Stadtwerke respektive Verteilnetzbetreiber müssen laut Einschätzung der Berliner Beratungsgesellschaft LBD damit rechnen, dass sie in den kommenden Jahren die erforderlichen Ressourcen zur Stabilisierung bzw zum Ausbau ihrer Netze nicht oder nur schwer beschaffen können. Alternativ müssen sie erwarten, auf diese Leistungen eine erhebliche Prämie zu zahlen. Dies betreffe insbesondere Stadtwerke, die ein großes Netz auf Niederspannungsebene betreiben und deren Gebiet sich vor allem in städtischem Umfeld befindet.
Grund seien die aktuelle Lage am Fachkräftemarkt und der Breitbandausbau, der zusätzliche Kapazitäten binde. Zudem beeinflussten die politische Einflussnahme der Kommunen oder bereits vorhandene Klimaschutzkonzepte und -maßnahmen die Ausbaugeschwindigkeit und den akuten Ausbaubedarf in den nächsten Jahren.
Dass der Fachkräftemangel mittlerweile bei allen Verteilnetzbetreibern angekommen ist und und den Aufbau eigener Kapazitäten für die anstehenden Aufgaben erschwert, illustriert zusätzlich eine aktuelle Marktumfrage der LBD im Kundenkreis. Alle Teilnehmenden berichten demnach von Engpässen bei der Beauftragung von Dienstleistern, die sich in deutlichen Preisanstiegen, Verzögerungen und abgelehnten Aufträgen materialisieren.
Fremdleistungsquote im Bau wird sich weiter erhöhen
Die Befragung zeigt außerdem: Fast alle Verteilnetzbetreiber spüren einen hohen Einfluss der klimapolitischen Ambitionen auf die Netzentwicklungsplanung. Fast 80 Prozent der Unternehmen merken bereits heute einen deutlichen Zuwachs zwischen 20 und 40 Prozent des Investitionsvolumens im Netz. Planungsprozesse werden als Kernkompetenz gesehen und werden in Eigenleistung erbracht. Bauprozesse sind bereits heute mehrheitlich fremdvergeben. Die Fremdleistungsquote wird sich im Bau weiter erhöhen.
Durch die sinkende Verzinsung des Eigenkapitals geht gleichzeitig die Rendite der Stadtwerke insgesamt zurück. Parallel dazu führte das konservative Investitionsverhalten von Stadtwerken in der Vergangenheit oftmals dazu, dass diese in den nächste Jahren oberhalb ihrer Abschreibungen investieren mussten, um ihre Netze instand zu halten bzw. auszubauen. "Viele Stadtwerke stehen unter erheblichem Kostendruck", analysiert LBD.
So müssen sich Netzbetreiber strategisch auf die Situation einstellen
- Netzplanungsprozess zur Ermittlung und Steuerung des Investitionsbedarfs etablieren:
- Wachsende Produktivitätspotenziale durch Digitalisierung nutzen: Aktuell und zukünftig verfügbare Personalressourcen sowie steigende Personalkosten setzen den Bewertungsmaßstab für Produktivitätsgewinne aus Investitionen in Prozessintegration und Digitalisierung. Strategische Investitionen in die digitalen Werkzeuge erhöhen die Handlungsfähigkeit in der nahen Zukunft, heißt es weiter. (hoe)



