im europäischen Vergleich zahlen die Deutschen besonders viel für eine Kilowattstunde Strom.

Im europäischen Vergleich zahlen die Deutschen besonders viel für eine Kilowattstunde Strom.

Bild: © Andrey Metelev/Unsplash

Stark gefallene Großhandelspreise für Strom und Erdgas sowie der zunehmende Preiskampf auf Deutschlands gängigen Vergleichsportalen setzen nicht nur immer mehr Grundversorger unter Druck, sondern rufen nun auch den Stadtwerkeverband VKU und die Verbraucherzentrale Niedersachsen auf den Plan.

Am Mittwoch warb mancher Versorger auf den Plattformen Check 24 und Verivox mit Preisen von gerade noch 35 Cent pro kWh Strom und elf Cent pro kWh Erdgas.

Grundversorger unter Druck

Zum Vergleich: Die im staatlichen Entlastungspaket vorgesehenen Preisobergrenzen für einen Großteil des Jahresverbrauchs liegen bei 40 Cent pro kWh Strom und zwölf Cent pro kWh Gas.

Nach Verivox-Berechnungen kostet in der Grundversorgung die Kilowattstunde Strom im Schnitt 47 Cent. Bei Gas sind es 18 Cent.

Umstrittene Marken ganz vorne

Was dabei auffällt: Ganz vorne in den Preisrankings tauchen üblicherweise nicht traditionelle Energieversorger wie Stadtwerke oder Eon auf, sondern Marken wie Grünwelt Energie und Spar-Fuxx , die zu Beginn der Energiekrise wegen starker Preiserhöhungen (Spar-Fuxx) und abrupter Kundenkündigungen (Grünwelt Energie) ins Visier von Verbraucherschützern gerieten.

Grünwelt Energie war die Vertriebsmarke der Anbieter Stromio und Gas.de, wird auf den Vergleichsportalen aber derzeit von der Firma Grünwelt Wärmestrom verwendet.

VKU: Konservative Beschaffungsstrategie hat sich bewährt

In einer Presseaussendung nimmt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing die Preispolitik der Stadtwerke in Schutz. Deren konservative Beschaffungsstrategie habe sich gerade in der Energiekrise bewährt, führt er aus.

Wenn Stadtwerke stattdessen immer aktuell einkaufen würden, hätten Verbraucherinnen und Verbraucher im vergangenen Jahr ein Vielfaches der auf den Strom- und Gasrechnungen ausgewiesenen Preise bezahlen müssen, erklärt der Verbandschef. Das wäre auch in der aktuellen Situation so. "Derzeit profitieren Kundinnen und Kunden unverändert von den bedeutend günstigeren Preisen der zurückliegenden drei Jahren vor der Energiekrise."

VKU: Billiganbieter große Herausforderung

Das heiße für Endkunden aber auch: "Erst wenn sich günstige Preise auch wieder am Terminmarkt beständig durchsetzen, wird das in der Folge die Verbraucherpreise senken."

Mit Sorge beobachtet der VKU das erneute Aufkommen der Billiganbieter, die Phasen fallender Preise nutzen könnten, um Kunden "mit nicht abgesicherten Angeboten" anzulocken.

VKU nimmt Behörden in Pflicht

Hier nimmt Liebing auch die Behörden in die Pflicht. Gemeint sind wohl insbesondere die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt. Sie hätten ausreichende Befugnisse, um ein missbräuchliches Verhalten zu untersuchen und ahnden, hält der Verbandschef fest. "Aus Sicht der Stadtwerke sollte diese Aufsicht auch wahrgenommen werden."

Sorgen macht sich offenbar zudem die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Dass es jetzt wieder Tarifoptionen gebe, sei für Verbraucher gut, heißt es in einer Presseaussendung. "Leichtfertig den Vertrag wechseln sollten sie jedoch nicht", rät Energierechtsexpertin Julia Schröder. "Niemand kann vorhersehen, wie sich die Preise weiter entwickeln. Sich jetzt für zwölf oder 24 Monate zu binden, birgt daher auch ein gewisses Risiko."

Erfahrungen und Insolvenzrisiko

Mit Blick auf sogenannte Discounteranbieter empfiehlt die Verbraucherschützerin außerdem, Vertragsbedingungen wie Laufzeit, Preisgarantien und die Verrechnung von Boni vorab gut zu prüfen. Auch Erfahrungen mit dem Anbieter und das Insolvenzrisiko sollten berücksichtigt werden. (aba)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper