Gerade für kleinere Stadtwerke ist die Erschließung von zusätzlichem Eigenkapital über private Investoren eine Herausforderung. Oftmals geht es um kleinere Losgrößen von drei oder fünf Millionen Euro – Versicherungen und Pensionskassen investieren aber beispielsweise erst ab einem Betrag von 25 Millionen Euro.
Um diese beiden Welten zusammenzubringen, legen die Energieforen gemeinsam mit Partnern voraussichtlich im Juni kommenden Jahres einen Eigenkapitalfonds auf. Getragen wird dieser von der in diesem Monat gegründeten Gesellschaft "Finance Connect".
"Im ersten Schritt wird der Fonds mit 250 Millionen Euro ausgestattet sein, die in Tranchen von 2,5 bis 25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden", verdeutlicht Tobias Frevel, Geschäftsführer der Energieforen Leipzig. Bei entsprechender Nachfrage kann der Fonds weiter aufgestockt werden. Das Geld stammt von deutschen Versicherungen, öffentlich rechtlichen Instituten und Pensionskassen.
Das Geld wird in Form von eigenkapitalähnlichem Mezzanine-Kapital zur Verfügung gestellt. Das Eigenkapital des jeweiligen Fondszeichners wird also gestärkt, was gleichzeitig den Hebel für die Aufnahme möglicher Bankenkredite erhöht.
"Für viele Assets muss man Projektgesellschaften gründen"
"Um die Anlagerisiken zu isolieren und tragfähige Kapitalkosten für die Versorger sicherzustellen, wird man versuchen müssen, für viele Assets entsprechende Projektgesellschaften zu gründen", verdeutlicht Frevel. Das gelte insbesondere für Netzinfrastrukturen, etwa im Wärme- und Strombereich.
Nur so ließen sich die Eigenkapitalkosten auf einem akzeptablen Niveau halten. Sowohl von Investoren- als auch von Branchenseite gebe es Interesse. Beide Seiten betreten hier Neuland. Im kommenden Jahr müsse sich nun zeigen, wie gut das Angebot angenommen wird. Für das abgelaufene und das nächste Geschäftsjahr erwartet Frevel vielfach deutlich rückläufige Ergebnisse in der Kommunalwirtschaft. Das enge auch die Chancen, Gewinne im Stadtwerk zu halten, deutlich ein. "Spätestens ab 2026 werden viele Stadtwerke die nötigen Investitionen nicht mehr in Eigenfinanzierung machen können."
Neben der Eigenkapitalbereistellung wird Finance Connect bereits ab Januar eine Finanzierungsberatung anbieten zusammen mit dem Partner Pine Valley Capital. "Hier geht es darum, kommunale Energieversorger und entsprechende Projekte so aufzustellen, dass sie kapitalaufnahmefähig sind für neue externen Finanzierer", verdeutlicht Frevel.
Tobias Frevel, Geschäftsführer Energieforen Leipzig
Diese wollen nicht in ein breit aufgestelltes Stadtwerk mit defizitären Bereichen und einer hohen Komplexität investieren. Im Fokus stünden vielmehr einzelne Assets, die eine gewisse Rendite garantierten. "Der Trend wird künftig viel stärker von der Unternehmens- in die Projektfinanzierung gehen. Hier muss sich die Branche noch viel stärker öffnen und Projektgesellschaften gründen und bereit sein, hier auch externe Partner mit an Bord zu nehmen." Ein Einstieg des Investors im Stadtwerk oder aber ein weitergehender Einfluss über Stimmrechte seien hierfür nicht erforderlich.
Das gelte gerade auch für den Netzbereich. Auch für zahlreiche kleinere Stadtwerke, die vielfach bisher alle Geschäftsfelder in einem Unternehmen gebündelt hätten, könne eine solche Ausgründung der Netze in einer eigenständigen Gesellschaft Vorteile bei der Finanzierung bringen und diese Assets für externe Investoren investierbar machen. Das gelte sowohl in Teilen für die bestehende als auch neu aufzubauende Netzinfrastruktur.
"Wenn ein kleines Stadtwerk eine Netzgesellschaft gründet und diese mit einem gewissen Eigenkapital ausstattet, eröffnet das zudem neue Optionen, um zusätzliches Fremdkapital aufzunehmen." Das schaffe einen ganz anderen wirtschaftlichen Rahmen, der in sich anders finanzierbar sei als der bisherige.
Nachhaltigkeitsdaten werden wichtiger
Grundsätzlich müssten Stadtwerke jetzt eine klare Finanzierungsstrategie entwickeln und dies über deutlich längere Zeiträume als bisher, sprich über zehn Jahre oder mehr. "Es geht darum, entsprechende Strukturen zu schaffen, die die Stadtwerke die Lage versetzen, über einen längeren Zeitraum die benötigten Gelder aufzunehmen."
Hier müsse sich die Branche noch deutlich bewegen mit Blick auf die Anforderungen institutioneller Anleger. Die Bereitstellung von Nachhaltigkeitsberichten und -daten für das ESG-Reporting der Anleger sei hier ebenso unerlässlich wie die Bereitschaft, höhere Kapitalkosten zu akzeptieren.
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