Fabian Rothermich ist Projektkoordinator beim Regionalen Energiewerk Untermain.

Fabian Rothermich ist Projektkoordinator beim Regionalen Energiewerk Untermain.

Bild: © Regionales Energiewerk Untermain

Von Andreas Lorenz-Meyer

Das Kommunalunternehmen Regionalwerke Landkreis Cham in der bayerischen Oberpfalz hat Großes vor. Es strebt den "Aufbau eines regionalen Stromwirtschaftskreislaufs unter kommunaler Führung" an, so Vorstand Martin Ritt. Energie, die überwiegende den Bürgern sowie der heimischen Wirtschaft zu akzeptablen Preisen zur Verfügung gestellt wird, soll zu einem "Motor für Wirtschaftskraft, Klimaschutz und Lebensqualität in der Region" werden.

Ein Schritt in diese Richtung ist getan: Bis 2030 investiert das Regionalwerke 200 Millionen Euro in vier Windparks mit vierzehn Windkraftanlagen sowie bis zu sieben PV-Freiflächenanlagen. Die konkreten Planungen wurden im September 2025 vorgestellt. 

Kommunale Hoheit wahren

Für solch große Investitionen brauche es ein tragfähiges Geschäftsmodell, "das wirtschaftlich funktioniert, ohne die kommunalen Haushalte zu überlasten", betont Ritt. Entsprechend sieht die Finanzierung beim 200-Millionen-Projekt so aus: 80 Prozent (160 Millionen Euro) werden Fremdkapital sein, 20 Prozent (40 Millionen Euro) Eigenkapital. Vom Eigenanteil tragen die 37 Kommunen im Regionalwerk sowie der Landkreis 51 Prozent, rund 20 Millionen Euro. So bleibe die kommunale Hoheit gewahrt, heißt es.

Der jeweilige Anteil einer Gemeinde richtet sich nach der Einwohnerzahl. Sie entscheidet dann selbst, ob sie diesen Anteil, einen niedrigeren oder höheren Betrag investiert. Der Entscheidungsprozess der Gemeinderäte läuft derzeit, danach legt der Landkreis seine Beteiligungshöhe fest.

An den noch ausstehenden 49 Prozent des Eigenkapitals können sich Bürger sowie Firmen aus der Region beteiligen. Die Finanzierungszusage des Projektpartners Max Bögl Wind sichert diesen Anteil ab. Die Firma hatte im Rahmen eines EU-weiten Vergabeverfahrens den Zuschlag als Windkraftpartner der Regionalwerke und auch für den Bau der Windkraftanlagen erhalten. Um an der EEG-Ausschreibung im Mai 2026 teilnehmen zu können, sollen die Mittel im Haushalt 2026 bereitgestellt werden. 

280 Gigawattstunden Wind bis 2040

Zu den entscheidenden Weichenstellungen in der Aufbauphase eines Regionalwerks zählt Ritt "klare Ausbauziele, die ambitioniert, aber erreichbar sind."

Der 2022 vom Institut für Energietechnik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden erstellte digitale Energienutzungsplan (DENP) diente als Ausgangspunkt, doch haben sich seit 2022 die rahmenpolitischen Bedingungen geändert. Anfang 2023 war das Gesetz zur Erhöhung und Beschleunigung des Ausbaus von Windenergieanlagen an Land in Kraft getreten, das Wind-an-Land-Gesetz. "Onshore-Windkraft ist dadurch wirtschaftlich attraktiver geworden. Darauf haben wir reagiert". Statt der im DENP empfohlenen 80 Gigawattstunden Windenergie sind jetzt 280 GWh bis 2040 geplant. Die auf den Weg gebrachten vier Windparks dekcne mit ihren insgesamt 180 bis 200 GWh den Großteil davon schon ab. 

Ritt achtet darauf, immer das "große Ganze" im Blick zu haben: nicht nur die Energieerzeugung, sondern auch Speicher und Netz. "Freiflächen-PV-Anlagen sollten heute nicht mehr ohne Speicherkompetenz geplant und umgesetzt werden." Derzeit sind zwei große Batteriespeicherprojekte in Planung, zudem läuft eine Potentialstudie für ein Pumpspeicherwerk.

Netzanschlüsse wiederum sieht Ritt als "Autobahnen der Energiewende". Partner seit Anfang 2025 ist deswegen die Bayernwerk-Tochter Bayernwerk Netz, die beim Netzausbau, aber auch bei Speicherprojekten und beim Anlagenbetrieb unterstützt. "Ohne diese Kooperation wären unsere Ziele kaum erreichbar. Zudem lässt sich so der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze synchronisieren."

Interessenvertreter der Region

Auch in der Region Bayrischer Untermain nimmt die Energiewende Gestalt an. Im Herbst 2024 hatte der Regionale Planungsverband eine vorläufige Liste von Vorranggebieten für Windenergie veröffentlicht. Seit 6. Oktober 2025 steht endgültig fest, welche Flächen ausgewiesen sind - wo also Projektrechte vergeben werden könnten.

22 der Vorrangflächen befinden sich im Gebiet des Regionalen Energiewerks Untermain (REW), zu dem die Kommunen im Landkreis Miltenberg, die Stadt Aschaffenburg und mehrere Energiedienstleister und -versorger aus der Region gehören. "Wir sorgen dafür, dass bei der Umsetzung der Windprojekte die Interessen unserer Region an erster Stelle stehen", sagt REW-Projektkoordinator Fabian Rothermich.

Zum einen kümmert er sich um die Vorplanung, die Basis für die spätere Projektrechtevergabe. Mit den vorläufigen Entwurfsflächen von 2024 hatte das REW bereits begonnen, detaillierte Potentialanalysen zu erstellen. "Ein aufwändiger Prozess: Es müssen für jede Fläche digitale Modelle erstellt und Standortbegehungen durchgeführt werden. Wir arbeiten uns Stück für Stück vor, bis wir die Wirtschaftlichkeit und die Rahmenbedingungen des Standortes präzise beurteilen können." Dieser Prozess läuft bereits für 15 der Flächen.

Auf Augenhöhe verhandeln

Am Ende wird die Analyse den jeweiligen Eigentümern - meist Kommunen, aber auch Privatpersonen - vorgelegt. Das Dokument gibt unter anderem an, mit welchem Stromertrag zu rechnen ist. Eine Orientierung für die Eigentümer, welche Pacht angemessen ist. "So können sie gut informiert und auf Augenhöhe in die Verhandlungen mit Projektierern gehen – sofern sie sich entschließen, die Flächen zur Verfügung zu stellen."

Handelt es sich um kommunale Flächen, wählt das REW den jeweiligen Projektierer zusammen mit den Kommunen aus und berät diese bei den Details des Pachtvertrags. "Wir achten darauf, dass sich viele lokale Akteure - die Kommunen selbst, lokale Energieversorger, aber auch Genossenschaften und Bürger - an den Projekten zu fairen Konditionen beteiligen können. Unser Anliegen ist, dass möglichst viel Wertschöpfung in der Region bleibt." Das REW refinanziert sich dadurch, dass die Projektierer später für die geleistete Vorarbeit einen bestimmten Betrag zahlen.

Die angestrebte vollständige regionale Energiesouveränität sieht Rothermich als "enorme Herausforderung", da der Bayrische Untermain viel Industrie hat. Gut, dass auch regionale Energiedienstleister Gesellschafter sind. Mit ihnen ließen sich die Projekte "realitätsnah und auf die Ausgangslage der Region zugeschnitten" planen. "

"Zudem können wir die Fachkompetenzen der Gesellschafter schon in der Projektierung nutzen und so besonders kosteneffizient arbeiten." Das REW tauscht sich auch mit anderen Regionalwerken aus, besonders bayerischen. Für Rothermich "eine gute Gelegenheit, von den Ansätzen anderer zu lernen."

Handlungsdruck bei Speichern

An konkreten Speicherprojekten arbeitet das REW derzeit noch nicht, berät aber bereits Kommunen, die Anfragen von Projektierern bekommen. Der Handlungsdruck in diesem Bereich ist sehr hoch, da für ein stabiles Energiesystem basierend auf erneuerbaren Energien Speicher benötigt werden, so Rothermich.

Dennoch seien die Vorgaben für die Netzintegration derzeit noch "undurchsichtig". Zwar redeten alle in der Branche von netzdienlichen Speichern, die sich netzentlastend verhalten. Aber wie lautet die genaue Definition von Netzdienlichkeit? Unter welchen Voraussetzungen gilt ein Speicherbau als privilegiertes Vorhaben? Nach welchen Vorgaben vergeben Netzbetreiber Netzanschlusskapazitäten für Speicher?

"Dafür gibt es noch keine klaren Regelungen auf Bundesebene, so dass sich die Wirtschaftlichkeit eines Speicherprojekts nicht genau berechnen lässt." Wichtig fände Rothermich, dass künftige Bundesvorgaben für die Netzanschlusspunktvergabe genug Handlungsspielraum für den wirtschaftlichen Betrieb der Speicherprojekte lassen. Gleichzeitig müsse sichergestellt sein, dass die neuen Speicher das Netz zumindest nicht zusätzlich belasten - besser sogar, es ein stückweit entlasten.  Rothermich hofft, dass bald praxistaugliche Vorgaben kommen, "damit der Weg für netzdienliche Speicherprojekte frei wird."

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