Eine echte Wucht: Michael Maul, der Leiter des Bachfestivals, im Gespräch mit Carsten Wagner, dem Geschäftsführer des VKU Verlags.

Eine echte Wucht: Michael Maul, der Leiter des Bachfestivals, im Gespräch mit Carsten Wagner, dem Geschäftsführer des VKU Verlags.

Bild: © Jannis Hutt/VKU Verlag

Kennen Sie das? Ein reichhaltiges Tagungsprogramm, intensive Diskussionen, ein langer Tag. Der Magen knurrt und man freut sich auf den geselligen Teil des Abends. Die Sache hat nur einen Haken: Dazwischen steht noch ein Impulsvortrag auf dem Programm. Und zwar nicht über Energiewirtschaft. Nein, wo denken Sie hin. Es geht um klassische Musik. Da spricht der Leiter des Bachfestivals aus Leipzig. Muss das jetzt auch noch sein? Na ja, hören wir mal rein.

Das war die Konstellation bei der Abendveranstaltung der zweiten ZfK Media Days in Leipzig in der Moritzbastei vor zwei Wochen. Um es vorwegzunehmen: Der knurrende Magen war schnell vergessen. Denn der kurze Impulsvortrag von Michael Maul, dem Leiter des Bachfestivals war eine Wucht. Eine echte Inspiration für viele der anwesenden Kommunikationsverantwortlichen der Stadtwerke. Mit vielen innovativen und originellen Ansätzen, um gerade auch jüngere Menschen anzusprechen und zu gewinnen.

Auch Kultur und Musik sind systemrelevant

Energieversorgung ist ohne Zweifel systemrelevant. Dass dies auch für Kultur und Musik gilt, daran ließ Michael Maul keinen Zweifel. Doch wie hält man bei einem jährlich veranstalteten Großfestival mit über 40 Prozent Besuchern aus dem Ausland, die einheimische Bevölkerung bei Laune und weckt ein Interesse? Wie erreicht man ein jüngeres Publikums und auf was für Kommunikationsstrategien kann man hier setzen?

"Es ist wichtig, einen gewissen Stolz und eine Begeisterung für sein eigenes Produkt auszustrahlen und sich nicht zu entschuldigen dafür, dass man die Musik eines 300 Jahre alten, angeblich verstaubten Mannes promoted", so Maul. Das sei auch gar nicht so schwierig, weil „einfach die Substanz dieser Musik sehr gut ist“.

In der konkreten Ansprache geht man dabei in Leipzig unkonventionelle, mutige Wege, die auch für die Unternehmenskommunikation von kommunalen Unternehmen viel Nachahmungspotenzial haben, gerade auch in der Ansprache der jüngeren Zielgruppe.

“Tina wat Kosten denn die Kondome?"

 "Kondome und Bier sind todsichere Ansätze", verriet Maul und hatte die Lacher auf seiner Seite. Mit einer Pauschale von sechs Euro wollten die Marketingverantwortlichen des Festivals vor einigen Jahren Studierende für eine Festivalteilnahme gewinnen. Letztlich nutzten aber nur 38 den Rabattcode. "Da waren wir frustriert", gestand Maul ein.

Im vergangenen Jahr setzte man auf einen dann auf einen Filmtrailer, in dem eine bekannte Werbung mit Hella von Sinnen und Ingolf Lück persifliert wurde. „Tina wat kosten denn die Kondome?“, ruft im Orginalspot die  Kassiererin im Supermarkt ihrer Kollegin zu. Der betreffende Kunde an der Kasse zuckt peinlich berührt zusammen, die Schlange hinter ihm spitzt aufmerksam die Ohren und schaut neugierig zu.  

Diesen Spot haben die Verantwortlichen des Bachfestivals leicht abgeändert. Ein Student schiebt diverse Artikel über den Scanner, auch besagte Kondome und fragt dann: “Was kosten denn die Tickets fürs Bachfestival?“. Es folgt der Auftritt des Intendanten und der Verweis auf das günstige Angebot. Da der Kondomhersteller Ritex geschäftstüchtig dem Bachfestival gleich Freikondome offerierte, wurde jedes Ticket mit einem Kondom kombiniert und das Ganze entsprechend diskret und originell verpackt. Der Spot lief in den Kinos und in den sozialen Medien und siehe da, über 900 Tickets wurden verkauft.

Heavy-Metal-Band headbangt zu Bach

"Wir wollen das Konzept beibehalten und auch künftig Werbespots persiflieren", verriet Maul. Die nächste Kooperation ist mit einem örtlichen Bierhersteller geplant.

Dass Bachmusik alles andere als angestaubt ist und den Crossover zu vielen anderen Musikstilen, ob Jazz, ob Blues oder Hardrock erlaubt, verdeutlichte zum Schluss der Videotrailer für das Bachfest 2025. Dieses steht unter dem Motto „Transformation".

Es beginnt mit langsamer Orgelmusik, dann setzen die Akkorde einer E-Gitarre ein, es folgt ein Streichorchester und dann geht das Ganze in den Heavy-Metal-Sound der Band „Sons auf Bach“ über, die zu der klassischen Musik des alten Meisters headbangen (zum Videotrailer geht es hier.) Und damit nicht genug: Im nächsten Jahr wird Bach aus einem hängenden Bilderporträt heraussteigen, sich an ein Cembalo setzen und eine knappe Stunde musizieren. So sollen selbst Besucher, die Bach heute noch „für einen Vollpfosten halten“ zu echten Fans des Komponisten werden.

Die nächsten ZfK-Media-Days finden am 12. und 13. November 2025 in Wiesbaden statt.

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