Später als andere Grundversorger heben die Stadtwerke Karlsruhe ihre Gaspreise an.

Später als andere Grundversorger heben die Stadtwerke Karlsruhe ihre Gaspreise an.

Bild: © Stadtwerke Karlsruhe

Von Hans-Peter Hoeren

Bürgerbeteiligungsmodelle sind ein kleiner Baustein bei der Finanzierung der Energie- und Wärmewende vor Ort. Glaubt man den Verlautbarungen vieler kommunaler Versorger werden sie im künftigen Finanzierungsmix aber an Bedeutung gewinnen. Oft basieren diese Finanzierungen auf Nachrangdarlehen oder aber Genussrechten, die Ausgabe ist also mit einem gewissen administrativen und regulatorischen Aufwand verbunden. Die Stadtwerke und die Sparkasse Karlsruhe haben sich jetzt für eine praktikabler scheinende und schneller handhabbare Alternative entschieden.

Interessierte Bürgerinnen und Bürgern aus der Region können ab sofort ihr Geld bei der Sparkasse Karlsruhe anlegen und damit in den Ausbau der Karlsruher Fernwärme investieren. Die Anlageform ist ein Festgeld mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Zinssatz von 2,5 Prozent pro Jahr. Angelegt werden können Beträge zwischen 1.000 und 25.000 Euro. Die Sparkasse wiederum stellt den Stadtwerken Karlsruhe ein Darlehen in Höhe der Kundeneinlagen zur Verfügung. Dieses soll in die Finanzierung des weiteren Fernwärmeausbaus in Karlsruhe fließen.

Fernwärme in Karlsruhe soll bis 2035 vollständig grün sein

Das Karlsruher Fernwärmenetz ist mehr als 230 Kilometer lang und versorgt über 45.000 Haushalte und Gewerbebetriebe. In Zukunft sollen 50 Prozent  aller Wärmeabnehmer in Karlsruhe mit grüner Fernwärme versorgt werden. Die Karlsruher Fernwärme stammt aktuell zu 60 Prozent aus industrieller Abwärme. Bis 2035 wollen die Stadtwerke Karlsruhe die Fernwärme komplett dekarbonisiert haben.

"Mit diesem Angebot zeigen wir, wie regionale Geldanlagen und nachhaltige Projekte erfolgreich Hand in Hand gehen können. Bürgerinnen und Bürger haben so die Möglichkeit, direkt in die Zukunft der Wärmeversorgung Karlsruhes zu investieren", sagt Michael Homann, Geschäftsführer der Stadtwerke Karlsruhe.

Stadtwerke Heidelberg setzen auf Genussrechte

Eine finanzielle Bürgerbeteiligung an Wärmewendeprojekten ist in der Branche bisher eher noch eine Ausnahme. Im Frühjahr hatten die Stadtwerke Heidelberg unter dem Namen "Heidelberg Klima-Invest" eine entsprechende Beteiligung angeboten, die in kürzester Zeit überzeichnet war.

Der Fokus dieser Emission lag auf einer innovativen Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (iKWK-Anlage) im Energiepark Pfaffengrund, die mit großen Luft-Wasser-Wärmepumpen den Anteil erneuerbarer Energien an der Fernwärme in Heidelberg und Eppelheim weiter erhöht hat. Hier wurde die Anlageform eines Genussrechts gewählt, das gleichzeitig das Eigenkapital stärkt. Die Laufzeit liegt ebenfalls bei fünf Jahren, der Zinssatz je nach Anleger zwischen 4,5 und 4,25 Prozent.

Die Kommunalwirtschaft steht vor gewaltigen Investitionsherausforderungen im Rahmen der Energie- und Wärmewende. Da die Innenfinanzierungskraft und das Eigenkapital hierfür allein nicht ausreichen werden, gewinnen alternative Finanzierungsmodelle an Bedeutung, auch der Zugang zu privatem Kapital. In der Titelgeschichte der Januarausgabe der ZfK wurden hierzu jüngst zwei Finanzierungsmodelle vorgestellt, ein so genannter "Stadtwerke-Fonds" und eine Initiative der Energieforen Leipzig für einen Eigenkapitalfonds, aus dem Anlagegelder von Versicherungen in Stadtwerke fließen können.   

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