Von Pauline Faust
Die Klimaziele wirken sich auch auf die Start-up-Welt aus. "Die Nachfrage nach innovativen Energielösungen übersteigt derzeit deutlich das Angebot", berichtet Martin Richter. Der COO der Spinlab Group betreut bei dem Start-up-Accelerator die Energiethemen. Im Januar hat Spinlab zwei neue Start-ups aus der Energiebranche in sein Förderprogramm aufgenommen. Die Unterstützung werden die Unternehmerinnen und Unternehmer gut gebrauchen können.
Die Finanzierung von neuen Lösungen gestalte sich im Energiebereich nicht immer einfach, berichtet Richter. Besonders wenn es um technologie- und datenbasierte Lösungen ginge, schätzten Investoren Risiken höher ein. Allgemein sei die Finanzierungssituation für Start-ups – unabhängig der Branche – in den vergangenen zwei Jahren anspruchsvoller geworden.
"Der Erfolg von Start-ups und innovativen Produkten hängt stark von der Akzeptanz in den Unternehmen ab", sagt Richter. "Fremdkapital wird häufig erst dann eingesammelt, wenn durch erste Erfolge nachgewiesen ist, dass ein Modell funktioniert."
"Venture Clienting": Wenn Kunden früh gewonnen werden
Gute Auftragsbeziehungen könnten hierbei als stabilisierende Faktoren dienen, da sie Finanzierungslücken durch Einnahmen schließen und die Basis für Vertrauen schaffen.
Beim Prinzip des "Venture Clienting" arbeiten Start-ups bereits in der Startphase mit Kunden zusammen, statt auf Finanzspritzen zu hoffen: "Testfelder und erste Pilotierungen bieten die Möglichkeit, innovative Lösungen auf ihre Praxistauglichkeit zu prüfen, ohne sofortige große Investitionen zu erfordern", sagt Richter. "Dadurch entsteht eine Win-Win-Situation: Energieunternehmen profitieren von neuen Ansätzen, während Start-ups ihre Produkte unter realen Bedingungen optimieren können."
Gerade für Start-ups, die nicht an große Unternehmen gebunden sind, stelle die Akzeptanz ihrer Produkte eine Herausforderung dar. "Hier ist die Energiebranche gefragt, Gesprächsbereitschaft und Offenheit zu zeigen, um neuen Ansätzen eine Chance zu geben", so Richter.
Hier spielt ein Partner des Spinlabs eine entscheidende Rolle: "Die Energieforen Leipzig sind ein Schlüsselpartner – mit ihrer methodischen Expertise treiben sie Innovationen in der Energiewirtschaft maßgeblich voran", sagt Richter. Durch Netzwerkveranstaltungen und Weiterbildungsangebote trügen sie dazu bei, wichtige Impulse zu setzen und die Start-ups bekannt zu machen.
"Unsere Partnerschaft ermöglicht es uns, Geschäftsmodelle zu befähigen und sie deutschlandweit übergreifend in Zusammenarbeit mit Energieunternehmen sowie deren Kunden umzusetzen."
Der Erneurbarenausbau als Innovationstreiber
Besonders das Geschäft rund um Flexibilitäten am Strommarkt und den Erneuerbarenausbau interessiert Gründerinnen und Gründer derzeit. Hier bieten auch die beiden Energie-Start-ups, die neu in das Förderprogramm vom Spinlab aufgenommen wurden, Lösungen an.
"Regryd" entwickelt Langzeithochtemperaturspeicher, die recycelte Materialien nutzen, um überschüssige Wind- und Solarenergie sowie industrielle Abwärme zu speichern, die Energieversorgung zu stabilisieren und Verluste zu vermeiden. Bereits sieben Mitarbeitende hat das junge Unternehmen.
Das Team von "Blindleister" aggregiert die lokale Blindleistung von erneuerbaren Energieparks und optimiert durch die Kombination von Wind, Solar und Batterien die Netzstabilität. Dies soll helfen, erneuerbare Energien effizienter in Stromnetze zu integrieren.
Prozessoptimierung im Fokus
"Im Softwarebereich setzen sich zunehmend flexible, kosteneffiziente Lösungen durch", erklärt Richter. "Neben der Energiewirtschaft sucht vor allem die Bauwirtschaft intensiv nach Wegen, ihre Prozesse zu optimieren – mit dem Ziel, schneller, wirtschaftlicher und qualitativ hochwertiger zu bauen."
Eine klare Entwicklung zeichne sich ab: "Trotz breit gestreuter Branchenbeteiligung dominieren KI-softwarebasierte Lösungen besonders in den Prozessabläufen der Energieversorger", sagt Richter.



