Claudia Middendorf (li.) und Nadine Kirchner beraten Stadtwerke beim internen Kulturwandel.

Claudia Middendorf (li.) und Nadine Kirchner beraten Stadtwerke beim internen Kulturwandel.

Bild: © Westenergie

Welche Unterschiede stellen Sie fest: Sind größere Stadtwerke beim Kulturwandel weiter als kleinere?
Nadine Kirchner: Nein, mit der Größe eines Stadtwerk hat das nichts zu tun. Die Situation ist jeweils sehr individuell. Wir arbeiten mit Kollegen, die selber schon einen erfolgreichen Prozess angestoßen haben, und mit Unternehmen, die noch Nachholbedarf bei sich sehen. Die Energiebranche hatte das Thema Kulturwandel und neue Arbeitsformen lange nicht so weit oben auf der Agenda wie andere Wirtschaftsbereiche. Das hat sich in letzter Zeit stark geändert und das merken wir auch in unserer Arbeit. Das hohe Veränderungstempo erzeugt Druck von außen und das Management kommt mit herkömmlichen Methoden an seine Grenzen. Gerade kleinere und mittelständische Stadtwerke verfügen häufig nicht über so große Kapazitäten für die Führungskräfte- und Personalentwicklung, wie das bei den großen Stadtwerken der Fall ist.

Mit welchen Hauptthemen haben Sie dabei zu tun: agiles Arbeiten, Diversity, Generationswechsel, Innovationsfähigkeit?
Kirchner: Im Prinzip geht es um alle diese Themen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Innovationsfähigkeit beziehungsweise dem Ideenmanagement. Dabei gibt es natürlich Unterschiede zwischen den Stadtwerken. Einige haben erst rudimentäre Ansätze, es gibt aber auch tolle Vorreiter, von denen andere lernen können. Freiräume für Kreativität zu schaffen, den Kollegen verschiedene Methoden an die Hand zu geben, wie jeder kreativ sein kann: Das ist eine unserer Aufgaben.
Claudia Middendorf: Das macht besonders Spaß in der Umsetzung. Denn viele Mitarbeiter meinen, dass sie gar nicht kreativ sind. Wenn wir dann zum Beispiel einen Workshop durchführen und interessante neue Methoden vorstellen, blüht die Gruppe nach anfänglicher Skepsis häufig innerhalb kurzer Zeit auf. Am Ende sind die Teilnehmer überrascht, wie kreativ doch alle sind. Übrigens arbeiten wir dabei nicht an theoretischen Fällen, sondern immer an konkreten Problemen aus dem jeweiligen Unternehmen.

Können Sie noch einen Bereich nennen?
Kirchner: Ein weiteres wichtiges Thema ist die Kundenorientierung bzw. Kundenzentrierung. Darunter verstehen wir den ganzheitlichen Blick auf den Kunden, der heute kritisch und bestens informiert ist und schnelle digitale Lösungen zu fairen Preisen haben möchte. Darauf müssen alle Prozesse ausgerichtet sein.
Wir haben dafür ein Workshop-Konzept entwickelt, in dem wir eine Customer Journey detailliert durchgehen. Wir analysieren beispielsweise, wer die heutigen und wer die Kunden von morgen sind, wie sie charakterisiert werden können und wie man mit ihnen ins Gespräch kommt. Wir führen Instrumente wie eine Kunden-Arena ein, wo wir Kunden zu den Stadtwerken einladen und mit ihnen in den Austausch zu verschiedenen Fragestellungen gehen. Wir binden in diesen Prozess – das ist uns extrem wichtig – die Mitarbeiter, unsere „Experten“, ein. Aus den Workshops nehmen sie dann Verbesserungen mit, die sie sofort umsetzen können.
Middendorf: Wir versuchen dabei, den Mitarbeitern Berührungsängste vor neuen Methoden zu nehmen. Wir führen zum Beispiel agiles Arbeiten ein, ohne das vorher anzukündigen. Die Mitarbeiter sind oft überrascht, dass sie nun etwas anwenden, von dem sie bislang nur im Zusammenhang mit Unternehmen wie Google oder Tesla gehört haben.


Das Interview führte Elwine Happ-Frank

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Das ausführliche Interview mit den Westenergie-Change-Managerinnen lesen Sie in der an diesem Montag erschienenen Dezember-Ausgabe der ZfK. Zum Abo geht es hier.

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