Die Technischen Werke Naumburg mussten aufgrund höherer Beschaffungspreise für Strom und Gas unter anderem ihre Tarife anpassen.

Die Technischen Werke Naumburg mussten aufgrund höherer Beschaffungspreise für Strom und Gas unter anderem ihre Tarife anpassen.

Bild: © TWN

Der finanzielle Schaden, der bei den Technischen Werken Naumburg (TWN, Sachsen-Anhalt) insbesondere durch ein Versäumnis in der Strom- und Gasbeschaffung entstanden ist, könnte die Grenze von drei Millionen Euro überschreiten. Dieser Betrag wurde durch eine Bürgschaft der Muttergesellschaft bereitgestellt. (Die ZfK berichtete.)

Er gehe derzeit von einem einstelligen Millionendefizit aus, das höher als die von einer Bürgschaft der Stadt abgedeckten drei Millionen Euro sei, sagte Oberbürgermeister Armin Müller (CDU) dem "Naumburger Tageblatt". Genauere Zahlen erwarte er Ende Mai.

Versäumnisse bei Beschaffung

Das Rathaus bestätigte die Aussagen auf ZfK-Anfrage. Die Technischen Werke dagegen bestätigten die im Bericht enthaltenen Informationen nicht und wollten den Sachverhalt nicht weiter kommentieren.

Die TWN Naumburg hatten im Januar gemeldet, dass sie für das vergangene Jahr erstmals ein negatives Betriebsergebnis ausweisen müssten. (Die ZfK berichtete.) Als Hauptgrund wurden Lieferverträge mit Großkunden genannt, die der Versorger in der Niedrigpreisphase geschlossen, für die er sich aber nicht entsprechend eingedeckt habe. In der Folge habe er bei explodierenden Großhandelspreisen nachkaufen müssen.

TWN mit Umsatz von mehr als 40 Mio. Euro

Ein millionenschweres Defizit wäre für die Technischen Werke Naumburg ein ungewöhnliches Vorkommnis. In den beiden Jahren zuvor etwa hatte das Unternehmen stets ein Ergebnis nach Steuern von mehr als 2 Mio. Euro eingefahren. Der Umsatz betrug jeweils um die 40 Mio. Euro.

Laut "Naumburger Tageblatt" wurden inzwischen auch personelle Konsequenzen gezogen. "Wir haben uns im Konsens darauf geeinigt, dass die zum 31. August dieses Jahres eh auslaufenden Verträge der TWN-Geschäftsführer Ulrich Klose und Detlef Apel nicht verlängert werden", wird Oberbürgermeister Müller zitiert, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens ist.

"Bis zum jüngsten Vorfall stets schwarze Zahlen"

Demnach seien bei der jüngsten Aufarbeitung der Krise auch persönliche Versäumnisse bemerkt worden, sagte der Rathauschef demnach weiter. "Ich bedauere aber, dass wir diesen Schritt gehen mussten, da die Geschäftsführer mit ihrer Arbeit viel dafür getan haben, dass die TWN bis zum jüngsten Vorfall stets schwarze Zahlen schreiben konnten."

Auch habe der Oberbürgermeister gelobt, dass sowohl Apel als auch Klose derzeit mit voller Transparenz und täglich großem Einsatz dafür sorgten, "das Schiff wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen."

Aus Duo soll Solo werden

Die Geschäftsführerstelle werde nun ausgeschrieben, heißt es in dem Bericht. Gesucht werde aber nur noch eine Person.

Die Technischen Werke Naumburg bestehen seit 1992. Gesellschafter sind neben der städtischen Kurbetriebsgesellschaft Naumburg/Bad Kösen (51 Prozent) der ostdeutsche Regionalversorger EnviaM (47 Prozent) und die Aachener Stawag (2 Prozent). (aba)

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