Der Vorstandsvorsitzende von RWE, Markus Krebber, lehnt eine strategische Gasreserve ab. Auf der Bilanzpressekonferenz des RWE-Konzerns interessierten sich viele Journalistinnen für den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten und die Herausforderungen für den Energiemarkt.
Der RWE-CEO warnte davor, in der aktuellen Knappheit eine strategische Gasreserve aufzubauen. "Wir müssen erst mal durch die Krise kommen und dann langfristig das Versorgungssicherheitsthema lösen", so Krebber. Wenn die Preise auf dem aktuellen Niveau blieben und sich die Krise in bis zu drei Wochen auflöse, werde sich der Markt wahrscheinlich richten, wenn nicht, "wird man es organisieren müssen". Er sehe günstigere Lösungen als die von 2022, als der Staat selbst in einem zu vorhersehbaren Muster Gas kaufte und die Preise hochgetrieben wurden. Der Markt könne das besser, sagt Krebber, der Staat solle lieber "virtuelle Speicherprodukte" ausschreiben.
RWE selbst ist von den aktuellen Krisenpreisen noch nicht sonderlich betroffen, der Konzernchef nimmt eine abwartende Haltung ein. Im Moment ginge der Markt davon aus, "dass sich das innerhalb von drei bis vier Wochen auflöst." Die konkrete Entwicklung könne heute jedoch wirklich niemand vorhersehen. "Wir sehen jede Nacht die weiteren Angriffe auf Energieanlagen", sagt Krebber. "Bei einem Andauern müssen wir uns in Europa mit der Einspeicherung für die Gasspeicher beschäftigen, damit diese vor dem nächsten Winter wieder voll sind."
Keine Übergewinne bei RWE
Zur Debatte über eine mögliche Übergewinnabführung erklärte Krebber, dass Übergewinne bei RWE nicht anfallen würden: "Erstens haben wir den überwiegenden Teil unseres Gases schon verkauft, da ist gar keine große Position, die jetzt von höheren Preisen profitiert." Am Ende profitierten jene, die auf fossilen Energien sitzen und diese exportieren können. "Davon hat Europa aber nichts, weil wir im Grunde genommen Nettoimporteur sind. Wie solle da innerhalb von Europa zusätzlicher Gewinn anfallen?"
Das vergangene Geschäftsjahr bewertet RWE insgesamt sehr positiv. Der Rückgang beim Ergebnis fiel geringer aus als ursprünglich erwartet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen sowie bereinigt um Sondereffekte sank 2025 im Vergleich zu 2024 um 10,4 Prozent auf rund 5,1 Milliarden Euro. Ausschlaggebend dafür waren vor allem ein überraschend starkes Handelsgeschäft sowie eine solide Entwicklung bei der Stromerzeugung aus Offshore-Wind.
Gas: wichtig für den Mix im Portfolio
Während die Windkraft im europäischen Markt teilweise hinter den Erwartungen zurückblieb, konnten die Gaskraftwerke diesen Effekt teilweise ausgleichen und entwickelten sich erfolgreicher als angenommen. Das Unternehmen betont daher die Bedeutung eines ausgewogenen Erzeugungsportfolios: "Gas trägt als flexibler Bestandteil neben erneuerbaren Erzeugungsarten zur Resilienz unseres Geschäfts bei."
Sein Portfolio im Gas will der Konzern ausbauen. "Wir brauchen Batteriespeicher und wasserstofffähige Gaskraftwerke", betont Krebber. Die Bundesregierung plant für 2026 die Ausschreibung von insgesamt 12 Gigawatt wasserstofffähiger Gaskraftwerke.
RWE selbst würde gerne drei Gigawatt der Kapazitäten bauen. Und zwar an Standorten ehemaliger Kraftwerke mit vorhandenen Netzanschlüssen. "Wir haben Vorverträge für Turbinen geschlossen und entsprechende Planung und Genehmigungsprozesse vorangetrieben", so Krebber. Ergänzt werden diese Kraftwerke durch den Bau großer Batteriespeicher, die Spitzen abfedern und das Netz entlasten. Auch sie sollen bevorzugt an Standorten mit bestehendem Netzzugang entstehen.
RWE erwartet 8,5 Prozent Rendite
RWE will in den kommenden sechs Jahren 35 Milliarden Euro in sein Erzeugungsportfolio investieren. "Aber wir geben dieses Geld nicht mit der Gießkanne aus", so Finanzvorstand Michael Müller. Der Konzern habe eine große diversifizierte Pipeline. "Deshalb können wir uns auf die attraktivsten Projekte fokussieren und geben nur dann grünes Licht, wenn bei neuen Projekten die Risiken gut zu managen sind und die Rendite stimmt." RWE erwartet für sein Investitionsprogramm im Durchschnitt über 8,5 Prozent Rendite.
Krebber setzt auf Geschäft in den USA
Der Energiekonzern RWE sieht derzeit vor allem in den USA und in Großbritannien attraktive Rahmenbedingungen für Investitionen. Ein großer Teil der bis 2031 geplanten Ausgaben soll daher in diese Märkte fließen.
Allein in den USA plant RWE, rund 17 Milliarden Euro zu investieren – fast die Hälfte des gesamten Investitionsprogramms. Damit will das Unternehmen rund neun Gigawatt neue Erzeugungskapazität aufbauen. "Der Energiebedarf in den USA ist einfach gewaltig", sagt Vorstandschef Krebber. Der Großteil der Mittel soll in Projekte für erneuerbare Energien fließen. Rund eine Milliarde Euro ist jedoch erstmals auch für Gaskraftwerke im US-Portfolio vorgesehen.
Der Fokus liegt dabei auf neuen Gasspitzenlastkraftwerken. Diese Anlagen können kurzfristig Strom bereitstellen und sollen das Portfolio aus erneuerbaren Energien ergänzen. Besonders für stromintensive Kunden wie Rechenzentren sei eine zuverlässige Versorgung entscheidend. Geplant sind die Kraftwerke vor allem an Standorten, an denen RWE bereits über Netzzugänge verfügt.
Investitionsentscheidungen in den USA hatte der Konzern im vergangenen Jahr zunächst ausgesetzt. Hintergrund waren politische Debatten über Technologien und mögliche Zölle. "Seit Sommer 2025 herrscht wieder Klarheit durch die sogenannte One Big Beautiful Bill und die Safe-Harbor-Regeln", erklärt Krebber. Deshalb habe RWE seine Investitionstätigkeit inzwischen wieder vollständig aufgenommen.
Der Konzern setzt nicht nur in den USA, sondern auch in Großbritannien auf Wachstum; dort biete die Regierung für den Ausbau der Offshore-Windenergie einen verlässlichen Rahmen. In der jüngsten Auktionsrunde konnte sich RWE mit fünf großen Projekten durchsetzen. Das Unternehmen erhielt Zuschläge für Differenzverträge über insgesamt 6,9 Gigawatt Leistung – mehr als ursprünglich erwartet.



