Wer sind die zwölf Gasimporteure, die nach eigenen Angaben Ausfälle bei russischen Gaslieferungen verzeichnen und deshalb zu deutlich höheren Kosten nachbeschaffen müssen? Die in der Folge beim Marktgebietsverantwortlichen THE insgesamt Kosten von 34 Mrd. Euro geltend gemacht haben, aus denen dann die Höhe Gasbeschaffungsumlage errechnet wurde?
Am Montag sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, dass die Namen der Unternehmen "kein Geheimnis" seien. Nur ihre Meldungen unterlägen dem Geschäftsgeheimnis.
Uniper, Sefe und VNG
Tatsächlich aber liegen die Namen aller Gasimporteure bis heute nicht vor. Aus gutem Grund, wie das Bundeswirtschaftsministerium auf ZfK-Nachfrage erklärte. "Rein rechtlich gesehen können wir Unternehmensnamen im Zusammenhang mit ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nennen, da es sich hier um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse in Bezug auf ihr operatives Geschäft handelt."
Bekannt ist, dass mit Uniper, der EnBW-Tochter VNG und Sefe, früher Gazprom Germania, die drei mithin größten deutschen Gasimporteure die Umlage in Anspruch nehmen wollen. Mehr als die Hälfte der 34 Mrd. Euro soll dabei allein auf Uniper entfallen, wie Konzernchef Klaus-Dieter Maubach am Mittwoch bekanntgab. (Die ZfK berichtete.) Eine genaue Summe nannte er nicht.
Uniper in großen Nöten
Uniper hatte im ersten Halbjahr einen Verlust von mehr als zwölf Mrd. Euro gemeldet. Zu Sefe liegen keine Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr vor. Das Unternehmen wurde aber mit einem Kredit der staatlichen Förderbank KfW in Höhe von zehn Mrd. Euro gestützt.
Die VNG-Mutter EnBW verdiente im ersten Halbjahr mit 1,4 Mrd. Euro etwas weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Konzern gab dabei auch an, dass nicht mehr erfüllte Bezugsverträge der VNG mit 545 Mio. Euro negativ ausgewirkt. (Die ZfK berichtete.)
RWE und EWE
Auch der Energiekonzern RWE hat sich nach Ministeriumsangaben bei THE listen lassen, teilte dann aber öffentlichkeitswirksam mit, die Umlage nicht in Anspruch nehmen zu wollen. Der Stromriese meldete für das erste Halbjahr einen Nettogewinn von knapp 1,6 Mrd. Euro. Das waren 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Dazu gesellt sich der Oldenburger Regionalversorger EWE. Auf ZfK-Nachfrage erklärte das Unternehmen, dass es einen finanziellen Ausgleich für lediglich drei Monate und in Höhe von weniger als 0,1 Prozent des Gesamttopfes, sprich unter 34 Mio. Euro, beantragt habe.
EWE: Liefervertrag läuft 2022 aus
"EWE deckt aktuell rund 1,5 Prozent seines Erdgas-Beschaffungsportfolios über einen direkten Liefervertrag mit einer Gazprom-Tochtergesellschaft ab", teilte ein Konzernsprecher mit. "Für das vierte Quartal 2022 haben wir die für diesen Zeitraum um mehr als das Zehnfache der vertraglichen Beschaffungskosten liegenden Mehrkosten pro MWh [...] angemeldet." Da der Liefervertrag zum Jahresende auslaufe, habe EWE für die restliche Laufzeit der Umlage keine weiteren Ansprüche geltend gemacht.
Der Oldenburger Energieversorger hat bislang seine Halbjahreszahlen noch nicht vorgestellt.
OMV und Axpo
Wie zuvor das "Handelsblatt" berichtete, wollen auch der österreichische Energiekonzern OMV und Axpo aus der Schweiz die Umlage in Anspruch nehmen. Beide Unternehmen bestätigten dies der ZfK.
Wie hoch die eingereichten Mehrkosten ausfielen, wollte ein OMV-Sprecher nicht verraten.
OMV und Axpo steigern Gewinne
OMV hatte im ersten Halbjahr 2022 auch dank sprudelnder Öleinnahmen seinen operativen Gewinn vor Sondereffekten auf 5,6 Mrd. Euro gesteigert – ein Plus von 156 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Schweizer Konzern antwortete wiederum, dass er sich weniger als ein Prozent der geschätzten Gesamtsumme erwarte. Das Unternehmen sei nur "in geringfügigem Maß" betroffen.
Vitol und Gunvor
Axpo hatte im ersten Semester des Geschäftsjahres 2021/21, das am 1. Oktober begann, das Ergebnis nahezu verdoppelt – auf 1,1 Mrd. Schweizer Franken (heute in etwa 1,1 Mrd. Euro). Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben die größte Produzentin erneuerbarer Energien, ist aber auch im Erdgasgeschäft aktiv.
Damit wären zumindest sieben der zwölf Gasimporteure namentlich bekannt. Das "Handelsblatt" nennt noch zwei weitere Konzerne, die Anträge bei der THE gestellt hätten: die weltweit führenden Rohstoffhändler Vitol und Gunvor, die beide unter anderem einen Sitz im schweizerischen Genf haben. Die Zeitung beruft sich auf Branchenkreise. Demnach wollte sich Vitol nicht offiziell äußern. Gunvor bestätigte lediglich, dass es Gas nach Deutschland liefere.
Weltweit führende Rohstoffhändler
Vitol handelt vor allem mit Öl- und Gasprodukten. Nach eigenen Angaben betrug der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr 279 Mrd. US-Dollar (278 Mrd. Euro). Der Gewinn belief sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters auf vier Mrd. US-Dollar (vier Mrd. Euro).
Gunvor ist ein Konkurrent von Vitol. Zum Konzern gehört beispielsweise die Ölraffinerie bei Ingolstadt. Der Konzern meldete für das erste Halbjahr einen Nettogewinn von 841 Mio. US-Dollar – eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Russischer Oligarch als Gründer
Gunvor wurde 1997 vom schwedischen Unternehmen Torbjörn Törnqvist und dem russischen Oligarchen Gennadi Timtschenko gegründet. Wenige Wochen nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine verkaufte Timtschenko nach Unternehmensangaben seine Anteile an seinen Partner. Zuvor hatten die USA neue Sanktionen gegen den Oligarchen verhängt. (aba)



