Die Stadt Mannheim strebt bis 2030 Klimaneutralität an und hat das Ziel auch im kommunalen Wärmeplan festgehalten. Demnach sollen Fernwärme und Wärmepumpen als die vorrangigen Heizungsformen für Privat- und Gewerbekunden in Mannheim gelten.
Zum einen sieht der Plan Wärmelösungen für private Haushalte und Gewerbe in Form von Fernwärme und Wärmepumpe vor. Fossiles Gas stellt hingegen keine Option für die Wärmeversorgung von Privathaushalten dar.
Aus Sicht von MVV bildet Wärmewende einen zentralen Hebel, um die von EU, Bund, Land und Kommune gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen. Für die Umsetzung dieser Ziele hat MVV das sogenannte Mannheimer Modell entwickelt und 2021 erstmals vorgestellt. Teil dieses Modells, mit dem das Energieunternehmen bis 2035 klimapositiv werden will, ist der Umstieg von fossilen Energieformen auf eine CO2-freie Wärmeerzeugung.
Die Fernwärmeversorgung in Mannheim will der Konzern bis 2030 vollständig vergrünen und plant zudem einen Neuanschluss von etwa 10.000 Gebäuden. Eine wichtige Rolle auf dem Weg zu diesem Ziel bilde die frühe Kommunikation und Austausch mit den Kunden. Darauf setze MVV neben der intensiven Beratung zu Planung, Installation, Förderung und Finanzierung, um mögliche Fehlentscheidungen beispielsweise beim Heizungstausch zu vermeiden. "Wir führen außerdem in engem Schulterschluss mit der Stadt Mannheim und vielen anderen Partnern, wie etwa dem Handwerk, im gesamten Stadtgebiet Informationsabende durch", erläuterte ein MVV-Sprecher im Gespräch mit der ZfK.
Fossile Gase ohne Zukunft
Aus Sicht von MVV bildet fossiles Gas dagegen keine Option für die Wärmeversorgung von Privathaushalten. Bei dieser Einschätzung verweist der Konzern auch auf viele anderen kommunalen Wärmepläne Baden-Württembergs, wie das Ifeu-Institut im Auftrag der Landesregierung Baden-Württemberg ermittelt hat.
Ebenfalls keine Zukunft in den Plänen zur Wärmeversorgung von Gebäuden haben laut MVV Biomethan und Wasserstoff, die "entgegen früheren Annahmen in der Gebäudeheizung in der Breite nicht zur Verfügung stehen werden", sagte ein Unternehmenssprecher der ZfK. Die Mengen würden zu niedrig und die Kosten zu hoch sein.
Dies werde sich mittelfristig auch nicht ändern, da der verfügbare Wasserstoff vor allem industriellen Anwendungen einschließlich den Kraftwerken vorbehalten sein wird. "Deshalb hat auch ein bisher für konventionelles Gas genutztes Niederdrucknetz regelmäßig keine langfristige Perspektive für Heiz- oder Kochzwecke mehr."
Ende der Gasnetze 2035
Weil MVV die fossil befeuerten Gasheizungen nicht mehr für nachhaltig und zukunftsorientiert hält, hat dies weitrechende Folgen für die Gasnetzinfrastruktur. Der vermeidbare CO2-Ausstoß bei Transport und Nutzung von Erdgas, aber auch die rückläufige Zahl der Gasverbraucher sprechen dafür, dass die Gasnetze perspektivisch keine Zukunft mehr haben.
MVV strebt daher an, das Gasnetz bis 2035 stillzulegen und empfiehlt seinen Kundinnen und Kunden, sich frühzeitig um alternative Heizformen zu kümmern. Bereits 2021 hatte das Unternehmen seine Kunden darauf hingewiesen, ab 2035 keine Produkte und Dienstleistungen auf fossiler Basis mehr anzubieten.
Hilfreiche "Kanu 2.0"
Seit Anfang August 2024 ist das Gasbinnenmarkt-Paket der EU in Kraft, das den europäischen Rahmen zur Gestaltung der Zukunft der Gasnetze setzt. Es muss bis Juli 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden und verpflichtet unter anderem Gasverteilnetzbetreiber dazu, Stilllegungspläne zu entwickeln, wenn die Gasnachfrage absehbar sinken wird.
Dieser Fall tritt bereits nicht nur in Mannheim auf. Die Bundesnetzagentur hat im August mit einer Festlegung zur Anpassung von kalkulatorischen Nutzungsdauern und Abschreibungsmodalitäten von Erdgasleitungen (Kanu 2.0) reagiert. Sie ermöglicht den Betreibern, ihre Gasnetze bereits bis 2035 abzuschreiben – abhängig von gesetzlichen oder kommunalen Vorgaben. "Wir begrüßen diese Reaktion der Bundesnetzagentur auf die Veränderungen an den Märkten. Unsere Tochtergesellschaft MVV Netze nutzt demzufolge auch diese Möglichkeit", sagte der Sprecher weiter.
Während das Aus für die fossilen Gase im privaten Gebäudesektor beschlossene Sache zu sein scheint, bleibt die Frage nach der Gasversorgung von Industrie und Gewerbe, was ohne die Infrastruktur erschwert wird. "Mit unseren Geschäftskunden, die an das Hochdrucknetz angeschlossen sind, sind wir seit langem im Austausch zu kundenseitigen Nutzungsmöglichkeiten von Alternativen und ihrer Verfügbarkeit", sagte der MVV-Sprecher.
Darüber hinaus unterstütze MVV die Kunden bei Analyse, Planung, Umsetzung und Betrieb im Rahmen eines individuellen Energiekonzepts, das auf ihre jeweiligen Prozesse und Bedürfnisse ausgerichtet ist. Dies schließe auch Contracting-Optionen ein. Bereits jetzt würden MVV-Geschäftskunden, die ihre CO2-Emissionen reduziert haben, von Kostenvorteilen profitieren und würden unabhängiger vom Marktgeschehen agieren. Diesen Weg wolle MVV gemeinsam mi den Partnern und Kunden weiter gehen, "um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden und des Standorts insgesamt zu erhalten und auszubauen". (am)



