Von Elwine Happ-Frank
Auf seiner Klimakonferenz hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) die klimatischen Verhältnisse im Jahr 2024 in einen Gesamtzusammenhang gestellt und auch einen Blick auf die Folgen für die Energiewirtschaft geworfen. Auch in Deutschland beobachtet die Behörde eine beschleunigte Erwärmung in Folge des Klimawandels. Im Vergleich zur frühindustriellen Zeit betrage die Erwärmung hierzulande bereits 2,5 Grad Celsius.
Seit den 1960er-Jahren sei jede Zehn-Jahresperiode wärmer als die vorherige gewesen. 2023 und 2024 erlebte Deutschland jeweils einen Allzeitrekord in der Jahresmitteltemperatur. Mit im Mittel 10,9 Grad Celsius war 2024 das bisher wärmste Jahr seit Messbeginn.
Gleichzeitig nehme die Variabilität von Temperatur und Niederschlag zu, so der DWD weiter. So gebe es immer ausgeprägtere Wechsel zwischen überdurchschnittlich nassen und sehr trockenen Jahren. Die Behörde kann inzwischen aus Beobachtungsdaten eine Zunahme von extremen Wetterereignissen wie Starkregen und Dürren ableiten.
Durchschnittliches Windjahr
Mit einer deutschlandweit gemittelten Windgeschwindigkeit in 100 Metern Höhe von etwa 5,7 Meter pro Sekunde war 2024 ein durchschnittliches Windjahr. Anders sei das Bild beim Beitrag der Sonne zur Energieproduktion aus Photovoltaik gewesen: Die Globalstrahlung lag 2024 mit einem Mittelwert von 1113 Kilowattstunden pro Quadratmeter auf dem achten Platz seit Beginn der Auswertungen im Jahr 1991.
Die kombinierte Betrachtung des jährlichen Verlaufs von Wind und Strahlung zeigte auch 2024 das übliche Bild für Deutschland: Die höchsten Werte der Sonneneinstrahlung fallen in die Sommermonate, die höchsten Werte der Windgeschwindigkeiten seien dagegen in den Wintermonaten zu beobachten. Generell ergänzten sich beide Energieformen in ihrem jährlichen Verlauf gut. Das sei ein Vorteil für die Energiewirtschaft.
In diesem Kontext hat der DWD auch das Thema "Dunkelflaute" untersucht. Aktuelle Beispiele gab es im November und Dezember 2024. Windschwache Phasen verbunden mit der niedrigen Sonnenscheindauer im Winterhalbjahr haben besonders am 6. November und am 12. Dezember zu einer geringeren Energieproduktion aus Windkraftanlagen geführt.
Ursache sind bestimmte Großwetterlagen
Solche unterdurchschnittlichen Windverhältnisse hängen mit bestimmten Großwetterlagen zusammen und treten insbesondere beim sogenannten "Hoch Mitteleuropa" auf. Das Ergebnis sei eindeutig: Die "Dunkelflaute"-Situationen im vergangenen November und Dezember passen genau zur Großwetterlage "Hoch Mitteleuropa“.
Da zeitgleich unter anderem im Norden Skandinaviens überdurchschnittliche Windverhältnisse auftraten, bestehe zumindest aus meteorologischer Sicht die Möglichkeit eines inner-europäischen Ausgleichs, stellt der DWD fest.
Die Wetterbehörde konnte außerdem durch die Analyse aller Winterhalbjahre seit 1951 feststellen, dass sich die Großwetterlage "Hoch Mitteleuropa" nicht markant verändert hat – trotz des bisherigen Klimawandels. Sowohl die absolute Anzahl der Tage pro Halbjahr mit dieser Großwetterlage als auch die maximal zusammenhängende Andauer der Ereignisse blieb bisher stabil.
Entwicklung eines Dunkelflaute-Index
"Das ist eine gute Nachricht für die Energiewirtschaft. Es gibt keine Hinweise, dass die Stromerzeugung aus Photovoltaik- und Windkraft durch mehr ‚Dunkelflauten‘ riskanter geworden ist", sagte Renate Hagedorn, Vizepräsidentin des DWD.
Im Rahmen des Energieforschungsprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz werden aktuell mehrere Projekte mit Beteiligung des DWD gefördert, die sich mit möglichen Auswirkungen von "Dunkelflauten" auf den Netzbetrieb und den Stromhandel beschäftigen. Ein Ziel sei es, die Vorhersagequalität solcher Ereignisse beschreiben zu können.
"Perspektivisch streben wir gemeinsam mit unseren Partnern in der Energiewirtschaft die Entwicklung eines Index an, der Tage und vielleicht auch Wochen im Voraus Hinweise über ‚Dunkelflaute‘-Bedingungen geben kann", sagte die DWD-Vize. Das könne die vorausschauende Planung der Netzbetreiber unterstützen und damit die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Stromversorgung verbessern.



