Der Vertrag von Jürgen Noch (r.), Geschäftsführer von Westfalen Weser, wurde um fünf Jahre verlängert. Er führt das Unternehmen<br /> im Duo mit Andreas Speith (r.)

Der Vertrag von Jürgen Noch (r.), Geschäftsführer von Westfalen Weser, wurde um fünf Jahre verlängert. Er führt das Unternehmen
im Duo mit Andreas Speith (r.)

Bild: © Westfalen Weser

Von Artjom Maksimenko

Der kommunale Versorger Westfalen Weser Energie hat im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Umsatz um 138 Millionen Euro auf 1,1 Milliarden Euro erhöhen können. Auch die Investitionen konnte das Unternehmen, an dem 57 kommunale Anteilseigner beteiligt sind, auf 152,7 Millionen Euro steigern (2023: 113,5 Millionen Euro).

Seit 2025 agiert Westfalen Weser nicht nur als Netzbetreiber und Anbieter von energienahen Dienstleistungen, sondern engagiert sich auch verstärkt im Bereich der Erzeugung und Speicherung von erneuerbarer Energie in der Region. Seine Geschäftsfelder hat das Westfalen Weser Energie in vier Gesellschaften untergebracht: Erzeugung und Handel (Westfalen Weser Energieerzeugung), Speicher (Westfalen Weser Energiespeicher), Netz (Westfalen Weser Netz) und Märkte (Energieservice Westfalen Weser).

Neustrukturierung als Reaktion auf die Herausforderungen

Zum 1. Dezember 2024 wurden alle energienahen Dienstleistungen der Gruppe unter dem Dach der Energieservice Westfalen Weser zusammengeführt. Einen großen Hebel für die Umstellung auf erneuerbare Energie bieten dabei Wärmelösungen. "Mit der kommunalen Wärmeplanung schaffen wir für Städte und Gemeinden Transparenz und entwickeln Lösungen, die zukünftig eine klimaneutrale Wärmeversorgung in den Kommunen ermöglicht", so Stefan Freitag, Geschäftsführer der Energieservice Westfalen Weser.

"Die Energiewende müssen wir sektorübergreifend angehen, um sie erfolgreich gestalten zu können, und auch unsere Kunden wünschen sich ganzheitliche Energielösungen", erläuterte Jürgen Noch, Geschäftsführer der Holding Westfalen Weser Energie, die Neustrukturierung.

Mit der Erweiterung seiner Geschäftsfelder reagiert das Unternehmen auf die wachsenden Herausforderungen der Energiewende. "In der neuen Energiewelt sind die Erzeugung und Verbrauch vollständig voneinander entkoppelt", sagte Noch bei der Vorstellung der Geschäftszahlen vor Journalisten.

Windparks in den Kreisen Paderborn und Höxter geplant

"Wir engagieren uns mittlerweile auch in der Erzeugung erneuerbarer Energie in der Region. Im Jahr 2024 hat sich Westfalen Weser mit 50 Prozent an der WN Energie GmbH & Co. KG beteiligt", sagte Noch im Gespräch mit der ZfK. Geplant sei hier der Bau und Betrieb von 30 oder 31 Windparks in den Kreisen Paderborn und Höxter. Ihre Gesamtleistung soll etwa 1.000 Megawatt bis 2027 erreichen. Die Realisierung der ersten Projekte aus dieser Pipeline sei schon für dieses Jahr geplant. Insgesamt sollen in der Region bis zu 8.000 Megawatt an Onshore-Windkraftkapazität angeschlossen werden. "Das macht unser Netzgebiet zu einem der größten Erzeugungsregionen des Bundeslandes", so Noch weiter.

In Lichtenau plane das Unternehmen einen 10-MW-Elektrolyseur, der mithilfe von Windkraft künftig grünen Wasserstoff für die umliegende Industrie und Wasserstofftankstellen produzieren soll. Die Investitionen dafür belaufen sich auf 29,2 Millionen Euro, davon sind rund 11,2 Millionen Euro Fördermittel des Landes NRW.

Mit dem fortschreitenden Erneuerbarenzubau gewinnt das Thema immer weiter an Bedeutung, hieß es aus Paderborn weiter. Allein in den Ausbau und die Digitalisierung des Netzgeschäfts investiert Westfalen Weser in den kommenden zehn Jahren rund 1,5 Milliarden Euro. In die Wärmenetze sind 200 bis 400 Millionen Euro an Investitionen vorgesehen. Für die neuen Geschäftsfeldern, wie Erzeugung und Handel sind weitere 1,5 Milliarden Euro reserviert, bis zu 400 Millionen Euro will das Unternehmen in die Errichtung von Speichern ausgeben.

Kein Spielraum bei Netzentgelten

Diese Investitionen seien ohne internationales Kapital nicht zu stemmen, stellte Noch klar. Das Geschäft sei mit 5,1 Prozent Eigenkapitalverzinsung allerdings nicht attraktiv und liege in etwa auf dem Niveau von US-amerikanischen Staatsanleihen. Eine mögliche Senkung der Strompreise betrachtet Noch als eine politische Frage. Bei den Netzentgelten sei nämlich kein Spielraum nach unten mehr möglich: "Sinkt die Eigenkapitalverzinsung noch weiter – findet die Energiewende nicht statt." Möglichkeiten für eine Entlastung der Industrie und der Endverbraucher könnten in einer Stromsteuersenkung oder in bestimmten Zuschüssen liegen.

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