Der Beitritt der Deutschen Telekom zum Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas) hat in der Branche gemischte Reaktionen hervorgerufen. "Deutsche Telekom und Buglas eint der langfristige Investitionshorizont beim Glasfaserausbau“, sagt Srini Gopalan, der im Vorstand der Telekom das Deutschlandgeschäft verantwortet. Man wolle den Schulterschluss mit den regionalen Anbietern weiter intensivieren und noch mehr FTTH-Kooperationen für eine zukunftsfähige Digitalisierung schließen.
"So beschleunigen wir gemeinsam mit unseren Partnern den Glasfaserausbau. Und das mit offenen Netzen, die allen Kundinnen und Kunden eine hohe Anbietervielfalt bieten", so Gopalan beim Glasfaser-Partnertag der Telekom in Bonn. Gemeinsam mit Buglas will sich die Telekom weiterhin für schnellere Genehmigungen und alternative Verlegemethoden einsetzen.
Buglas: "Stehen für kooperativen Ansatz"
"Kooperationsmodelle zwischen Netzerrichtern und -Betreibern sind einer der wichtigsten Trends unserer Industrie. Als Buglas stehen wir für einen solchen kooperativen Ansatz, der auf Augenhöhe stattfindet. Die Telekom ist hier sehr aktiv und arbeitet bereits in über vierzig Kooperationen mit regionalen Unternehmen und Stadtwerken zusammen", erläuterte der Buglas-Präsident Theo Weirich, ehemaliger Werkleiter der Stadtwerke Norderstedt und früherer Chef der dortigen Telekommunikationstochter Wilhelm.Tel. Beispiele hierfür sind etwa die Stadtwerke Münster oder Ludwigsburg-Kornwestheim oder das Joint Venture von Telekom und EWE.
Breko: "Buglas verliert Gestaltungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten"
Scharfe Kritik an dem Telekom-Beitritt äußerte indes der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko). „Mit der Aufnahme des Ex-Monopolisten gibt der Buglas seine Identität als Vertreter der Wettbewerberinteressen im Glasfaserausbau auf und wird zum Deutsche-Telekom-Verband“, kommentiert Breko-Geschäftsführer Stephan Albers.
Nach dem Austritt seiner größten Mitgliedsunternehmen begebe sich Buglas nun in die Abhängigkeit des marktbeherrschenden Unternehmens. Unter anderem die großen kommunalen Anbieter Netcologne und M-Net werden laut verschiedenen Fachmedien zum Jahresende aus dem Buglas ausgetreten und sich dem größeren Verband „Arbeitsgemeinschaft für Betrieb und Nutzung von Gemeinschaftsantennen- und -verteileranlagen" (Anga) anschließen. „Damit verliert der Buglas die Möglichkeit, den Telekommunikationsmarkt im Sinne der Wettbewerber mitzugestalten und sich zu den für die Wettbewerber und den flächendeckenden Glasfaserausbau wichtigen Themen zu positionieren“, so Albers weiter.
Das betreffe vor allem die dringend erforderliche Regelung einer wettbewerbskonformen Abschaltung der DSL-Netze – „die sogenannte Kupfer-Glasfaser-Migration, den destruktiv-strategischen Glasfaserdoppelausbau der Telekom sowie die notwendige Wiedereinführung einer Mobilfunk-Diensteanbieterverpflichtung“.
Breko fordert Kooperationen auf Augenhöhe
Auch eine Reihe der mehr als 500 Mitgliedsunternehmen des Breko kooperierten mit der Telekom. „Aber sie können angesichts der übergroßen Marktmacht der Telekom auf einen starken Verband an ihrer Seite zählen, der sich für fairen Open Access und echten Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt einsetzt“. Auch der Breko setze sich für Kooperationen mit der Telekom ein. Doch sie müssten auf Augenhöhe stattfinden und nicht einem „vom marktmächtigen Unternehmen diktierten Modell“ folgen.
VATM: "Große Investoren sollen weiter geschwächt werden"
In die gleiche Kerbe schlägt der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). „Es hört sich gut an – gemeinsam den Glasfaser-Ausbau vorantreiben, Kooperationen nutzen und auf Augenhöhe verhandeln. Die Realität sieht da deutlich nüchterner aus und es verwundert nicht, dass die Telekom sich kleine regionale und allein ohnehin auf Dauer nur selten ausreichend überlebensfähige Partner auserkoren hat“, sagt VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer.
Die großen Investoren in Deutschland sollten offenkundig weiter geschwächt werden, durch unverminderten strategischen Überbau, durch die weitgehende Verweigerung, höherwertige Vorleistungsprodukte per Bitstrom einzukaufen. „Von den kleinen Kooperationspartnern nutzt die Telekom in der Regel nur die Glasfaser, managet den Betrieb lieber selbst und entzieht dem Markt damit strategisch die Wertschöpfung, die die Investoren für einen großflächigen Ausbau benötigen“, kritisiert Ufer. Genau diese Strategie beschleunige nicht etwa den Ausbau insgesamt, sondern verlangsame ihn.
"Bundesnetzagentur muss ein Machtwort sprechen"
Das Angebot der Telekom, dass alle großen Anbieter wie 1&1, Telefónica oder Vodafone ‚huckepack‘ mitgenommen werden, höre sich zwar nett an, sei es aber nicht. Die Vermarktungsquote dieser für den Wettbewerb so wichtigen bundesweiten Zugangsnachfrager auf den Netzen der Telekom sei im Vergleich zu Kupfer-DSL“ katastrophal niedrig“.
„Die Bundesnetzagentur konnte dieser Re-Monopolisierung bislang nichts entgegensetzen. Der Regulierer muss ein Machtwort sprechen und die Regeln für die Vorleistungsprodukte der Zukunft festlegen – auch hier spielt die Telekom ihre Marktmacht aus, zu Lasten der Verbraucherinnen und Verbraucher“, meint der VATM-Geschäftsführer. (hoe)



