Seit der Liberalisierung der Energiemärkte will die EU mit einer unabhängigen Vergleichsplattform für eine höhere Transparenz der Energietarife für Endverbraucher sorgen. Der wichtigste rechtliche Bezug dazu auf EU-Ebene findet sich bereits im Clean Energy Package, insbesondere in der Electricity Directive (Richtlinie [EU] 2019/944). Eine solche Plattform soll neben ihrer Unabhängigkeit und klaren Qualitätskriterien kostenlos für Verbraucher verfügbar sein und damit für vollständige Markttransparenz sorgen.
Tarifkalkulator seit 2001 im Einsatz
Während in Deutschland private und provisionsorientierte Portale den Markt dominieren, kommt der Tarifkalkulator der österreichischen Regulierungsbehörde E-Control den Idealvorstellungen der EU ziemlich nahe. "Da wir den Tarifkalkulator seit 2001 mit großem Erfolg betreiben, könnten wir uns diesen – bei einer europäischen Variante – durchaus als Benchmark vorstellen", sagte eine Sprecherin der E-Control der ZFK. Es gebe bereits eine Kooperation mit der Regulierungsbehörde in Luxemburg.
Grundsätzlich sollte man jedoch die Komplexität des Endkundenmarktes nicht unterschätzen, da die Märkte im Detail sehr unterschiedlich organisiert sind, so E-Control weiter. Besonders aufwendig sei es, wenn man tatsächlich alle Kostenkomponenten darstellen will: Energie, Netzentgelte, Steuern und Abgaben. Gut möglich also, dass die Realisierung einer europaweiten Vergleichsplattform in naher Zukunft nicht möglich ist.
Keine kommerziellen Interessen
"Der wesentliche Unterschied zwischen unserem Tarifkalkulator und anderen Vergleichsportalen ist, dass wir als Einzige einen vollständigen Überblick über alle Tarife bieten, weil es dafür eine gesetzliche Grundlage gibt und wir keine kommerziellen Interessen verfolgen", sagte die Sprecherin der E-Control weiter. "Bei uns werden grundsätzlich alle angebotenen Tarife dargestellt, bei Vergleichsportalen ist das nicht immer der Fall."
Auch höhere Platzierungen und Empfehlungen im Ranking gegen Bezahlung seien grundsätzlich ausgeschlossen. Als unabhängige Behörde habe E-Control "kein finanzielles Interesse an Lieferantenwechseln, da Lieferanten keinen finanziellen Beitrag zum Betrieb des Kalkulators leisten".
Wie viele Österreicherinnen und Österreicher ihren Strom- und Gastarif tatsächlich jährlich über den Tarifkalkulator wechseln, ist nicht klar. Der Grund: Ein direkter Wechsel über diese Vergleichsplattform ist gar nicht möglich. "Wenn sich ein:e Konsument:in für einen neuen Lieferanten entscheidet, gibt es einen Button, um zu einem bestimmten Anbieter zu wechseln. Dann wird man auf die Seite des jeweiligen Lieferanten weitergeleitet."
Wechselquote überschaubar
In Summe haben 2025 in Österreich laut E-Control rund 421.000 Kund:innen ihren Strom- oder Gaslieferanten gewechselt, 2024 waren es über 378.000. 2025 betrug die Wechselrate bei Strom damit 5,4 Prozent (nach 4,7 Prozent im Jahr 2024), bei Gas 6,3 Prozent (nach 6,5 Prozent 2024).
In Deutschland liegen die Wechselquoten deutlich höher: Laut Bundesnetzagentur erreichten sie im Jahr 2024 rund 14 Prozent bei Strom und 17 Prozent bei Gas. Es gab bei der Bundesnetzagentur ebenfalls Bestrebungen für ein neutrales Vergleichsportal für reguläre Stromtarife, Gastarife und/oder dynamische Stromtarife. Die rechtliche Grundlage dafür ist § 41c EnWG.
EU-weite Plattform noch unrealistisch
Aktuell beabsichtigt die Bundesnetzagentur jedoch nicht, ein eigenes Vergleichsinstrument zu betreiben, teilte die Regulierungsbehörde auf Anfrage mit. Ein staatliches Portal sollte in einem Wettbewerbsmarkt eine nachrangige Lösung sein und bedürfe eines klaren gesetzlichen Auftrags, hieß es weiter. In Bonn gibt es derzeit keine Bestrebungen, ein solches Portal zu etablieren.
Ein europaweit unabhängiges Vergleichsportal für Energietarife bleibt trotz klarer regulatorischer Zielsetzungen Zukunftsmusik. Nationale Lösungen erfüllen zwar zentrale EU-Anforderungen, eine einheitliche Umsetzung auf EU-Ebene scheitert bislang jedoch an Marktkomplexität und fehlendem politischen Mandat.
Der Text erschien zuerst in einer gekürzten Fassung in der aktuellen ZFK-Printausgabe. Hier geht es zum E-Paper.



