Er rate davon ab, mit Panik zu reagieren, sagte Georg Stamatelopoulos, Vorstandsvorsitzender der EnBW, mit Hinblick auf den Krieg im Iran und die Auswirkungen auf die Energiemärkte. "Wir haben aktuell keine schöne Entwicklung, aber nicht wie in der Energiekrise nach dem Angriff auf die Ukraine", erklärte der EnBW-Chef auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens. Die Zahlen verdeutlichen dies: Der Gaspreis verzehnfachte sich im Jahr 2022, aktuell hat er sich "nur" verdoppelt. "Es ist auch strukturell anders: Damals importierten wir 55 Prozent des Gases aus Russland und plötzlich waren es null Prozent, für Deutschland stellt sich aktuell keine Frage der Versorgungssicherheit wie damals, sondern eine des Preises."
Der Konzernchef bleibt auch zuversichtlich, was die LNG-Lieferungen aus Abu Dhabi angeht. Die Stuttgarter haben eine Absichtserklärung mit Adnoc über Lieferung von jährlich 0,8 Milliarden Kubikmeter LNG ab 2028 über 15 Jahre hinweg. Auch ein Projekt für grünen Wasserstoff aus Saudi-Arabien will der EnBW-Chef nicht neu bewerten: "Wir haben uns damals aus 30 Projekten für dieses entschieden, da die Vorteile der Region unschlagbar sind und es wirtschaftlich am attraktivsten ist."
Gewinneinbruch in Stuttgart
Diese großen Projekte liegen in der Zukunft. Wer aktuell auf den Konzern mit Sitz in Stuttgart schaut, bekommt einen weniger glamourösen Eindruck: Der Konzernüberschuss ist 2025 von 1,8 Milliarden Euro auf gut 450 Millionen Euro gesunken, wie aus dem Geschäftsbericht des Karlsruher Konzerns hervorgeht. Das entspreche einem Minus von 75 Prozent.
Hauptgrund für das Minus beim Konzernüberschuss sei ein gesunkenes Finanzergebnis gewesen, sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer. Dieses sei im Wesentlichen auf eine niedrigere Marktbewertung von Wertpapieren gegenüber dem Vorjahr zurückzuführen.
Außerdem war EnBW vergangenes Jahr aus den Offshore-Windprojekten "Morgan" und "Mona" in Großbritannien unter anderem wegen massiv gestiegener Kosten ausgestiegen. "Das war ein notwendiger und richtiger, wenn auch schmerzhafter Schritt, auch finanziell mit einer Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro", sagte Stamatelopoulos. Beim Einstieg in die Vorhaben im Jahr 2021 sei die Welt aber noch eine andere gewesen: ohne Ukraine-Krise, mit niedrigeren Zinsen und stabileren Lieferketten.
Dennoch sprach Stamatelopoulos von einem erfolgreichen Geschäftsjahr. Das Unternehmen habe "wichtige strategische und operative Meilensteine erreicht" und das vergangene Jahr mit Rekord-Investitionen in erneuerbare Energie und den Umbau der Energieinfrastruktur abgeschlossen. Das unter anderem um Bewertungseffekte bereinigte operative Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) lag den Angaben nach im vergangenen Jahr bei 5,1 Milliarden Euro (plus 3,4 Prozent).
Vorhaben um Netzentgelte und Erneuerbare synchronisieren
Für EnBW sei es nun besonders wichtig, dass die Regierung ihre Gesetztesvorhaben umsetzt, erklärte Stamatelopoulos. "Der Kurs, den Frau Reiche vorschlägt, ist der richtige für diese Zeit", so der Manager. Bis auf einzelne Details zeigte er sich zufrieden. Etwa sollte der Prozess zur Reformierung der Netzentgelte synchronisiert werden mit dem Ausbau der Erneuerbaren und den Ausschreibungen des KWSG. "Für den Netzausbau ist eine im internationalen, vor allem jedoch im europäischen Vergleich angemessene Rendite wichtig, um am Kapitalmarkt wettbewerbsfähig zu sein. Am wichtigsten ist, dass ein gezielter und klar priorisierter Netzausbau einhergeht mit dem Ausbau der Erneuerbaren." Die Kritik von Erneuerbaren-Verbänden am Netzpaket nannte er "interessengeleitet".
Darüber hinaus nannte Stamatelopoulos die Novelle des EEG: "Hier erwarten wir, dass ein verlässlicher Investitionsrahmen nach dem Auslaufen der EEG-Genehmigung Ende 2026 geschaffen wird." Die Kritik von Erneuerbaren-Verbänden am Netzpaket nannte er "interessengeleitet".
mit dpa



