Anew Climate zählt zu den weltweit führenden Vermarktern für Biomethan und Carbon-Removal-Lösungen. Mit über 20 Jahren Erfahrung ist das Unternehmen nach eigenen Angaben ein Pionier auf dem nordamerikanischen Markt und baut seine Präsenz in Europa weiter aus. Vor kurzem hat Anew Climate sein Biomethangeschäft in Deutschland mit Hauptsitz in München ausgeweitet. Für Bekanntheit hierzulande sorgte aber vor allem die strategische Vereinbarung mit dem insolventen Biomethanhändler Landwärme. Im Interview mit der ZfK sprach Max Göbel, Vice President Sales & Origination bei Anew Climate, über die Schieflage beim THG-Quotenhandel und den politischen Rahmen für Biomethan in Deutschland.
Herr Göbel, sowohl der THG-Quotenhandel als auch das CNG-Tankstellennetz durchleben gerade sehr schwierige Phasen. Welche Erwartungen verbindet Ihr Unternehmen mit dem Einstieg in diesen Geschäftsfeldern?
Trotz aller Herausforderungen sehen wir positive Aussichten für Biomethan im Kraftstoffmarkt: Die politische Unterstützung für die Bioenergie bleibt bestehen, das zeigte sich auch in den Sondierungsergebnissen von Union und SPD. Zudem steigt die THG-Quote bis 2030 weiterhin an, das ist gesetzlich festgeschrieben, schafft Marktpotenzial und einen Anreiz für mehr Biomethan im Verkehr. Auch in der bevorstehenden Umsetzung der RED-III-Richtlinie sehen wir Chancen auf zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten für den Biomethanmarkt in diesem Segment. Mit unserer langjährigen Erfahrung im nordamerikanischen Biomethan- und Kraftstoffmarkt wollen wir dabei den deutschen Markt aktiv mitgestalten und wieder Verlässlichkeit in den Markt bringen.
Das CNG-Tankstellennetz ist in seiner Dichte seit 2016 rückläufig. Warum glauben Sie, dass Biomethan hier bessere Chancen hat?
Tatsächlich ist der Gesamtabsatz von CNG in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben. Der konzentriert sich vor allem auch auf einzelne, aber absatzstarke Tankstellen, die vorrangig lokale CNG-Lkw-Flotten versorgen. Ein Teil davon wurde sogar extra neu errichtet. Das zeigt, dass CNG auch künftig eine wichtige Rolle im Gütertransport spielt – insbesondere natürlich in Form von grünem Bio-CNG.
Insgesamt glauben wir daher weiterhin an den deutschen CNG-Markt – unter der Voraussetzung, dass die politischen Maßnahmen zur Eindämmung des Betrugs am THG-Quotenmarkt konsequent umgesetzt werden und greifen. Schließlich kann Biomethan als besonders nachhaltiges Bio-CNG den Schwerlastverkehr schnell und effizient defossilisieren.
Der THG-Quotenhandel wurde wegen illegaler Manipulationen erheblich beeinträchtigt und brachte unter anderem Landwärme in die finanzielle Schieflage. Welche Rahmenbedingungen finden Sie aktuell vor?
Politisch hat die Bundesregierung mit dem steigenden THG-Quotenpfad zunächst klare Klimaziele definiert und damit einen – unter normalen Umständen – planbaren Korridor gesetzt. Das Marktumfeld ist allerdings derzeit durch die Betrugsfälle gestört. Aber: Die Politik hat erste Maßnahmen zur Marktstabilisierung umgesetzt, darunter die Aussetzung der Quotenübertragung für 2025 und 2026 sowie die Abschaffung von UER (Upstream Emission Reduction) als Erfüllungsoption. Diese Schritte zeigen erste Wirkungen und bringen eine vorsichtige Stabilisierung der Quotenpreise.
Es bleibt entscheidend, dass die Politik weiterhin für einen verlässlichen Rahmen sorgt. Dafür versprechen die Koalitionsverhandlungen und die jüngsten Anzeichen auf EU-Ebene Fortschritte in Sachen Betrugsprävention – Entwicklungen, die eine weitere Erholung des Marktes in Aussicht stellen.
Mit Blick auf den Markt ist festzustellen, dass Insolvenzen den Markt belasten und zu Verunsicherung führen. Hier setzen wir mit einem transparenten Modell an: Wir wollen damit Risiken minimieren und nachhaltig Stabilität im Markt schaffen.
Apropos Landwärme: Den Einstieg von Anew Climate im deutschen Biomethanmarkt verbindet die Öffentlichkeit mit dem Kooperationsvertrag mit dem insolventen Biomethanhändler. War dieser Vertrag für Ihren Markteinstieg in Deutschland hilfreich oder eher belastend?
Unser Einstieg in den deutschen Biomethanmarkt ist Teil unserer europäischen Wachstumsstrategie und erfolgte unabhängig von der Situation von Landwärme. Seit 2022 sind wir mit Anew in Europa aktiv, bislang mit Fokus auf Carbon Removals. In Deutschland starten wir nun mit einem klaren Fokus auf den Aufbau eines stabilen und nachhaltigen Biomethanmarkts – mit neuen Partnerschaften und innovativen Geschäftsmodellen.
Wie genau sieht dieser Deal mit Landwärme aus und worauf müssen sich die betroffenen Kunden einstellen?
Die beiden Unternehmen haben eine strategische Vereinbarung geschlossen, nach der Anew die Erfüllung der von Landwärme fortgeführten Verträge sicherstellt. Das bedeutet konkret, dass Anew als Ansprechpartner für die Vertragsparteien agieren wird. Anew wird zudem die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, um die Biomethanbeschaffung sicherzustellen und sorgt so für Stabilität in der Belieferung.
Was will ihr Unternehmen im THG-Quotenhandel anders machen als Landwärme?
Die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass flexiblere Modelle einen risikobewussteren Umgang mit dem aktuellen Marktumfeld ermöglichen. Indem wir uns zum Beispiel an der Entwicklung öffentlich verfügbarer THG-Quotenpreise orientieren, stellen wir sicher, dass Kunden potenzielle Erlöse jederzeit im Blick haben und fundierte Risikobewertungen vornehmen können. Unser Ziel ist es, durch transparente Strukturen mehr Stabilität und Vertrauen in den Markt zu bringen.
Wir wollen der Partner für Biogas- und Biomethanerzeuger sein und Anlagenbetreiber dabei unterstützen, ihr Gas zu vermarkten
Wo sieht Anew Climate die Schwerpunkte seiner Strategie in Deutschland?
Wir wollen unser über 20-jähriges Biomethangeschäft nun auch in Deutschland und Europa ausbauen und aktiv den Markt mitgestalten. Das bedeutet: Wir wollen der Partner für Biogas- und Biomethanerzeuger sein und Anlagenbetreiber dabei unterstützen, ihr Gas zu vermarkten. Dabei verknüpfen wir die Erzeugung mit dem Einsatz: Wir erarbeiten mit Stadtwerken, CNG- und LNG-Tankstellen sowie Energieversorgern nachhaltige Biomethanlösungen für alle Einsatzbereiche.
Darüber hinaus ist der Bereich Carbon Removal ein zentrales Geschäftsfeld von Anew Climate weltweit. Unser Team in Deutschland fokussiert sich jedoch primär auf den Aufbau des Biomethangeschäfts.
Welche Auswirkungen hat der Trend zur Zurückstellung von Klimaschutzprioritäten auf diese Strategie?
Klimaschutz bleibt ein zukunftsweisendes Thema und ist auch langfristig auf der politischen Agenda zu finden. Auch auf EU-Ebene sind einige Vorhaben in der Pipeline. Die sind langfristig auch in nationales Recht zu übersetzen. Die anhaltende politische Unterstützung für Bioenergie der neuen Koalition setzt für uns ein klares Signal.
Es bedarf schließlich eines pragmatischen Ansatzes, um Nachhaltigkeit mit wirtschaftlicher Bezahlbarkeit zu vereinen. Biomethan leistet dabei einen essenziellen Beitrag – nicht nur zur Emissionsreduktion. Biomethan liefert auch Lösungen für zahlreiche gesellschaftlich relevante Themen wie zur Stärkung der lokalen Wirtschaft, der Kreislaufwirtschaft, der Mobilitätswende sowie zur Sicherung der Energieversorgung.
Plant Anew Climate weitere Kooperationen oder Übernahmen in Deutschland? Welchen Fokus haben Sie hier?
Unser Fokus liegt darauf, unser Geschäft im deutschen Biomethanmarkt unabhängig aufzubauen. Dabei wollen wir gemeinsam mit unseren Partnern Stabilität und Verlässlichkeit im Markt wiederherstellen, um den Biomethanmarkt nachhaltig zu stärken und zukunftsfähig zu gestalten.
Das Interview führte Artjom Maksimenko



