Schöne neue synthetische Welt: Die Anzahl der mit KI generierten Inhalte im Internet nimmt zu. Auch dieses Bild wurde mit Hilfe von KI erschaffen.

Schöne neue synthetische Welt: Die Anzahl der mit KI generierten Inhalte im Internet nimmt zu. Auch dieses Bild wurde mit Hilfe von KI erschaffen.

Bild: © Adobe Stock/wizXart

Wenn er im Alltag ein Problem hat, fragt Holger Volland schon mal die Künstliche Intelligenz ChatGPT. „Wie würde Sokrates meiner Kollegin antworten?“ etwa, wäre eine Anfrage für den Chatbot. Was für Volland Alltag ist, wird auch in der breiten Gesellschaft immer relevanter: mit KI erschaffene Inhalte.

Den Vorstandvorsitzenden der brand eins Medien AG beschäftigt KI schon seit Jahren. Auf dem Trurnit-Forum am vergangenen Mittwoch erklärte er den Stand der Technologie und welche Folgen er insbesondere für die Kommunikation mit Kunden sieht.

Der studierte Informatiker berichtet von seiner eigenen Unentschlossenheit: „Ich frage mich auch jetzt noch, ist KI schon dort, dass wir sie im Unternehmen anwenden müssen oder sollten wir noch ein halbes Jahr warten?“

brand eins testet KI

Für brand eins hat er eine Antwort gefunden, das Magazin testet, eine KI am eigenen Archiv zu trainieren. Nutzer könnten dann einmal von einem Chatbot Antworten bekommen, die auf eine Vielzahl von Texten des Wirtschaftsmagazins zurückgreifen.

KI ist einen langen Weg gekommen und hat eine längere Geschichte als es durch die aktuelle Debatte und Aufmerksamkeit nach der Veröffentlichung von ChatGPT naheliegend erscheint.

Die erste Stufe von KI in Praxis, erzählt Volland, habe es schon in den letzten zehn Jahren gegeben: „Predcitve AI“. Das sind KIs, die Muster in einem großen Datensatz erkennen. Damit lassen sich z.B. Gesichter erkennen, aber auch Vorhersagen machen. Die Empfehlungsalgorithmen von Streaminganbietern arbeiten so.

Sprachassistenz für die Industrie?

KI der nächsten Stufe, so Volland, ist die „Generative KI“. Also KI, die Inhalte erstellt. Dabei könne KI selbst nicht kreativ sein, aber sie könne die menschliche Kreativität auf einem Expertenlevel nachahmen. „Der Bereich Sprache geht richtig ab. Alexa und Siri waren erst der Anfang, jetzt reden wir schon über Anwendungen für die Industrie“, sagt Volland.

Im E-Commerce gibt es momentan die meistens Cases für Generative KI. Beim Versandhändler Zalando gibt es einen Modeberater-Chatbot, der aus der einfachen Anfrage „Was soll ich zu einer Strandhochzeit anziehen?“ viele Schlüsse ziehen kann, etwa: Diesem Kunden empfehle ich flache Schuhe und leichte Stoffe.

Personalisierung treibt Werbemarkt

Auch in unseren Mail-Postfächern, werden wir immer mehr KI-generierte Inhalte sehen, erklärt Volland. So können Newsletter personalisiert mit Werbung verschickt werden. Auch Social-Media-Posts und Online-Bewertungen werden bereits KI-generiert.

Im Bereich Sprache gibt es eine besondere Neuerung: die automatische Übersetzung in der Klangfarbe des Sprechers. Spotify will dies für ausgewählte Podcasts einführen. Die Stimmen der Podcasthosts werden synthetisiert und dann übersetzt wiedergegeben. „Übersetzung und Synchronsprechen, eine komplette Branche könnte zusammenbrechen“, sagt Volland. „Es steckt aber auch eine Chance drinnen: Wir könnten unsere Inhalte in hundert Sprachen anbieten.“

KI übernimmt Aufgaben

Die nächste Stufe in der KI-Entwicklung ist die sogenannte „Acting AI“. „Sie kommt sehr nah an die Intelligenz des Menschen“, sagt Volland. Ein Beispiel dafür ist der Microsoft-Copilot. Windows Copilot analysiert den Bildschirminhalt und bietet kontextbezogene Vorschläge und Aktionen, die auf das zugeschnitten sind, was Benutzer gerade sehen. Also etwa auf E-Mails antworten.

„Wir werden mit einer Medienflut überschwemmt werden“, warnt Volland. „Wir werden fast ausschließlich synthetische Inhalte um uns herumhaben.“ Insbesondere im Werbebereich sieht er diese Entwicklung. Damit werde die Konkurrenz zum eigenen Content größer. „Das Publikum zu erreichen wird schwieriger werden.“

Gemischte Gefühle

Auf die Zukunft blickt Holger Volland mit gemischten Gefühlen: „Ich glaube KI wird uns nutzten, aber die Phase dazwischen wird für viele Menschen und Berufe verdammt hart. Millionen von bestehenden Stellen fallen weg, aber neue Arbeitsplätze kommen im KI-Bereich dazu.“

Immer wichtiger werde es vor allem, KI mit verantwortungsvollen Quellen zu trainieren und auch weiterhin die Daten hinter KIs zu hinterfragen. (pfa)

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