Auch der Leipziger Gaskonzern VNG zieht seine Konsequenzen aus dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Das Unternehmen, das mehrheitlich dem Energiekonzern EnBW gehört, hat offenbar Staatshilfen beantragt, wie das "Handelsblatt" zuerst berichtete.
"Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, ist VNG in Kontakt mit den zuständigen Stellen der Bundesregierung und den Verbänden", teilte der Konzern auf ZfK-Anfrage mit.
KfW-Milliarden für Leag
Zuvor hatte die "Welt am Sonntag" aus Finanzkreisen erfahren, dass nach dem Versorger Uniper ein zweites Energieunternehmen wegen Liquiditätsengpässen staatliche Hilfe erhalten habe. Nach Informationen des "Handelsblatts" handelt es sich hierbei um den Energiekonzern Leag, dem vier große Braunkohlekraftwerke in Ostdeutschland gehören. Zudem betreibt das Unternehmen zwei Gasturbinenkraftwerke, die zur Kapazitätsreserve Deutschlands gehören. Der Konzern ist nach RWE und EnBW der drittgrößte Stromerzeuger bundesweit.
Leag soll ein Darlehen von 5,5 Milliarden Euro mit kurzer Laufzeit bekommen haben. Es sei einer der höchsten Kredite, den die staatliche Förderbank KfW bislang an Unternehmen vergeben habe.
VNG einer der größten Erdgasimporteure
Die Lage sei kritisch gewesen, schreibt das "Handelsblatt" und beruft sich auf mit den Vorgängen vertrauten Branchenkreisen. So einen Notfall habe es auf dem deutschen Energiemarkt noch nicht gegeben.
VNG mit Sitz in Leipzig zählt zu Deutschlands größten Erdgasimporteuren und Speicherbetreibern. Allein im Geschäftsjahr 2020 bezog das Unternehmen von russischen Partnern im Rahmen langfristiger Liefervereinbarungen etwa 57 Mrd. kWh Erdgas. Zum Vergleich: Die Mengen aus dem zweitwichtigsten Lieferland Norwegen beliefen sich zum selben Zeitraum auf etwa 10 Mrd. kWh.
Risiken gestiegen
Die Risiken für den Konzern sind seit Beginn des russischen Angriffes auf die Ukraine erheblich gestiegen. Die Großhandelspreise befinden sich auf Rekordniveau. Zudem herrscht große Unsicherheit über künftige Gaslieferungen aus Russland. Ferner bereitet die ungünstige Entwicklung des Sommer-Winter-Spreads Sorgen, was die Wirtschaftlichkeit der konzerneigenen Gasspeicher gefährdet. Zuletzt könnten auch massive Sanktionen des Westens gegen Russland das VNG-Geschäft beeinträchtigen.
Die Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb und die Risikolage seien "zwar außergewöhnlich und herausfordernd, aber beherrschbar", teilt der Konzern mit. "Auch den erhöhten Liquiditätsbedarf aus den extremen Marktbewegungen an den Energiebörsen in letzter Zeit konnte VNG aus einer soliden Finanzlage heraus erfüllen."
KfW-Milliarden für Uniper
Für die Zukunft sei jedoch nicht völlig auszuschließen, dass sich Entwicklungen ergäben, die die "aktuell komfortable Finanzsituation der VNG stark beanspruchen könnten".
Bereits vor der Eskalation der Ukraine-Krise hatte sich Energiekonzern Uniper von der staatlichen Förderbank KfW einen Milliardenkredit gesichert. Wie VNG importiert auch Uniper einen Großteil seines Erdgases aus Russland. Beide gelten als wichtige Vorlieferanten für Stadtwerke und andere Versorger.
Problemfall Unipro
Uniper ist über seine Kraftwerkstochter Unipro zudem in Russland selbst aktiv. Der Veräußerungsprozess von Unipro wurde Ende vergangenen Jahres angestoßen, wegen des Ukraine-Kriegs aber gestoppt.
Überdies beteiligte sich Uniper an der Finanzierung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, deren Genehmigungsverfahren von der deutschen Bundesregierung auf Eis gelegt wurde. Mittlerweile hat der Konzern verkündet, dass das Darlehen von knapp einer Milliarde Euro inklusive Zinsen vollständig abgeschrieben werde. Auch andere an der Pipeline beteiligte Investoren wie Wintershall Dea hatten sich zu diesem Schritt entschlossen. (aba)



