2023 war für die Stadtwerkebranche herausfordernd.

2023 war für die Stadtwerkebranche herausfordernd.

Bild: Pleul/dpa

Die Wärmeplanung war für die Stadtwerke im vergangenen Jahr eine Priorität. Die Auswirkungen der Wärmewende auf Geschäft und Strategie gehörten zu den Top-3-Themen, mit denen sich die Unternehmen 2023 auseinandersetzten. Abgelenkt wurden die Stadtwerke allerdings von der Umsetzung der Preisbremsen, die im vergangenen Jahr das Tagesgeschäft erschwerten.

Das ist das Stimmungsbild, das die Stadtwerkestudie 2024 von EY und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeichnet. Deutschlandweit wurden dazu 100 Stadtwerke und regionale Energieversorger befragt.

"Die Wärmeplanung ist nun keine optionale Strategie mehr – Stadtwerke sollten unmissverständlich gemeinsam mit ihren Kommunen an ihren lokalen Wärmeplänen arbeiten", kommentiert Metin Fidan, Partner und Leiter Green Transformation & Mining and Metals in der Region Europe West bei EY.

Fast alle Befragten werden bei Wärmeplanung einbezogen

99 Prozent der Stadtwerke werden gemäß der Befragung bei der Erstellung der Wärmeplanung durch die Kommune mit einbezogen, allein schon zur Bereitstellung der notwendigen Daten. 64 Prozent sind dabei sehr zufrieden oder zufrieden mit der Zusammenarbeit bei der Erstellung der Wärmeplanung.

"Stadtwerke sind der ideale Ansprechpartner für die Stadt und für Lösungen." - Florian Bieberbach, SWM

"Ein Vorteil der Stadtwerke ist, dass sie regional fokussiert und dort auch gut mit den Institutionen vor Ort vernetzt sind. Damit können sie die gesamte Breite der Energieversorgung anbieten. Sie sind der ideale Ansprechpartner für die Stadt und für Lösungen", wird Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München, in der Studie zitiert.

Klare Rahmenbedingungen zur Umsetzung und Finanzierung notwendig

Um die Wärmewende in der geforderten Geschwindigkeit umsetzen zu können, benötigen viele Stadtwerke zusätzliche Finanzierungsquellen.

So wünschen sich die Studienteilnehmer vor allem eine umfangreichere und effizientere Förderung von Investitionsmaßnahmen. 79 Prozent beispielsweise bezeichnen die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) als unzureichend.

Unerlässlich zur Umsetzung der Energie- und Wärmewende seien daher klare Rahmenbedingungen.

Umsetzung der Wärmewende, Digitalisierung und Fachkräftemangel sind die TOP-Themen

Die derzeit wichtigsten Themen der Branche sind laut den Befragten:

  • die Wärmewende,
  • die Digitalisierung inklusive der IT-Sicherheit,
  • und die Gewinnung von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (jeweils 87 Prozent).

Auf dem vierten Platz landet der Ausbau von erneuerbaren Energien (80 Prozent).

Beherrschendes Thema 2023 war allerdings die Umsetzung der Preisbremsen

Die Umsetzung der Strom-, Gas- und Wärmepreisbremsen war für mehr als 40 Prozent der Stadtwerke das beherrschende Thema 2023. Viele Stadtwerke waren gezwungenermaßen operativ so stark ausgelastet, dass wichtige Zukunftsaufgaben nicht so stark wie von den Stadtwerken gewünscht angegangen werden konnten.

Gute Zahlen, aber Zukunftsängste

Viele Stadtwerke haben zwar 2023 die Folgen der Energiekrise sehr gut gemeistert. Für fast zwei Drittel (64 Prozent) lief das herausfordernde Jahr 2023 geschäftlich erfolgreich.

Allerdings erwarten nur noch 37 Prozent gute bis sehr gute geschäftliche Erfolge in der Zukunft. Vor zwei Jahren blickten fast noch doppelt so viele Befragte (60 Prozent) optimistisch in das nächste Jahr.

Die Experten in der Studie gehen davon aus, dass sie ihre Investitionen in der nächsten Dekade mindetens vervierfachen müssen. Gleichzeitig besteht zur Ergebnissicherung ein kurzfristiger Kostendruck.

Laut den Autoren werden die kommenden zwei bis drei Jahre entscheiden, ob die Stadtwerke — gemeinsam mit Kommunen, Ländern und Bund — Antworten auf dieses Dilemma zwischen Zukunftsinvestitionen und anhaltendem Kostendruck finden.

Dekarbonisierung wird zunehmend Kern der Geschäftspolitik

Immer mehr Stadtwerke haben eine durchgängige Dekarbonisierungsstrategie. Der Anteil der befragten Stadtwerke, die eine echte Dekarbonisierungsstrategie, also Transformationslösungen für den Kunden und das eigene Unternehmen aufweisen, stieg von 29 Prozent in den beiden Vorjahren auf 39 Prozent im Jahr 2023.

Stadtwerke zeigen sich etwas weniger experimentierfreudig

Generell besteht aus Stadtwerkesicht auch weiterhin der Bedarf, neue Geschäftsfelder zu erschließen. 55 Prozent der Befragten setzten sich 2023 stark mit diesen Themen auseinander, im Vorjahr waren es noch 66 Prozent.

Der Anteil derer, die sich von neuen Geschäftsfeldern innerlich verabschiedet haben, stieg gleichzeitig von 10 auf 16 Prozent. Ein Grund könnte laut den Studienautoren sein, dass Stadtwerke zunächst bereits entwickelte Geschäftsmodelle ausrollen möchten, bevor sie weitere entwickeln.

Zur Studie:

Der Schwerpunkt der Hauptbefragung von 100 Stadtwerken lag bei Versorgern kleinerer und mittelgroßer Gebiete. Mehr als die Hälfte der befragten Stadtwerke versorgen Kommunen mit unter 50.000 Einwohnern, verteilt über alle Bundesländer (ausgenommen Berlin und Hamburg).

Die Befragungen fanden im Dezember 2023 und Januar 2024 statt. Die Branche wurde genau in diesem Zeitraum zu einer Wärmeplanung mit den Kommunen ab 1.Januar 2024 verpflichtet. Gleichzeitig konnte sie bereits die günstigen Folgen eines milden Winters samt voller Gasspeicher abschätzen.

(pfa)

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