Eine Trennung der einheitlichen deutschen Strompreiszone in eine südliche und eine nördliche würde zu den höheren Strompreisen im Süden Deutschlands führen, teilte die VBW mit und verweist dabei auf eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Prognos, die sie in Auftrag gegeben hatte.
Diese höheren Preise würden das industrielle Zentrum im Süden schwächen und damit ganz Deutschland und auch Europa "hart treffen", hieß es weiter. Die Folge wäre eine Abwanderungswelle nach Asien oder in die USA.
Studie: "Preiszonenteilung als Motivation"
Laut Prognos-Analyse könnte die Teilung Kraftwerksbetreiber aber auch zum Bau von Erneuerbaren-Energieanlagen im Süden und Westen bewegen. Insbesondere im Süden geht der Erneuerbarenausbau nur schleppend voran. "Bei genauer Analyse eines Strompreiszonensplitts zeigt sich schnell, dass negative Auswirkungen überwiegen", so VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.
Eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt einer einheitlichen Preiszone, für den die VBW plädiert, sei ein zügiger Ausbau der Netze, um ausreichend Energie aus den nördlichen Regionen mit einem hohen Erneuerbarenanteil in den Süden bringen zu können.
EEX: "Trennung gefährdet Liquidität"
Neben einer Teilung in zwei Zonen existieren auch weitere Szenarien, die die europäische Regulierungsbehörde Acer im Jahr 2022 vorstellt hatte. Dort ist von einer Teilung in bis zu fünf Zonen die Rede. Trotz der aktuell beträchtlichen Netzengpässe zwischen Nord- und Süddeutschland sieht auch die Energiebörse EEX ein potenzielles Splitting der Preiszonen kritisch. Eine einheitliche Strompreiszone sei sehr wichtig, wenn es darum gehe, Liquidität zu bündeln, sagte EEX-Vorstandschef Peter Reitz, im Interview mit der ZfK.
Als Negativbeispiel für die Folgen einer Preiszonentrennung nannte Reitz die Abspaltung des österreichischen Marktes von der deutschen Preiszone. "Seit der Trennung im Oktober 2018 ist die Liquidität im österreichischen Markt sehr viel geringer. Das klingt immer so theoretisch, hat aber greifbare negative Folgen für die Wirtschaft eines Landes."
Befürworter: Trennung wäre "sozial gerecht"
Als Befürworter eines Preiszonensplittings gilt Ralph Lenkert, der für die Linke im Deutschen Bundestag sitzt. Die aktuelle Regelung führt aus seiner Sicht dazu, dass insbesondere die süddeutschen Bundesländer von der bundeseinheitlichen Strompreiszone profitieren, obwohl sie beim Erneuerbaren- und Stromnetzausbau hinterherhinken. "Gleichzeitig sind ausgerechnet in jenen Netzgebieten in der Regel die Netzentgelte höher, wo der Erneuerbarenausbau vorangeht", sagte er im ZfK-Interview im Januar dieses Jahres. Für ihn sei das nicht nur sozial ungerecht, sondern auch volkswirtschaftlich kontraproduktiv.
Auch Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) nannte eine Aufteilung in Preiszonen "die logische Konsequenz des energiepolitischen Irrweges" bayerischer Landesregierungen. Mehr als 15 Jahre lang hätten diese den Ausbau von Stromnetzen und Windkraft sabotiert, sagte Goldschmidt der "Welt am Sonntag" im September 2022. Es sei den Menschen im Norden schlicht nicht mehr zu vermitteln, warum sie die Zeche dafür zahlen müssen. (dpa/am)



