Die mediale Sichtbarkeit als Arbeitgeber ist bei vielen Stadtwerken noch deutlich ausbaufähig. Zu dieser Einschätzung kommt Andreas Quest, Geschäftsführer des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF). Grundlage für die Bewertung ist das aktuelle Reputationssranking der Energieversorgungsbranche, dass das IMWF zum nunmehr dritten Male erstellt hat.
Zwar seien die meisten Stadtwerke und regionalen Versorger werblich im HR-Bereich tätig, doch das reine Marketing trage sie nicht ausreichend in redaktionelle Onlinenews und auf Social Media, so Quest weiter. Stadtwerke könnten zudem noch mehr mit dem Pfund Management und Themenkompetenz vor Ort wuchern.
Für die Analyse wurden die Energiethemen nach überregionalen und regionalen Anbietern ausgewertet. Bei den regionalen Anbietern landete erneut Enercity ganz vorne. Auf den Plätzen dahinter gab es aber einige, signifikante Verschiebungen.
München, Schwerin und Rhönenergie verbessern sich deutlich
Enercity sei inzwischen sichtbarer als die überregionalen und deutlich sichtbarer als andere regionale Anbieter, so Quest. Zweitens wiesen die Hannoveraner einen positiven Tonalitätssaldo von 43 Prozent auf und nehmen damit in eine Spitzenposition ein. Drittens führe Enercity in vier von fünf Reputationsdimensionen das Feld der Stadtwerke an. Nur in der Arbeitgeberperformance schwächele es leicht.
Hinter Enercity folgen die Stadtwerke München, die einen Sprung um vier Plätze nach vorne gemacht haben, vor der Mainova. Danach folgen schon die Stadtwerke Schwerin und Rhönenergie, die sich gewaltig um 24 respektive 9 Plätze verbessert haben.
"Die Stadtwerke München konnten sich sowohl in Sichtbarkeit als auch Tonalitätssaldo bei den Reputationsdimensionen ´Produkte & Services, Nachhaltigkeit und Arbeitgeber“ steigern´, erklärt Quest.
Bei den Stadtwerken Schwerin falle auf, dass sie im Vergleich zum Benchmark eine außergewöhnlich gute Bewertung als Arbeitgeber erhalten haben. "Zudem ist es den Schwerinern gelungen, in der medialen Wahrnehmung für mehr Ausgeglichenheit und somit Resilienz in den fünf Reputationsdimensionen zu sorgen", so Quest. Die Rhönenergie habe sich in vielen Dimensionen leicht steigern können, vor allem aber bei der wirtschaftlichen Performance.
Reputations-Index basiert auf fünf Kriterien
Für die Analyse wertete das Institut knapp 180.000 reputationsrelevante Online-Erwähnungen aus redaktionellen Medien, Presseportalen, sozialen Netzwerken, Foren, Blogs und Bewertungsplattformen im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2025 aus. Die Analyse basiert auf einem mehrdimensionalen Reputations-Index, der Sichtbarkeit und Tonalität der Berichterstattung in fünf Reputationsbereichen zusammenführt: Management, Wirtschaftlichkeit, Produkte & Services, Nachhaltigkeit und Arbeitgeberattraktivität. Die Ergebnisse ermöglichen einen vergleichenden Benchmark unter den Energieanbietern und zeigen, welche Faktoren Reputation stärken oder schwächen.

Deutliche Verschiebungen bei überregionalen Versorgern
Das die Kundenwahrnehmung eines Energieversorgers für sein Image wichtiger ist als allein eine hohe Medien-Präsenz, zeigt das diesjährige Ranking der überregionalen Versorger. Vor allem Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind hier die entscheidenden Faktoren. Die Auswertung für das Jahr 2025 zeigt dabei eine deutliche Verschiebung bei den mittelgroßen überregionalen Anbietern. Die beiden Spitzenplätze belegen wie im Vorjahr Eprimo und Lichtblick.
Die Eon-Tochter Eprimo erzielte laut Pressemitteilung überdurchschnittlich hohe Reputationswerte in den Bereichen "Arbeitgeber-Performance", "Produkt & Service“, "Nachhaltigkeit“ und "Management“. Ausschlaggebend für das gute Abschneiden des Unternehmens war vor allem die Berichterstattung über Produkte und Services, auf die 54 Prozent aller Aussagen im Internet fielen. Der Hamburger Anbieter Lichtblick punktete vor allem bei "Wirtschaftlichkeit“ und „Management“. Die Ergebnisse zeigen laut IMWF: Wer mehrere Themenfelder dauerhaft stark besetzt, bleibt im Ranking stabil.
Octopus Energy macht vier Plätze gut
Hinter der Spitze hat sich das Kräfteverhältnis verändert. Octopus Energy machte vier Plätze gut und landete auf Platz 3. Der Ökostrom-Anbieter aus München erzielte überdurchschnittliche Werte in den Bereichen "Wirtschaftlichkeit“ und "Nachhaltigkeit“ und verdrängte die Eon-Tochter "E Wie Einfach“ auf Platz 7. Rund jede zehnte Aussage von Octopus Energy im Internet betraf das Thema Wirtschaftlichkeit, knapp jede vierte das Thema Nachhaltigkeit, heißt es weiter.
"Reputation ist kein Zufallsprodukt"
Dass eine hohe Sichtbarkeit allein keinen Spitzenplatz im Ranking garantiert, zeigt das Beispiel der Eon-Tochter Hansewerk Natur. Diese hat unter den überregionalen Anbietern mit knapp 5000 reputationsrelevanten Aussagen die größte mediale Präsenz. 44 Prozent aller Aussagen im Internet betrafen die Themen Produkt und Service. Im Ranking landet der Anbieter aus Schleswig-Holstein dennoch nur auf Platz 4.
"Das Ranking zeigt klar, dass Reputation kein Zufallsprodukt ist", sagt Roland Heintze, Reputations-Experte und geschäftsführender Gesellschafter der Beratungsgesellschaft "Per Agency“, die das Ranking gemeinsam mit dem IMWF durchführt. Wer wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit dauerhaft sichtbar mache, setzt sich durch. Unabhängig von der reinen Medienmenge sei die Konsistenz über mehrere Themenfelder hinweg entscheidend, so Heintze.
"Unsere Analyse zeigt, dass Energieversorger thematisch insgesamt breit aufgestellt sind. Das verleiht ihrer Reputation eine gewisse Resilienz. Auffällig ist jedoch, dass sie kaum als Arbeitgeber wahrgenommen werden. Und auch über das Management profilieren sich andere Branchen deutlich stärker", ergänzt Andreas Quest.



