Die noch jungen Gemeindewerke Malente GmbH (GWM) in Schleswig-Holstein haben sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. Das 2018 gegründete Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von vier Millionen Euro und einen Gewinn von 315.000 Euro nach Steuern generiert. Damit habe man bereits ein Jahr früher als geplant die im Businessplan definierten Zielgrößen erreicht, heißt es in der Pressemitteilung.
"Auch kleine Kommunen können erfolgreich eigene Unternehmen am Markt etablieren", kommentierte GWM-Geschäftsführer Mario Lüdemann. Man müsse nicht immer das ganz große Rad drehen, teure Beraterstäbe einsetzen und klassische Business-Cases anwenden. Die Malenter Kommunalpolitik habe 2018 erkannt, dass der heimische Markt für Strom und Gas attraktiv sein könnte. Mit einem Stammkapital von 25.000 Euro startete 2018 die GWM als GmbH in den Gas- und Stromvertrieb; die bisherige GWM AöR (Anstalt öffentlichen Rechts) blieb weiterhin für die Wasserversorgung zuständig.
2000 Strom- und Gaskunden
Geschäftsführer Lüdemann nutzte sein Netzwerk, um einen günstigen Liefervertrag zu schließen und akquirierte Kunden durch gezielten Vertrieb in Gewerbegebieten und Privathaushalten. Nach Expertenschätzungen belaufen sich die Beratungskosten für eine derartige Gesellschaftsgründung auf rund 500.000 Euro. Hinzu kommen rund 250.000 Euro Liquiditätsvorschuss, um vom ersten Tag an auch Rechnungen und Gehälter bezahlen zu können. Lüdemann: "Das hätte die kleine Kommune Malente wohl nicht darstellen können."
Das kleine Team der GWM akquirierte nach und nach Großkunden wie Sparkasse und Hotels, später Unternehmen und schließlich Privatkunden. Die Vertriebsmethode: "Du musst an die Tür gehen", so Lüdemann. "Wir klingeln bei Privatkunden." Werbeplakate wurden eigenhändig über Nacht an Laternenmasten gehängt. Derzeit haben die Gemeindewerke Malente nach eigenen Angaben 2000 Haushalten im Strom- und Gasbereich, Tendenz: steigend.
Marktfähige Preise und erster Azubi
Gut bewältigt hat das junge Unternehmen laut eigener Aussage sowohl die Coronakrise als auch die Energiekrise infolge des Ukraine-Krieges. Mario Lüdemann: "Dass wir diese überstanden haben, ist schon ein Wunder. Während der Corona-Krise konnten wir keinen Vertrieb machen, und die Energiekrise hat große Unternehmen mit guter Kapitalausstattung ins Wanken gebracht. – Uns aber nicht."
Dank dieser Ausdauer und dem Angebot marktfähiger Preise, die günstiger seien als die des Grundversorgers, habe man in kurzer Zeit einen festen Platz dauerhaft im Markt erobern können. Das gelte auch für die Mitarbeitergewinnung: Am 1. August startete erstmals ein Auszubildender bei der Gemeindewerke Malente GmbH. Insgesamt bleibt das Unternehmen mit jetzt drei Mitarbeitern (inkl. Geschäftsführer) ausgesprochen schlank aufgestellt.
Bau eines eigenen Windrads geplant
Die Planungen gehen inzwischen weiter: Die Wasserversorgung soll klimaneutral gestellt werden. Dazu läuft aktuell ein Studentenprojekt mit der Hochschule Flensburg. In dem Zusammenhang soll ein kleines Windrad am Malenter Wasserwerk Benz errichtet werden. Ziel ist eine weitgehende Autarkie. Mario Lüdemann: "Das bedeutet dann im Ergebnis, dass wir im Zusammenspiel von Speicher, Windrad und Photovoltaik eine physische Autarkie anstreben, bei der dann Erzeugung und Verbrauch zu 85 Prozent deckungsgleich sind."
Die GWM sind im Bereich der Wasserversorgung auch Kooperationen mit mehreren Versorgern aus der Region eingegangen, um für zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sein. (hoe)



