Gerhard Holtmeier (Mitte) und Hinrich Holm (r.) diskutierten mit Moderator Heiko Lohmann.

Gerhard Holtmeier (Mitte) und Hinrich Holm (r.) diskutierten mit Moderator Heiko Lohmann.

Bild: © Handelsblatt

Stadtwerke müssen im Zuge der Energiewende viel Geld in die Hand nehmen, um in neue Technologien zu investieren, den Netz- oder Erneuerbaren-Ausbau voranzutreiben, aber auch Infrastruktur zurückzubauen oder umzurüsten. Wie können sie diese immensen Herausforderungen gut meistern? Wie können Investitionen nachhaltig gemacht und „Stranded Investments“ vermieden werden? Darüber diskutierten Hinrich Holm, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Berlin und der Restrukturierungsexperte Gerhard Holtmeier, der zugleich designierter DEW21-Chef ist.  

„Wir werden Gas immer finanzieren“, stellte Hinrich Holm gleich zu Beginn der von Heiko Lohmann moderierten Runde auf der Gastagung des Handelsblatts fest. Als Förderbank des Landes Berlin sei man selbstverständlich dessen enger Partner und als solcher auch dessen Dekarbonisierungszielen verpflichtet. Es sei klar, dass Gas für den Übergang gebraucht werde und auch in einer grünen Energiewelt weiter Relevanz haben werde.

Risiko Stillegung von Netzen

Frei von Kopfzerbrechen sei das Thema für ihn aber dennoch nicht. „Natürlich stellt man sich die Frage, ob die Gasleitung, die wir heute finanzieren, auch in Zukunft noch gebraucht wird“, betonte Holm. Der Gesetzgeber müsse hier für mehr Klarheit sorgen.

Das wünscht sich auch Gerhard Holtmeier. „Wir brauchen eine höhere Verlässlichkeit“, so der frühere Gasag-Manager. Fest stehe, dass an Molekülen auch in der Zukunft kein Weg vorbeiführe. Bei der Vergabe von Gasnetzkonzessionen werde es sicher weniger Wettbewerb geben. Wichtig sei es hierbei für Versorger, sich mit den jeweiligen Kommunen über die Zukunft der Infrastruktur im Detail zu verständigen. Das seien handfeste Verhandlungsthemen, die nicht unterschätzt werden sollten.

Für Investitionssicherheit sorgen

Hinrich Holm sprach sich dafür aus, dass die Kommunale Wärmeplanung gesetzgeberischen Charakter bekommen müsse. „Wir müssen wissen, wann wo welche Technologie zum Einsatz kommt und ob eine bestimmte Leitung dauerhaft Bestand haben wird.“ Zudem brauche es eine degressive Abschreibung bei den Gasnetzen.

Von entscheidender Bedeutung sei auch der Faktor Zeit, ergänzte Holtmeier. Die (Kommunal-)Politik könnte noch jahrelang über die Wärmewende diskutieren. „Das wird dann für die Versorger aber immer teurer. Wir müssen nun schnell von der Debatte in die Umsetzung kommen“, so sein Plädoyer.

Investitionsbedarf explodiert

Die beiden größten Herausforderungen seien eine Verdrei- bis Vervierfachung der Investitionen, aber auch die politische Akzeptanz der Bürger zu gewinnen. „Für das, was wir vorhaben, braucht es lange Cashflows.“ Kein privater Spieler denke in derart langen Linien. „Beim Infrastrukturerwerb muss der Staat ran.“ Zusätzlich brauche es aber auch andere Partner. Bürgerbeteiligung sei hier ein wichtiges Stichwort – auch um die Akzeptanz zu erhöhen.

Trotz der wichtigen Rolle des Staates dürfe man nicht dem Irrglauben aufsitzen, dass der Staat der bessere Unternehmer sei, waren sich Holtmeier und Holm einig. Unternehmen sollten nicht immer nur nach Subventionen schreien, sondern in die Lage versetzt werden, den Markt selbst zu bearbeiten, sagte Holtmeier. Und Holm ergänzte mit Blick auf die Kommunale Wärmeplanung: „Die Pläne müssen die Versorger machen, nicht die Politik. Sonst geht das schief.“ (amo)

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