Von Pauline Faust
Weimar bekommt bei den eigenen Stadtwerken die Oberhand. Die Weimarer Stadtwerke befanden sich seit ihrer Gründung 1991 mehrheitlich nicht im Eigentum der Stadt. Nun verkauft der Regensburger Energieversorger Rewag seine Geschäftsanteile an die Stadtwirtschaft Weimar. Damit hält diese künftig die mehrheitlichen Anteile von 51 Prozent an den Stadtwerken.
Im derzeit laufenden Verkauf der Beteiligung an die Stadtwirtschaft Weimar sehen die Stadt Weimar und der Regensburger Energieversorger ein klares Signal, sich jeweils auf die Energiewende in ihren Heimatmärkten zu konzentrieren.
Das Regensburger Energieunternehmen Rewag hatte seit 34 Jahren Geschäftsanteile. Nach der Wende stiegen westdeutsche Stadtwerke oft als "Geburtshelfer" bei den sich neuformierenden, ostdeutschen Stadtwerken ein. Deren Beteiligung, als historisches Relikt, findet sich noch bei vielen Unternehmen. Etwa auch der Konzern Gelsenwasser, der sich dauerhaft an neuen Stadtwerken im Osten, etwa in Zeitz, Perleberg, Burg und Weißenfels, beteiligte. Anders als die Rewag bleibt Gelsenwasser allerdings bei seinen Beteiligungen.
Nun wollen die Weimarer eigenständiger unterwegs sein: "Mit der Übernahme der Geschäftsanteile sichern wir uns die Mehrheit und erhöhen die kommunale Handlungsfähigkeit in der Energieversorgung, sagt der Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwirtschaft Weimar, Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos). "Ich freue mich auch auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit der Teag [Anm. d. Red.:Thüringer Energie AG] und bin zuversichtlich, dass wir in Zukunft gemeinsam die Herausforderungen des sich verändernden Energiemarktes bewältigen können."
"Damit hat die Stadt Weimar besseren und direkteren Einfluss", kommentiert auch Jörn Otto, Geschäftsführer der Stadtwerke Weimar. Dies sei insbesondere bei der aktuell schon laufenden kommunalen Wärmeplanung ein Vorteil. "Finanzierungs- und Haftungsfragen standen dabei – noch – nicht im Fokus."
Der Geschäftsführer erklärt, dass die Stadtwerke Weimar ihre Klimaziele erreichen werden. "Die Planungen für die nächsten fünf Jahre sind bereits sehr weit fortgeschritten." Im Jahr 2025 werde die erste Solarthermieanlage errichtet. Der Transformationsplan für die Fernwärme sei erstellt und eingereicht. Mittelfristig gebe es aber auch noch einige Unsicherheiten und Klärungsbedarf. Neben einer langfristigen und gesicherten Finanzierung stehen noch Fragen zu Förderbedingungen und einigen gesetzlichen Regelungen an. "Wir brauchen endlich Klarheit beim Thema Geothermie und Wasserstoff um zwei Beispiele - von vielen - zu nennen", so Otto.
Hohe Investitionen nötig
"Als Gründungsgesellschafterin stehen wir in einer besonderen Verantwortung und möchten den Stadtwerken Weimar die Freiheiten geben, sich voll und ganz auf die Energiewendethemen zu konzentrieren", kommentiert Robert Greb, Vorstandsvorsitzender der Rewag. Er sehe neben den Verkaufserlösen für das eigene Unternehmen Vorteile darin, dass die Mehrheit der Anteile jetzt nach Weimar gehen: "Das Voranbringen der Energie- und Wärmewende durch die Stadtwerke Weimar ist wichtig und herausfordernd für die Stadt und die Region. Hierfür müssen erhebliche Investitionen getätigt werden."
Die Stadtwirtschaft Weimar hält künftig somit 51 Prozent der Anteile an der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH, die Teag 49 Prozent. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kommunal- und der kartellrechtlichen Genehmigung.



