Vattenfall blickt auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr zurück.

Vattenfall blickt auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr zurück.

Bild: © Jens Kalaene/dpa

Von Artjom Maksimenko

Vattenfall Hamburg und der britische Entwickler und Betreiber von Speicheranlagen Terralayr haben einen Nutzungsvertrag von Batteriespeichern mit einer Gesamtleistung von 55 Megawatt unterzeichnet. Die Anlagen sind in ganz Deutschland verteilt und werden im Rahmen eines sogenannten "Multi-Asset Capacity Toll" über eine Flexibilitätsplattform gebündelt.

Einen Teil dieser Kapazität steuert anschließend Vattenfall in Hamburg über einen langfristigen Abnahmevertrag und optimiert sie im Energiehandel, teilten die Unternehmen mit. "Tolling" bedeute in dem Kontext, dass Vattenfall die Kapazität von Terralayr für einen Fixpreis "mietet".

Langfristiger Abnahmevertrag

Der Vertrag hat eine Laufzeit von sieben Jahren und umfasst 55 Megawatt Leistung aus acht Anlagen, die sich allesamt in Deutschland befinden. Diese gehören zum Terralayr-Portfolio, das mehrere hundert Megawatt umfasst. Der Abnahmevertrag zeigt, wie sich Speicherflexibilität ohne eigene Hardwareinvestitionen effizient skalieren lässt. Vattenfall sieht diesen Abschluss als ein Modell mit Signalwirkung für die noch junge Batteriespeicherindustrie und die Dekarbonisierung des Energiesystems insgesamt. Der operative Start für die Nutzung der Energiekapazität aus mehreren Anlagen ist für Ende 2025 geplant.

Vermarktungsmodell für kleinere Batteriespeicher?

Das virtuelle Speicherportfolio soll dabei physische Einzelprojekte ersetzen. Der Vertrag basiere dabei auf gebündelten Kapazitäten von mehreren dezentralen Großbatterien. Diese innovative Struktur ermöglicht es erstmals, auch kleinere Batteriespeicher in großvolumige Tolling-Vereinbarungen einzubinden – ein Schritt, der mit herkömmlichen Modellen bislang kaum umsetzbar war. Für Speicherinvestoren und -betreiber bringt die Bündelung der Assets und anschließende langfristige Vermarktung stabile Umsätze und erhöht somit die Finanzierbarkeit, was den Ausbau von Speichern in Deutschland insgesamt fördert, argumentieren die Vertragspartner.

Mit dem wachsenden Erneuerbarenanteil im Energieerzeugungsmix hält der Trend für flexible Batteriespeicher an. Die dezentrale Organisation solcher Speicher als vernetztes System ermöglicht es, regionale Unterschiede im Stromangebot auszugleichen und flexibel auf Preissignale zu reagieren.

Energieunternehmen wie Vattenfall sehen darin die Option für eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen und eine präzisere Steuerung von Angebot und Nachfrage, insbesondere durch die Integration in automatisierte Handelsprozesse. "Auf diese Weise reduzieren wir die Kosten für Ungleichgewichte in unserem Portfolio und können Flexibilität immer dann bereitstellen, wenn sie dem Strommarkt den größten Nutzen bringt", so Honey Duan, die bei Vattenfall die Vermarktung von Strom aus Großbatterien leitet.

Strategische Vorteile

In der Partnerschaft mit Terralayr sieht Vattenfall auch strategische Vorteile: Sie erleichtert die Integration erneuerbarer Energien, reduziert Netzbelastungen und verbessert die Marktstabilität. Dabei übernimmt Terralayr Entwicklung und Betrieb der Speicher und stellt sie über eine zentrale, cloudbasierte Plattform zur Verfügung. Über eine standardisierte Schnittstelle (API) können Energieversorger wie Vattenfall direkt auf die Flexibilität zugreifen, ohne eigene Infrastruktur betreiben zu müssen. Dieses Modell senkt Integrationshürden und macht Batteriespeicher wirtschaftlich besser nutzbar.

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